Immer kleiner werden die Säulen in der Grafik zu den Jahresbilanzen. Seit 2011 geht die Zahl der Medienausleihen in der Pfullinger Stadtbücherei konstant zurück. Es ist ein eher schleichend daherkommendes Minus, das Fleur Hummel umtreibt. „Wir dürfen uns nicht ausruhen und nicht weitermachen wie bisher“, mahnt die Büchereileiterin deshalb an. Von Spitzenwerten wie vor sieben Jahren, als 160 000 Medien über die Theke gingen, kann sie heute nur noch träumen. „2018 konnten wir nurmehr 130 000 Ausleihen verbuchen – und da war der Online-Bereich schon mit eingerechnet“, erklärt Hummel. Und würde die „Onleihe“ nicht so exzessiv genutzt, sagt sie, würde es noch viel düsterer aussehen.

Bei der Erhebung der Leserzahlen wird das Problem noch deutlicher. 2008 kamen immerhin 3033 Nutzer in die Bibliothek am Passy-Platz – im vergangenen Jahr waren’s gerademal 2328. Allein 364 davon waren Nutzer der Onleihe, die erst seit 2014 angeboten wird und die den Rückgang wenigstens noch ein bisschen abfedern konnte.

Der virtuelle Medienbestand wird zwar rege und immer stärker genutzt, macht aber dennoch nur zehn Prozent der Gesamtausleihzahlen aus, hat Fleur Hummel errechnet – und sich auf die Suche nach den Ursachen für das nachlassende Interesse der Leser gemacht. Doch den einen einzigen Grund dafür gibt es nicht, hat sie erkannt. „Weshalb es auch nicht die eine einzige Lösung geben kann“.

Klar ist: Fast alle Bibliotheken haben in den letzten Jahren zu kämpfen. Ein Trend, der auch in Pfullingen angekommen ist. Das Mediennutzungsverhalten der Menschen hat sich geändert, sie greifen lieber zurück auf Streaming-Angebote, Apps und das Internet ganz allgemein. Zudem haben sich die Familiensituationen geändert. „Die Ganztagsschulen und G 8 an den Gymnasien lassen den Kindern und Jugendlichen immer weniger Zeit für andere Aktivitäten“, meint Hummel, die auch noch einen sehr speziellen Pfullinger Grund für die zurückgehenden Leser- und Ausleihzahlen ausgemacht hat: die Baustellen am Passy-Platz. Erst ist das DEZ hochgezogen worden, dann wurde der Platz umgestaltet – „und es war wegen des Bauzauns kein Durchkommen zu uns. Es war laut und dreckig und gab kaum Parkplätze“. Seit der Passy-Platz fertig saniert ist, zieht es wieder ein bisschen an, hat die Bibliotheks-Chefin beobachtet. „Zumindest gefühlt kommen nun mehr Leute zu uns“, sagt sie.

Trotzdem hat das Bücherei-Team einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, um wieder mehr Menschen anzulocken. „Wir wollen die Öffnungszeiten ändern und gegebenenfalls erweitern“, kündigt Hummel an. Denn vor allem die Arbeitnehmer haben ein Problem mit den jetzigen Bücherei-Zeiten. Man wolle deshalb künftig auch mal in der Mittagspause da sein oder samstags länger offen lassen. Familientage sind genauso im Gespräch wie einmal im Monat ein Freitag, an dem die Türen bis 22 Uhr offen stehen.  Ab 1. Januar 2020 könnte es soweit sein. Allerdings, so Hummel, seien längere Öffnungszeiten gar nicht so leicht zu bewerkstelligen mit den aktuell fünf Mitarbeitern, die sich auf 3,6 Stellen verteilen.

Einen ersten Vorstoß in Sachen ausgedehnte Präsenz macht das Büchereiteam schon in diesem Frühjahr. Am 31. März ist verkaufsoffener Sonntag unter dem Motto „Frühlingserwachen“ – da ist auch die Bibliothek von 12 bis 17 Uhr mit einem bunten Programm vertreten. Teils haben Hummel und ihr Team die Optimierungen auch schon umgesetzt. „Wir präsentieren zum Beispiel den physikalischen Bestand bereits jetzt besser, haben Themeninseln angelegt und die Medien neu geordnet.“ Auch eine Elternbücherei gibt’s seit kurzem. „Dazu kommt, dass wir die Aufenthaltsqualität steigern möchten“. Ein abgetrennter ruhiger Raum und modernere, flexiblere Möbel auf Rollen gehören genauso dazu  wie ein Lesecafé, das ab Mai immer an den Freitagnachmittagen auf dem Passy-Platz aufgebaut werden soll. Und ein ganz besonderes Experiment hat Hummel außerdem noch im Sinn: „Wir könnten doch auch andere Dinge verleihen, nicht nur Bücher, sondern auch Waffeleisen oder Laminiergeräte“. So könnte sich die Bibliothek eine ganz neue Klientel erschließen.

Wobei all das natürlich auch Kosten mit sich bringt. „Und das Geld wächst ja nicht auf den Bäumen“, weiß Hummel. Deshalb ist sie schon im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates vorstellig geworden und hat Fördermöglichkeiten bei der Kulturstiftung des Bundes ausgelotet. Angesichts der Bandbreite der Optimierungsmöglichkeiten ist die Bücherei-Chefin jetzt guter Dinge, dass die Säulen in der Jahres-Bilanz nicht noch kleiner werden, sondern wieder wachsen.