Theater Diktatoren und ihre heimlichen Helfer

Das neue Stück „Diktatoren“ der inklusiven Theatergruppe feiert am heutigen Donnerstag in der Tonne Premiere.
Das neue Stück „Diktatoren“ der inklusiven Theatergruppe feiert am heutigen Donnerstag in der Tonne Premiere. © Foto: Privat/Karen Schultze
Reutlingen / Anja Weiß 07.06.2018

Was einst als einzigartiges Projekt begann, ist zwischenzeitlich ein fester Bestandteil im Spielplan der Tonne: Die Stücke des  Tonne-BAFF-Theaterensemble, das nun bereits im zwölften Jahr auf die Bühne tritt. Das inklusive Ensemble ist eine Kooperation des Reutlinger Theaters mit den Werkstätten von Bruderhaus-Diakonie und LWV Rappertshofen. Rund ein Dutzend Mimen gehören dem Ensemble an, die meisten von ihnen sind schon lange dabei, bekommen Schauspiel- und Sprachunterricht, werden von Jahr zu Jahr mehr zu Bühnenprofis. Auch aus den Reihen der Tonne gibt es treue, überzeugte Wegbegleiter wie Intendant Enrico Urbanek oder Schauspieler und Musiker Michael Schneider.

Kästners Satire als Grundlage

Dieses Jahr hat sich das Ensemble unter der Regie von Enrico Urbanek  die (leider) zeitlose, bissige Satire  „Schule der Diktatoren“ von Erich Kästner als Stück ausgewählt. Denn, so heißt es gleich in der Einführung, „sie scheinen nie aus der Mode zu kommen, jede Zeit bringt ihre eigenen hervor, der Nachschub wie die Spielarten wirken unermesslich: Diktatoren, die sich bestens darauf verstehen, Angst und Schrecken zu verbreiten.“ Doch es sind nicht die Diktatoren allein, die für Terrorregime zuständig sind, erklärte Urbanek.

„Die Hauptaussage unseres Stücks ist, dass die Diktatoren Leute brauchen, die ihnen zuarbeiten“. Ohne Forscher, Wissenschaftler, die Banken und die Waffenlobby könnte sich kein Diktator halten,  so geschieht es immer wieder, dass scheinbare Demokratien unterwandert werden. Wie dies geschieht, was die Mechanismen dahinter sind und was dann passiert: Eben diesen Fragen hat sich das Ensemble gewidmet. Entstanden ist dabei im Lauf der Proben ein gänzlich eigenes Stück, wie Urbanek und  der musikalische Leiter Michael Schneider berichten. Kästners Symboltheater wurde zu einer neu kreierten Fassung des Theaters Tonne.  „Irgendwann war kein Text von Kästner mehr drin“, so Urbanek, „wir konnten ihm einfach nicht gerecht werden“. Also wurde die Fassung umbenannt in „Diktatoren“, die Texte sind komplett selbst geschrieben worden und damit wurde gleichzeitig eine Uraufführung daraus. Das Ensemble nutzt in seiner Inszenierung das komplette darstellerische Instrumentarium, es wird gespielt und gesprochen, gesungen und Musik gemacht.

Hier natürlich vor allem Musik, die an Hymnen und Märsche angelehnt ist, es gibt eine eigene Flagge, wie es sich für einen Diktator gehört. Und natürlich steht auch ständig die Frage im Raum: Wo sind die Stimmen, die Nein sagen? „Wir wollten ein politisches Stück machen“, erklärt Urbanek. Dafür haben sich die Mitwirkenden mit den Machenschaften der Macht, der Willkürherrschaft, der Wahlfälschung und Revolution beschäftigt.

Sie bringen das ganze satirisch, voll Spielfreude und Musik auf die Bühne. Kurzum, das einzigartige Theater-Projekt geht also in eine neue Runde, aber sicher nicht die letzte.

„Diktatoren“: Die Termine im Überblick

Die Premiere für „Diktatoren“ ist am heutigen Donnerstag, 7. Juni, um 20 Uhr in der Tonne. Weitere Vorstellungen sind am 9., 10., 14., 15., 16., 17., 22., 23. und 24. Juni. Die Vorstellungen am 16. und 17. Juni beginnen um 16 Uhr, die am 10. und 24. Juni um 18 Uhr, alle anderen um 20 Uhr.

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