Eningen Eigentlich mag er gar keine Krimis

Nach der Lesung signierte Rainer Gross noch seine Bücher. Foto: Karin Lober
Nach der Lesung signierte Rainer Gross noch seine Bücher. Foto: Karin Lober
Eningen / KARIN LOBER 31.03.2012
Mit den Kriminalromanen "Grafeneck" und "Kettenacker" konnte Rainer Gross sehr beachtliche Erfolge verbuchen. Dabei mag der Autor eigentlich gar keine Krimis, wie er in einer Lesung in Eningen gestand.

"Selbst lesen ist gut, vorgelesen bekommen, ist noch einen Tick besser", bilanziert Albrecht Andres von der Buchhandlung Litera, nachdem Rainer Gross einige Kostproben aus dem 2011 erschienenen "Kettenacker" zum Besten gegeben hat. Die Zuhörer erfuhren dabei, wie der pensionierte Lehrer Hermann Mauser die Leiche eines Mädchens findet, das - wie sich später herausstellt - 1933 vergewaltigt und ermordet worden ist.

Wie in "Grafeneck" machen sich Mauser und Kommissar Greving auf die Suche nach dem Mörder, wobei auch die Nazi-Vergangenheit wieder eine Rolle spielt. Aber auch die Frage, wie man angesichts eines geschehenen Unrechts noch glauben kann, wird von Gross, der einst auch an einem Theologischen Seminar studierte, thematisiert. "Ich hab da weniger meine persönlichen Antworten reingebracht als meine persönlichen Fragen", sagte er im Gespräch mit dem Publikum.

In "Kettenacker" beschreibt der Schriftsteller immer wieder stimmungsvoll die Landschaft der Schwäbischen Alb. So, als sei er selbst gerade eben dort gewesen. Das war allerdings nicht der Fall: Der 1962 geborene Literat lebt seit über 14 Jahren in Norddeutschland. Allerdings hat er rund 33 Jahre seines Lebens in Reutlingen und Umgebung zugebracht. "Ich hab das noch drin", begründet Gross, "die Alb ist meine Heimat."

Dass er mit "Kettenacker" nun ein weiteren Krimi mit Mauser und Greving geschrieben hat, habe an der Nachfrage gelegen. "Ich mag eigentlich keine Krimis", gesteht Gross. Es selbst lese auch keine. Doch das Verhältnis zwischen den Protagonisten sei nach "Grafeneck" noch nicht ausgeschöpft gewesen. "Daher habe ich die Anregung dankbar aufgegriffen." Aufgegriffen hat er aber auch die Kritik eines Historikers an "Grafeneck". Er habe sich daher mit Thomas Stöckle, dem Leiter der Landesgedenkstätte Grafeneck, zusammengesetzt und in "Kettenacker" den historischen Kontext korrekt dargestellt, erzählt Gross, in dem auch sein einstiger Deutschlehrer weilt: Klaus Rittler war im ersten Jahr am Kepler-Gymnasium, als er Gross in der achten Klasse in Deutsch unterrichtet. Er sei ein hervorragender Deutschschüler gewesen, lobt Rittler, und habe ihm damals auch seine Texte zur Begutachtung gegeben. "Gross hat eine sehr bildhafte Sprache, die unglaublich treffend ist", sagt der inzwischen pensionierte Pädagoge über die Bücher seines ehemaligen Schülers.

Seine Werke schreibt Gross heute übrigens nach folgender Manier: Zunächst mache er sich Notizen. Hierfür lege er eine Datei an. "Da kommt alles rein, was mir einfällt." Anschließend gliedert er die Kapitel. Daran arbeitet er sich dann entlang. "Der Prozess der Niederschrift dauert bei mir nicht lang." Danach lasse er das Geschriebene zwei bis vier Wochen liegen, bevor er nochmals mit neuem Blick rangehe.

"Ich schreibe ja ständig", erzählt Gross und berichtet noch über aktuelle und künftige Projekte, wie etwa den Roman über einen dänischen Pfeifenmacher oder über einen Band mit Texten über Orte auf der Alb. Und auch ein weiteres Buch mit Mauser und Greving in den Hauptrollen ist geplant. Mauser sei in seiner Figur sehr klar, analysiert der Autor. "Doch der Greving wird immer interessanter für mich. Bei dem geht jetzt echt was ab", begründet er die Fortsetzung seiner erfolgreichen Werke: Für "Grafeneck erhielt Gross den Friedrich-Glauser-Preis, "Kettenacker" rangierte drei Monate unter den Top Ten auf der "KrimiZEIT"-Bestenliste von Zeit, arte und Nordwestradio.

Mit dem Hinweis, dass er auf seine nächste Lesung gespannt sei, da diese in Kettenacker stattfinde, verabschiedet sich Gross aus Eningen. Zuvor aber musste er noch die Frage beantworten, ob er denn - wie Mauser auch - eine 1000 BMW fahre. Er fahre eine 800er, stellt der Schriftsteller klar. "Ich hab da ein wenig draufgeschlagen."

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