Zweieinhalb Jahre Gefängnis für den Hauptangeklagten, zwei Jahre für seine Mittäterin und Lebensgefährtin: Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Eberhard Hausch sah es als erwiesen an, dass sich die beiden in vier Fällen des gemeinschaftlich begangenen Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung schuldig gemacht hatten. Dazu kam noch ein versuchter Betrug mitsamt Urkundenfälschung.

Das überaus dreiste Vorgehen lief dabei immer ähnlich ab: Der 32-jährige gelernte Bäcker gab an, als Meister bei Bosch zu arbeiten. Er könne Leute im Unternehmen unterbringen, ihnen einen Job oder einen Platz für ein duales Studium vermitteln. Allerdings nur, wenn diese Geld zahlten, das er an Bianca Sams, vermeintliche Personalverantwortliche bei Bosch, weiterleiten müsse. Die Angesprochenen, die aus dem Bekanntenkreis der 38-jährigen Mitangeklagten stammten, gingen auf die reizvolle Offerte ein, auch weil sie der Mitangeklagten geglaubt hatten. Diese hatte ihrer Familie erzählt, dass ihr Freund ihr eine Arbeit bei Bosch beschafft hatte, was gelogen war.

19 000 Euro ergaunert

Bis zu 5600 Euro hatte der 32-Jährige für seine angeblichen  Vermittlungsdienste verlangt. Die Geschädigten wurden im Herbst 2018 über Wochen und Monate hingehalten, zur Beruhigung erhielten sie gefälschte Arbeitsverträge. Auf diese Art und Weise hatten die beiden Angeklagten rund 19 000 Euro erschwindelt, die sie laut Urteil zurückzahlen müssen.

Dass die Opfer aus dem „sozialen Nahraum“ der Mitangeklagten stammten und somit ein „Vertrauensvorschuss“ gegeben war, wertete das Gericht als „strafverschärfend“. Ebenfalls strafverschärfend sei die Tatsache zu berücksichtigen, dass die Opfer nicht wohlhabend gewesen seien, was die Angeklagten gewusst hätten. Zudem habe man diese nicht nur einmal um ihr Geld gebracht, sondern habe immer wieder neue Forderungen gestellt und dies mit Vergünstigungen wie Weihnachtsgeld, einem Dienstwagen oder auch Kosten für Arbeitskleidung begründet.

Hausch: „Von Versprechungen kann sich das Opfer nichts kaufen“

Bei beiden Angeklagten ging das Gericht teilweise deutlich über den Strafantrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die 24 Monaten für den Hauptangeklagten und 15 Monate auf Bewährung für seine Lebensgefährtin gefordert hatte. Gegen eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung  habe auch das Verhalten nach den Taten gesprochen. Die Angeklagten hätten nichts unternommen, den Schaden wiedergutzumachen – auch wenn aufgrund der wirtschaftlichen Situation nur kleine Beträge möglich gewesen wären. „Von Versprechungen kann sich das Opfer nichts kaufen“, sagte Hausch.

Während der Hauptangeklagte, der wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Verletzung der Unterhaltspflicht und Computerbetrug vorbestraft ist, die Taten eingeräumt hatte, hatte seine Mitangeklagte behauptet, das erste Opfer gewesen zu sein und nichts von den Betrügereien ihres Lebensgefährten gewusst zu haben. Nach Überzeugung des Gerichts hatten Zeugenaussagen dies als „reine Schutzbehauptung“ widerlegt. Die 38-Jährige sei vom „Opfer zur Mittäterin“ geworden, sagte Hausch. Dass das Schöffengericht bei ihr dennoch so deutlich über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinausging, hatte auch mit dem  Schlusswort zu tun, indem sie sich als Opfer stilisierte und den Zeugen unterstellte, gelogen zu haben. „Es gab kein Zeugenkomplott. Das Komplott ist hier gesponnen worden“, stellte  Hausch in der Urteilsbegründung klar. „Sie haben mit ihrem letzten Wort die Bewährung weggeredet.“