Nein, es war nicht die Speisekarte, die dazu führte, dass die Neandertaler vor gut 40 000 Jahren von den anatomisch modernen Menschen verdrängt wurden. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie, die Tübinger Forscher unter Leitung von Prof. Hervé Bocherens (Fachbereich Geowissenschaften) gemeinsam mit einem französischen Kollegen erarbeitet haben. Bislang waren Teile der Forschung davon ausgegangen, dass Neandertaler ein eingeschränktes Nahrungsspektrum gegenüber den Vorfahren des modernen Menschen gehabt hätten, da Letztere nicht nur Mammut und Bison, sondern auch Fisch gegessen hätten. Eine Annahme, die auf der Isotopenanalyse von Knochen beruht, die Rückschlüsse auf die Ernährung zulassen.

Bocherens und sein Team widersprechen dieser Hypothese. Aus den vorliegenden Isotopenanalysen lasse sich nicht, so der Tübinger Paläobiologe, unbedingt schließen, dass sich die Ernährung von anatomisch modernem Menschen und Neandertaler unterschied. Für Bocherens war es also nicht der Fisch, sondern eher Umweltveränderungen wie zunehmende Trockenheit, die dem modernen Menschen einen Vorsprung verschafften.