Carola Eissler

Ohne das 1893 gegründete Traditionsunternehmen würde die „Welt von Draht und Rohr“, wie die Firma Wafios wirbt, wahrscheinlich anders aussehen. Ob Autoindustrie, Elektrotechnik, Haushaltsgeräte, Bergbau, Medizintechnik oder Möbelindustrie: Kaum eine der Firmen in diesen Branchen arbeitet ohne die Spezialmaschinen von Wafios. Von der kleinsten Feder bis zur tonnenschweren Kette reicht die Bandbreite der Produkte, die von Wafios-Maschinen in Form gebracht werden. Wichtigstes Standbein mit 60 Prozent des Umsatzes ist die Autoindustrie, wo Bremsleitungen und Hochpräzisionsfedern von Wafios-Maschinen hergestellt werden.

Eine überaus positive Bilanz sowohl für die Muttergesellschaft am Standort Reutlingen als auch für den gesamten Konzern zogen die drei Vorstände Christoph Müller-Mederer, Uwe-Peter Weigmann und Martin Holder gestern beim Pressegespräch. 120,4 Millionen Euro hat die Wafios AG, bestehend aus den Werken in Reutlingen und Markredwitz, 2016 umgesetzt. Das Ergebnis nach Steuern liegt bei 4,8 Millionen Euro. Für den gesamten Konzern liegt der Umsatz bei 168,7 Millionen, eine Steigerung von zehn Prozent.

66,4 Prozent des Umsatzes bei Wafios ist vom Auslandsgeschäft abhängig, ein Drittel sind deutsche Kunden. 70 Handelsvertretungen weltweit hat Wafios. Vor allem Amerika und Asien sind aufstrebende Märkte, in Mexiko wurde in diesem Jahr ein Werk offiziell eröffnet, im Jahr 2015 eine Fertigung in China. 150 Mitarbeiter arbeiten für Wafios in der Entwicklung, alle in Reutlingen. Kräftig investiert hat Wafios im vergangenen Jahr in die IT-Infrastruktur und neue Fertigungstechnologien, rund 3,2 Millionen Euro. Die Forcierung der Digitalisierung ist bei Wafios eines der zentralen Themen. Auch die Kunden bekommen immer mehr Softwaretools an die Hand, um ihre Anlagen zu optimieren. Für den Spezialmaschinenbau wird die Informatik immer bedeutender.

Rund 70 Auszubildende sind derzeit bei Wafios beschäftigt. Die Bewerbungssituation sei weiterhin sehr gut, sagt Holder. „Vom demografischen Wandel spüren wir derzeit noch nichts.“ Allerdings, räumt er ein, gehe der Trend eindeutig in Richtung Software und Digitalisierung, dort spüre man in der Branche bereits jetzt personelle Engpässe. „Digitalisierung in der Ausbildung ist eine Herausforderung für uns. Diesbezüglich sind wir auch mit den Berufsschulen in Kontakt.“

Neue Chancen und Märkte sieht Wafios bei der E-Mobilität, aber auch bei der Hybrid-Technologie. Elektrofahrzeuge verfügen über eine Vielzahl von speziellen Teilen aus Drähten und Rohren, die auf Wafios-Maschinen hergestellt werden: Stromschienen, Kupferleitungen, Spulen, Kontaktfedern. „Neue Produkte werden die alten Produkte ablösen“, ist man sich bei Wafios sicher. Will heißen: Sollte der Verbrennungsmotor irgendwann abgelöst werden, wird das tarifgebundene Reutlinger Unternehmen auch weiterhin in der Automobilindustrie vorne mit dabei sein. Der allgemeine Trend zur E-Mobilität bewirke bereits jetzt eine steigende Nachfrage nach entsprechenden Fertigungslösungen.

Firma Wafios, AG und Konzern

1061 Mitarbeiter beschäftigt die gesamte Wafios-Gruppe, davon 690 am Standort in Reutlingen.  Das Unternehmen wurde durch Ernst Wagner 1893 gegründet, 1912 erfolgte das erste Patent für eine Federwindemaschine. Unter dem Namen Wafios schlossen sich 1914  die Herren Wagner, Ficker und Otto Schmid zusammen, bereits 1932 war Wafios Weltmarktführer für Drahtverarbeitungsmaschinen, 1949 erfolgte der Wiederaufbau des Werks in Reutlingen.

Die Wafios-Gruppe umfasst neben neben der Wafios AG – mit Standorten in Reutlingen und Marktredwitz – die Firma Witels-Albert (Berlin), die Wafios Umformtechnik GmbH (Wuppertal), die Wafios Machinery Corporation in Branford (USA), die Wafios do Brasil in Sao Paulo und die 2013 gegründete Wafios Shanghai Machinery, 2015 Eröffnung einer Fertigung in China, 2017 offizielle Einweihung von Wafios Mexiko. Im Geschäftsjahr 2016 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 168,7 Millionen Euro.