Verkehr Dietweg: VCD lehnt Umfahrung ab

Reutlingen / swp 11.07.2018

Die Ortsgruppe des  Verkehrsclubs Deutschland in Reutlingen (VCD) habe starke Zweifel an der korrekten Einstufung der Dietwegtrasse im Bundesverkehrswegeplan (BVWP), heißt es in einer Mitteilung der Reutlinger Gruppe. Mit dem überragenden Nutzen-Kosten-Faktor von „größer als 10“ wurde dieses Straßenbauprojekt in die höchste Kategorie „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Noch in diesem Jahr soll mit den Planungen begonnen werden. Diese Einstufung kann der Verkehrsclub überhaupt nicht nachvollziehen, wurde doch dasselbe Projekt im bisherigen Bundesverkehrswegeplan mit dem eher mittelmäßigen Faktor „2,8“ geführt. Noch deutlicher formulierte es Prof. Hartmut Topp, der im Auftrag der Stadt Reutlingen den aktuellen Verkehrsentwicklungsplan erstellt hat: „Begraben Sie die Dietwegtrasse!“

Der VCD kritisiert auch, dass schon die Bezeichnung „B 464 Ortsumfahrung Reutlingen“ irreführend sei, weil die Trasse nicht nur mitten durch den dicht besiedelten Nordraum führt, sondern auch für den innerstädtischen Bereich der Stadt nahezu keine entlastenden Auswirkungen hätte. Stattdessen könnte sich die Verbindung der B 464 mit dem Scheibengipfeltunnel für die zukünftige Verkehrsentwicklung sogar fatal auswirken, weil sie als weiterer Mosaikstein für eine neue Nord-Süd-Achse zusätzlichen überregionalen Verkehr anziehen würde. Zurzeit nehmen laut VCD die B 312 den Fernverkehr vom Aichtalknoten ausreichend auf und führe ihn, ohne das Reutlinger Siedlungsgebiet zu berühren, in den Scheibengipfeltunnel. Diese Strecke sei  ohnehin etwa zwei Kilometer kürzer, als es die Verbindung über die Dietwegtrasse wäre. Die B 312 wäre notfalls für einen Bruchteil der Kosten ausbaufähig und zwar ohne weitere Zerstörung von Landschaften, so der VCD.

Zweifelhafter Nutzen?

Die zusammenhängende Grünfläche inmitten der großen Wohnsiedlungen Orschel-Hagen, Voller Brunnen und Storlach wäre bei einem Bau der Dietwegtrasse viele Jahre lang zerschnitten und durch die geplante Einschnürung auch auf Dauer erheblich beeinträchtigt. Dieses intakte Naherholungsgebiet einer neuen Straße zu opfern, ist verantwortungslos gegenüber den folgenden Generationen, mahnt der VCD. Auch die südlichen Wohngebiete in Sondelfingen, die entlang der geplanten 300 Meter langen Brücke über die Bahnlinie liegen, müssten mit erhöhter Schadstoff- und Lärmbelastung rechnen. Ein 50 Millionen Euro teures Straßenbauprojekt von derart zweifelhaftem Nutzen ist aus Sicht des VCD nicht zu rechtfertigen.

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