Lichtenstein / PATRICIA KOZJEK  Uhr
In diesem Jahr saßen beim Sportkreis gleich "mehrfach bedeutende Menschen" aus dem Landkreis in der Lichtensteinhalle, stellte der amtierende Vorsitzende Karl-Heinz Walter gleich bei der Begrüßung fest.

Einer der Gründe für die Häufung mehrfach bedeutender Menschen am Freitagabend in der Lichtensteinhalle Unterhausen: Ein sportliches Podiumsgespräch mit Abgeordneten und Kandidaten zur Landtagswahl, moderiert von Sportreporter Wolfgang Gattiker. Dem Podium vorneweg gingen zahlreiche Grußworte, darunter von Erika Frank vom Vorstand des TV Unterhausen, dem Gastgeber-Bürgermeister Peter Nussbaum, Landrat Thomas Reumann und CDU-Bundestagsabgeordnetem Michael Donth.

Sportvereine stünden für Prävention, Integration und Inklusion im Landkreis, unterstrich der Landrat. Als "tolles Team" bezeichnete er den Sportkreis, der vom Landkreis wieder mit 88 000 Euro unterstützt werde. "Das wollen wir auch beibehalten", stellte Reumann in Aussicht, noch bevor er den "Sport-Philosophen" Lukas Podolski zitierte: "Lasst uns die Köpfe hochkrempeln und die Arme auch."

Welche Botschaft der Bundestagsabgeordnete Michael Donth wohl aus Berlin mitgebracht hat? Die Frage von Walter beantwortete ein extrem gut gelaunter Karl-Wilhelm Röhm spontan: "Den Albaufstieg." Gelächter in der Halle. Donth lobte das "generationenübergreifende Engagement" in den Sportvereinen. Der Sport ist ein unkompliziertes Bindeglied zwischen Generationen, glaubt er.

Bevor Moderator Wolfgang Gattiker die Landtagsabgeordneten Karl-Wilhelm Röhm (CDU), Thomas Poreski (Grüne) und Klaus Käppeler (SPD) neben FDP-Kandidatin Wibke Steinhilber auf Herz und Sportverstand testete, gaben jene preis, welchen Sport sie selbst treiben. Röhm hat seit der Niederlegung seines Schulamts als Rektor und Sportlehrer nun wieder Zeit zum Joggen. Er ist seit 38 Jahren Mitglied im TV Unterhausen: "In dieser Halle habe ich schon viel geschwitzt", verrät er.

Der "Grünen-Radler" Thomas Poreski ist nicht nur viel wie begeistert auf zwei Rädern unterwegs, auch das Wandern und Fußballspielen machen ihm "gute Laune in oft stressigen Zeiten", wie er sagt.

Ski-Alpin, Volleyball und Fußball sind Käppelers Sportarten, während Steinhilber sich "zeitbedingt" aufs tägliche Laufen mit den zwei Hunden konzentriert.

Dass Sport und Flüchtlinge bestens zusammengehen, daran glauben alle Podiumsteilnehmer. "Deutsch können sie vielleicht nicht, aber Sport machen und dabei Deutsch lernen und Freunde finden", daran glaubt Poreski. "Beste Möglichkeit der Integration" sieht ebenso Käppeler eindeutig im Sport. Dass Schulsport oft nicht die Rolle in der Schule spielt, bedauert Gattiker und fragt, wie die Politiker dazu stehen. Während es Röhm "nicht gar so pessimistisch" sieht, zumindest in den weiterführenden Schulen, wie er betont, wünschte sich Poreski bei den Kindern "mehr Bewegungskultur". "Kinder werden heute überall hin chauffiert, doch gute Bewegungskultur, bestenfalls frühkindlicher Art, lässt auch Gehirne beweglich bleiben", ist Poreski überzeugt.

Dass Kinder "immer weniger Freizeit haben", auch wegen der Ganztagsschule, könnte ein Grund dafür sein, dass Vereine Mitglieder verlieren, stellt Gattiker in den Raum. Während Röhm die Bindung an eine Ganztagesschule gar als "verhängnisvoll" ansieht und "kein Freund davon" ist, wie er zugibt, weiß Käppeler, dass der Weg dahin auch nicht zurückführen wird. "Sportvereine müssen sich künftig darauf einstellen", glaubt der SPD-Politiker. "Doch wie sollen diese Schul-Vereins-Kooperationen aussehen, wer soll's machen?", fragt Steinhilber ihren Sitznachbarn. "Die Trainer arbeiten schließlich nur im Ehrenamt (neben ihrem Job) und deshalb sicher nicht vor 17 Uhr noch an den Schulen", gibt sie zu bedenken. Ob sich die Vereine "neu erfinden" und Trendsportarten im Angebot aufgenommen werden müssen? Und: Kann ein Verein auch "online bewegen"?

"Sport bleibt ein Gemeinschaftserlebnis, wichtig vor allem für junge Menschen", weiß Pädagoge Röhm. Ob sich die VHS damit zwingend beschäftigen müsse, hält er hingegen für fraglich. "Das sollen sie doch den Vereinen überlassen", sagt er. "Sport im Verein wird nicht durch einen YouTube-Kanal ersetzt", glaubt auch Poreski, während Käppeler das "soziale Lernen für Kinder im Verein" ebenso stark in den Vordergrund stellt. "Das geht heutzutage vielen Kindern ab, weil Eltern immer weniger Zeit für sie haben."

Im "Digitalsport" sieht auch Steinhilber "keine Zukunft", die zudem unterstreicht, dass es schlicht "eine neue Anerkennungskultur" für das Ehrenamt im Sport braucht.

Auch Neuwahlen standen an diesem Abend beim Sportkreis an. Große Freude kam dem 23-jährigen Christopher Ott zuteil, der zum neuen Sportkreis-Jugendleiter gewählt wurde, nachdem sich Tobias Schindler nicht mehr zur Wahl stellte. Otts Motivation: "Die Jugend von heute sind die Erwachsenen von morgen, die müssen wir fördern", ist der junge Übungsleiter für Kindersport aus Sickenhausen überzeugt, der in Kürze sein Studium in Ludwigsburg beginnt und seinen neuen Posten mit den Stellvertreterinnen Marion Nau und Karolin Dubberke anpacken will.

Für weitere vier Jahre als treibende Kraft an der Spitze des Reutlinger Sportkreises mit seinen 268 Vereinen und rund 88 500 Mitgliedern wurde Karl-Heinz Walter gewählt, der den Posten seit März 2004 innehat.