Reutlingen Die Verschmelzung der Kulturen

Die Veranstalter des „inter:Komm!“-Festivals freuen sich auf Musiker aus aller Welt, die vor dem franz.K auftreten werden.
Die Veranstalter des „inter:Komm!“-Festivals freuen sich auf Musiker aus aller Welt, die vor dem franz.K auftreten werden. © Foto: Jürgen Spieß
Von Jürgen Spieß 18.07.2018

Musik, die verschiedenste ethnische Einflüsse verbindet und sich gegenseitig befruchtet: So das Ziel des zum vierten Mal auf dem Platz vor dem franz.K ausgerichteten Open-Air-Festivals „inter:Komm!“, bei dem am 20. und 21. Juli acht Weltmusikbands auftreten, darunter die „Stimme des arabischen Frühlings“, Emel Mathlouthi.

Abseits des Mainstreams

„Mit diesem Festival wollen wir zwanglose Begegnungen von Menschen ermöglichen und zeigen, wie Künstler Einflüsse unterschiedlicher Kulturen zu einer Synthese verbinden“, betont Andreas Roth bei der Vorstellung des Programms. Die Organisatoren um den hauptamtlichen franz.K-Geschäftsführer möchten das interkulturelle Moment betonen, indem sie Künstler einladen, die Weltmusik nicht als reine Folklore zu verstehen, sondern als etwas musikalisch Eigenständiges abseits des Mainstreams. Das Festival startet am Freitag mit einem „Tag der starken Frauen“ und Auftritten von Emel Mathlouthi, Thabilé, Karla Lara und Kupayaku. Die Londoner Band The Turbans, Bazaar, das Reutlinger Talk Projekt und Klezmob sind am Samstag zu Gast und am Sonntag ist wieder Familientag.

Interkulturelle Bezüge sollen aber nicht nur durch die Musik geschaffen werden. Das franz.K-Team versucht auch, finanzielle Hürden zu beseitigen und damit Menschen den Zugang zum Festival zu ermöglichen, die sich das sonst nicht leisten können. So wird wieder kein Eintritt erhoben, um die Hürden für Migranten und Flüchtlinge niedrig zu halten.

Das kulturverbindende Konzept wird am Familien-Sonntag wörtlich genommen, wenn Reutlinger Vereine und Bands der Kulturwerkstatt eigene künstlerische Beiträge einbringen. Zu guter Letzt wird auch an den Essens- und Getränkeständen die Verschmelzung der Kulturen praktiziert, indem sich franz.K-Mitarbeiter und interkulturelle Vereine die Arbeit beim Zubereiten der internationalen Speisen teilen. Die Aktion „Kultur ohne Ausnahme“ mit Menschen mit und ohne Behinderung ist ebenfalls wieder mit der sogenannten „Kulturkiste“ vertreten.

Die beteiligten Bands präsentieren ihren kulturellen Hintergrund durch die Musik, begeben sich auf den Pfad des Dialogs und öffnen sich anderen kulturellen Einflüssen. Wie etwa die tunesische Sängerin Emel Mathlouthi, die 2010 aufgrund kritischer Songs und ihres Engagements für die tunesische Revolution zu einer der prominentesten Stimmen des Arabischen Frühlings aufstieg. Heute lebt die Feministin hauptsächlich in Paris oder New York und verwebt am Freitag laut Andreas Roth „tunesische und arabische Folklore mit elektronischer Musik und Trip-Hop. Auch die aus Soweto in Südafrika stammende und seit 2015 in Stuttgart lebende Sängerin Thabilé prangert in ihren von Soul und knackigen Afrobeats geprägten Songs die Ursachen für Rassismus, Missbrauch und die Not der Menschen an. Eröffnet wird das Festival am Freitag von der Sängerin Karla Lara aus Honduras und der Nürtinger Band Kupayaku, die einen Mix aus Arabic-Reggae und Gypsy-Folk präsentiert.

Hauptact am Samstag ist das britische Musiker-Kollektiv The Turbans, das sich in ihrer Musik vom Orient ebenso inspirieren lässt wie von Klängen aus Indien, dem Balkan und dem kulturellen Melting-Pot London. Sehr international ist auch die Band Bazaar zusammengesetzt, in der sich zwei Algerier, ein Pfälzer, eine Russin und ein Niederländer die Bühne teilen. Verschiedene Elemente der Gnawa-Tradition treffen hier auf Desert-Blues und ausufernden Krautrock. Den Samstag eröffnen die Tübinger Klezmer-Formation Klezmob und das franz.K-eigene, ebenfalls multikulturell geprägte Hip-Hop-Jugendprojekt Talk. An beiden Tagen klingt der Abend mit einer After-Show-Party im Saal aus, am Freitag mit DJ Dr. Ivan, am Samstag mit DJ Gopal.

Was den acht Bands, den beteiligten Vereinen, den Veranstaltern und Besuchern gemeinsam ist? Sie alle feiern an diesem Wochenende die zwanglose Verschmelzung der Kulturen.

Neuerungen im Verein

Neue Satzung Bei der Programmvorstellung gingen Andreas Roth und die neuen Aufsichtsrat-Mitglieder Karl Grüner und Rita Wilde auch auf die im März verabschiedete neue Satzung des Vereins ein. Neu ist, dass nun die beiden Geschäftsführer Andreas Roth und Claudia Held hauptamtlich die Geschäfte führen und nicht mehr der ehrenamtliche Vereinsvorstand die Verantwortung trägt und damit auch nicht mehr mit seinem Privatvermögen haftet.
Die Mitglieder haben einen fünfköpfigen Aufsichtsrat gewählt, der den hauptamtlichen Vorstand kontrolliert. Zudem wurde die ursprünglich starke Stellung der Trägergruppen (Figurentheater, Jazzclub in der Mitte, Kleinkunstbühne, Sturmvogel, Weltenhopser, Patati Patata) revidiert. Jetzt gebe es „klare Verhältnisse und eine professionelle Struktur“, so der bisherige Vorstand und neue Aufsichtsrat Karl Grüner, „das ist eine gute Basis, um weiterzuarbeiten.“

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