Was für eine Freude: Auf Anweisung eines Busfahrers sich mit Gejohle in den Bus stürmen. Möglich war das dieser Tage an der Hoffmannschule in Betzingen. Die Klasse 5a hatte sich gemeldet, um an einem speziellen Bus-Training teilzunehmen. Warum? "Es geht um das richtige Verhalten beim Busfahren", sagte Bernd Kugel von der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft (RSV).

Dass dieses Thema durchaus 45 Minuten wert sein könnte, zeigte sich bei der einen oder anderen Äußerung der Schüler: "Ich habe mich früher immer gefragt, warum die alten Knacker zuerst einsteigen dürfen", sagte einer ziemlich naseweis. RSV-Verkehrsaufseher Christian Bönisch gab Nachhilfeunterricht: "Weil ältere Menschen oft schlecht stehen können und so vielleicht eher einen Sitzplatz finden." Und, so ergänzte eine Schülerin, die Jüngeren sollten auch aufstehen, wenn eine ältere Person im Bus keinen Platz findet. "Genau", sagte Bönisch. Und das ganz besonders, wenn jemand mit Stock oder Krücken komme. "Weil sich diejenigen nämlich nicht an den Stangen festhalten können."

Noch mehr Informationen gab Bönischs Kollege Michael Koch - und zwar über technische und energiesparende Details eines Hybridbusses etwa. Oder über langsam und schnell fahrende Busse. "Wobei wir im Durchschnitt nicht schneller als 30 Stundenkilometer fahren", so Verkehrsaufseher Koch. Bei einer Fahrt ums Quartier der Hoffmannschule verdeutlichte der Busfahrer den Schülern seine Äußerungen. "Und warum ist es trotzdem beim Linienbus so wichtig, dass immer alles ganz schnell geht?", fragte Bönisch in dem anderen Bus die Kinder. Das liege am Fahrplan, der müsse schließlich eingehalten werden, sagte eine Schülerin. "Richtig", so Christian Bönisch, der in seinem Beruf genauso wie Michael Koch nicht allein 30 solcher Unterrichtseinheiten an den unterschiedlichsten Schulen im Stadtgebiet abhält: "Normalerweise sitzen wir im Turm am ZOB", so Koch. Und von dort aus regeln sie den Verkehr, schauen, dass alles glatt läuft. "Sollte es mal eine Panne geben, springen wir ein und fahren auch selbst Bus."

Dass nicht immer alles glatt läuft im Straßenverkehr, verdeutlichte ein Fünftklässler der Hoffmannschule: "Wenn ich morgens mit dem Bus fahre, hat der meist Verspätung." Ein Grund dafür könne der dichte Verkehr auf Reutlingens Straßen sein, ein anderer aber auch die beliebte Drängelei beim Einsteigen von Schülern, sagte Bönisch. "Und was glaubt Ihr, was geht schneller - drängeln oder nicht drängeln?", so der Nachwuchs-Busfahrer. "Nicht drängeln", kam es sofort, wenn auch etwas widerwillig, von Schülerseite zurück. "Seht Ihr - Ihr könnt also mithelfen, dass es schneller geht", betonte Bönisch.

Und Fundsachen? Natürlich vergessen Kinder immer wieder Sachen im Bus, wie Bernd Kugel betonte. Von Handschuhen über Schulranzen bis hin - man mag es kaum glauben - bis hin zu sich selbst. Ein Kind hatte offensichtlich mal die passende Haltestelle verpasst und saß dann bis zur Endstation. "Fundsache Kind war das Kurioseste, was wir bisher hatten", so der RSV-Marketingleiter. "Und der Witz war, dass das Kind nichts sagte", erinnert sich auch Michael Koch an den "Fall". Als der Busfahrer dann den Kleinen an die Hand nehmen wollte, kam doch noch ein Satz: "Meine Mama hat gesagt, ich darf nicht mit fremden Männern mitgehen." Was ja an und für sich nicht falsch sei, so Koch.