Betzingen Die Traditionen bewahren

Beim Kirchweihfest in Betzingen stand die Gemeinde Glogowatz und ihre Tracht im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. 
Beim Kirchweihfest in Betzingen stand die Gemeinde Glogowatz und ihre Tracht im Mittelpunkt der Feierlichkeiten.  © Foto: Norbert Leister
Betzingen / Norbert Leister 19.07.2018

Einmal mehr sehr farbenfroh war das Kirchweihfest der Banater Schwaben am  Samstag. Offizieller Start war um 12 Uhr in der evangelischen Mauritiuskirche – „eigentlich sind ja alle Banater Schwaben katholisch“, sinnierte Ewald Neu. Er wartete mit seinen Kollegen von der Donauschwäbischen Blasmusik Reutlingen auf die Gäste aus nah und fern.

Ursprünglich waren laut Neu – der mit der Reutlinger Kreisverbandsvorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben verheiratet ist – ab dem Ende des 17. Jahrhunderts vor allem aus den Gegenden von Trier, Mainz, Luxemburg sowie Elsass und Lothringen Menschen in das Banat ausgewandert. Zahlreiche deutsche Ortschaften wurden dort gegründet, von denen viele Einwohner es zu einem beträchtlichen Reichtum brachten. Doch die Lage änderte sich rapide nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Zeit des Kommunismus noch mehr. „In den 1960er Jahren sind schon viele von uns ausgewandert“, sagte  Neu. Warum zahlreiche Deutschstämmige nach Reutlingen kamen? Rund 14 000 Banater Schwaben sollen zusammen mit ihren Nachkommen in der hiesigen Region leben. Zunächst seien Einzelne nach Reutlingen gegangen, andere folgten ihren Spuren.

„Gemeinsam fühlt sich man sich in der Fremde mehr daheim“, erläuterte Neu, der 1982 kam, „mit Frau und Kind, die Reise hat mich 24 000 Mark gekostet“. Denn: Wenn man das Land verlassen wollte, habe man schon deutlich „schmieren“ müssen. „Staatenlos“ seien sie alle gewesen, denn einen rumänischen Pass hätten sie nicht erhalten. „Aber Deutschland hat uns ja aufgenommen.“ Viele der Banater Schwaben halten die Traditionen, die sie in der ehemaligen Heimat in Rumänien, Ungarn oder Serbien hatten, hoch. „Das größte Fest bei uns war das Kirchweihfest“, sagte Franz Schlechter, der Ende der 1970er Jahre kam und heute in Gersthofen wohnt. Er ist im Bundesvorstand der Sprecher der Ortschaften aller Banater Schwaben. In diesem Jahr stand beim Kirchweihfest die Gemeinde Glogowatz im Mittelpunkt. „Mein Vater hat im vergangenen Jahr den Kirchweihstrauß erworben und durfte damit bestimmen, nach welcher Tradition in diesem Jahr gefeiert wird“, erläuterte Dennis Schmidt. Zusammen mit seinen Eltern Hermine und Josef wohnt der junge Mann in Ludwigshafen. Seine Tanzpartnerin vom Samstag aber lebt in Balingen und geht regelmäßig in die Tanzgruppe nach Reutlingen.

Einmal mehr präsentierten sich die Damen und Herren bei dem Kirchweihfest in ihren Trachten sehr bunt. Einmal mehr beeindruckten die Hutverzierungen der Männer. Aber: „Die Frauen in Glogowatz hatten vier verschiedene Trachten“, sagte Hermine Schmidt. Drei Mal umziehen am Kirchweihtag war somit normal. Für die Frauen.

Und die Männer? „Die hatten nur einen Anzug“, sagte Schmidt schmunzelnd. Am Samstag ging dann, wie schon bei den acht Malen zuvor, der Festzug von der Kirche durch die Steinachstraße hin zum Kemmler-Platz.

Und dort wurde dann ausgiebig gefeiert. Neben Grußworten unter anderem von Betzingens Bezirksbürgermeister Thomas Keck führten unterschiedliche Gruppen aus unterschiedlichen Orten des Banat ihre ganz speziellen Tänze auf. Mit dabei waren aber auch Trachtenträger des Albvereins Betzingen. „Wo, wenn nicht hier, sollen wir unsere Tracht zeigen“, fragte eine der Betzinger Damen.

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