Mehrfachen gemeinschaftlich begangenen Betrug wirft die Staatsanwaltschaft den beiden Angeklagten vor – einem 32-jährigen gelernten Bäcker und seiner damaligen 38-jährigen Lebensgefährtin, die sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Eberhard Hausch verantworten mussten.

Das Vorgehen war dabei immer ähnlich: Der 32-jährige gelernte Bäcker gab an, als Meister bei Bosch zu arbeiten. Er könne Leute im Unternehmen unterbringen, ihnen einen Job oder einen Platz für ein duales Studium vermitteln. Allerdings nur, wenn diese Geld zahlten, das er an Bianca Sams, Personalverantwortliche bei Bosch, weiterleiten müsse. Eine frei erfundene Geschichte.

Die Leute zahlten, teilweise fand die Geldübergabe an ungewöhnlichen Orten wie einem Kinderspielplatz in Grafenberg oder in einer Kneipe in Dettingen statt. Wenn die Leute drängten, wissen wollten, wann sie endlich anfangen könnten, wurden sie immer wieder vertröstet und erhielten irgendwann einen „nicht besonders professionell gemachten“ (Hausch), gefälschten Arbeitsvertrag. Insgesamt kamen knapp 20 000 Euro zusammen.

Vor Gericht räumte der Angeklagte, der unter anderem wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Verletzung der Unterhaltspflicht und Computerbetrug vorbestraft ist, die Vorwürfe ein. Er habe das gemacht, weil er mit dem Leben auf dem legalen Weg nicht zurecht kam, ließ er seine Anwältin Safak Ott erklären. Er habe keinerlei Rückhalt von seiner Familie erfahren. Und er durfte nach der Scheidung von seiner Frau seine heute achtjährige Tochter nicht mehr sehen, was ihn sehr belastet habe.

Opfer oder doch Komplizin?

Dabei versuchte er, seine damalige Lebensgefährtin zu entlasten, mit der er nach einer Trennung jetzt wieder in Stuttgart zusammenlebt. Auch ihr hatte er einen Job bei Bosch versprochen und einen gefälschten Arbeitsvertrag zukommen lassen. „Ich wollte sie nie unten sehen. Ich wollte sie nach oben holen“, sagte er aus. War die 38-Jährige also nur sein erstes Opfer oder doch seine Komplizin? Was wusste die gelernte Friseurin, aus deren Bekannten- und türkischstämmigen Verwandtenkreis die späteren Opfer stammten?

Sie habe niemals Geld erhalten, und sie habe auch keine Urkunden hergestellt, erklärte ihr Verteidiger Steffen Kazmaier. Und als sie von den Betrügereien ihres Freundes erfahren habe, habe sie sich von ihm getrennt. Auf der anderen Seite hatte sie ihrer Familie und ihrer Tante nicht nur davon erzählt, dass sie eine Arbeit bei Bosch antreten würde, sondern auch, dass sie dort arbeite und ihr die Tätigkeit Spaß mache. Das war  gelogen.

Erstunken und erlogen

Aufgeflogen war das Ganze, als ein Opfer, das 6000 Euro für den vermeintlichen Arbeitsplatz bezahlt hatte, bei Bosch nachgefragt und anschließend Anzeige bei der Polizei erstattet hatte. „Man kannte sich. Man hat sich vertraut. Dieses Vertrauen wurde enttäuscht“, resümierte der ermittelnde Polizist.

„Alles war erstunken und erlogen“. Der gesunde Menschenverstand sage einem doch, so der Polizist, dass kein Geld verlangt werde. Dennoch waren die vermeintlichen Job-Angebote offensichtlich derart verlockend, dass die Warnsignale geflissentlich überhört wurden. Ein Opfer hatte aufgrund der falschen Versprechungen seine Arbeitsplatz  gekündigt, andere wiederum hatten sich das Geld geliehen.

Die Zeugen bestätigten im Wesentlichen die in der Anklageschrift niedergelegten Vorwürfe. Hätte er die Mitangeklagte nicht gekannt, wäre er darauf nicht eingegangen, sagte ein 54-jähriger Dettinger aus. Irritationen gab es jedoch, als eine Zeugin aussagte, sie habe die geforderten 1000 Euro doch nicht bezahlt, was im Widerspruch zu ihrer Aussage bei der Polizei stand. Eine Anfrage bei der Bafin und die Prüfung des „Whats App“-Verlaufs auf dem Smartphone soll helfen, diesen Widerspruch aufzuklären.

Die Verhandlung wird am 24. Januar mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt, das Urteil soll dann voraussichtlich am 14. Februar erfolgen.