Festival Mundart-Wochen sogar mit Äroddik

Jürgen Spieß 22.02.2017

Die Reihe ist lebendiger denn je“, sagt Volksbankchef Josef Schuler und meint damit die 42. Reutlinger Mundart-Wochen. Die gehen vom 10. bis 28. März über die Bühne. Die sechs Veranstaltungen finden – mit einer Ausnahme – in den Schalterräumen der Volksbank statt. Gastgeber der beliebten Dialekt-Reihe ist der Ermstäler Autor Wilhelm König, seit 1976 richtet er die Mundart-Wochen aus und zeigt den Menschen auch in Zeiten der Globalisierung den Weg zurück zu den Wurzeln.

„Dass Mundart derzeit wieder in aller Munde ist“, so Josef Schuler, sei eine „klare Bestätigung“ für Wilhelm König, der als Erms­täler Mundart-Original auch in Saure-Gurken-Zeiten unverdrossen den Reichtum der schwäbischen Sprachgewalt hochgehalten hat. Neben den Mundart-Wochen hat König auch das Württembergische Mundart-Archiv in Bad Schussenried (seit 1999), die Zeitschrift „schwädds“ (seit 1980) und die Mundartgesellschaft Württemberg (seit 1978) ins Leben gerufen. Sein Enthusiasmus ist ungebrochen: „Das ist nachgewiesen die älteste Mundart-Reihe im deutschsprachigen Raum und versteht sich nach wie vor als Entdecker-Festival“, verkündet der 81-Jährige stolz. Er vergisst aber nicht zu erwähnen, wem er den Erfolg der Reihe auch zu verdanken hat: „Dieses Durchhaltevermögen war nur durch die Unterstützung von Sponsoren möglich“, betont König und spielt den Ball zurück zum Hauptsponsor Volksbank, die der Reihe seit vielen Jahren nicht nur finanziell unter die Arme greift, sondern auch Technik, Personal und vor allem ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. „Wenn die Schalterhalle voll ist, ist das die schönste Kleinkunstbühne Reutlingens“, ist Wilhelm König überzeugt.

Inzwischen hat sich die Mundart-Reihe in der Tat fest im Kulturkalender der Achalmstadt etabliert, die hinter der Veranstaltung steht und „sich auch mit dem Umland verbunden fühlt“, so König. Los gehen die Mundart-Wochen am 10. März, 19 Uhr, mit zwei alten Bekannten: Das „völkerverständigende“ Duo Helge & das Udo demonstriert in seinem Programm „Sonst macht‘s ja keiner“, dass ein zungenfertiger Kieler (Helge Thun) und ein ganzkörperorientierter Schwabe (Udo Zepezauer) eine ganze Menge gemeinsam haben können.

Weiter geht‘s am 14. März, 19 Uhr, mit einer Mundart-Wochen-Premiere: Christiane M bietet in ihrem Programm „Kocht han i nix, aber guck wie i do lieg“ schwäbisch-erotisches Kabarett. Manche meinen ja, Schwäbisch sei der unerotischste Dialekt gleich hinter Sächsisch. Christiane M will das Gegenteil beweisen und zeigen, dass „Schwäbische Äroddik d‘Balance oberhalb dr‘Gürtellinie isch“.

Klaus Birk war dagegen schon einige Male zu Gast in der Reihe, aber soweit sich König erinnert, „noch nie solo“. In seinem Stand-up-Programm „Liebe Dich oder Du kannst mich mal gern haben“ (17. März) lässt er die Liebe an der langen Leine laufen und führt seinen Mund Gassi. Bereits ausverkauft ist das schwäbische Kabarett-Duo Dui do on de Sell mit „Reg mi net uf“ (23. März).

Schließlich kommt am 28. März Ernst Mantel mit seinem Soloprogramm „Ha komm!“ in den Spitalhofsaal. Alle anderen Veranstaltungen finden wie gewohnt in der Volksbank-Filiale in der Gartenstraße 33 statt. So auch die ebenfalls schon ausverkaufte Kult-Begegnung von „Wein Musik & Wort“ am 25. März. Umrahmt von Wilhelm Königs Texten und musikalisch begleitet von Jörg Beirer verwandelt sich die Schalterhalle des Kreditinstituts in eine atmosphärische Weinstube, in der zu Rebensaft und Hefekranz munter geschwäbelt wird.

Tickets

Karten für die Mundart-Wochen sind im Konzertbüro am Markt oder an der Abendkasse erhältlich. Der nächste öffentliche Mundart-Stammtisch steigt am 8. März, 19 Uhr, im Gartentorturm Reutlingen.

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