Andreas Zimmermann taucht mit Haien, fährt gerne Motorrad und möchte jetzt Oberbürgermeister von Reutlingen werden. Der 49-jährige Diplom-Ingenieur, der in Karlsruhe wohnt, tritt zwar für „Die Partei“ an, verwahrt sich aber energisch dagegen, ein Spaßkandidat zu sein. Davon abgesehen will er seinen Wahlkampf mit „Humor und Satire“ würzen. Dazu gehört, dass das „Oberhaupt der Herzen“, wie er sich selbst ironisch auf einem Flyer bezeichnet, auch gerne mal Sprüche raushaut. So wie beispielsweise beim IHK-Wahlpodium am Montagabend: „Wir sind keine Spaßpartei. Wir werden oft mit der FDP verwechselt.“ Seit 2005 ist er Mitglied der „Die Partei“ und verweist stolz auf seine dreistellige Mitgliedsnummer.

Stadt zum Negativen verändert

Doch was hat den 49-jährigen Diplom-Ingenieur, der jetzt seinen Lebensmittelpunkt im Badischen hat, bewogen, sich als Kandidat für die Nachfolge von Barbara Bosch zu bewerben und sich am 3. Februar dem Votum der Wähler zu stellen? 2017 habe er bei einem Familienbesuch festgestellt, dass sich die Stadt „sehr zum Negativen verändert“ habe, erzählt der gebürtige Reutlinger im Gespräch. Er macht dies unter anderem am „maroden“ Nachtleben fest. Nach 20 Uhr sei die Reutlinger Innenstadt wie „ausgefegt“, was ein schlechtes Zeichen für eine Stadt mit mehr als 100 000 Einwohnern ist. Als mögliches Gegenmittel nennt er längere Öffnungszeiten für Kneipen, aber auch mehr und andersartige Veranstaltungen wie beispielsweise einen „Naschmarkt“.

Ähnlich wie das Nachtleben liegt laut Zimmermann auch die Verkehrssituation seit 40 Jahren im Argen. Er fordert daher ein „ganzheitliches Verkehrskonzept, das die Belange des Individualverkehrs wie auch der Radfahrer berücksichtigt. Die Idee, die Charlottenstraße zu einer Fahrradstraße zu machen, sei zwar gut, die Ausführung jedoch misslungen. Eine Planungskommission, die er einrichten möchte, soll sich Gedanken für einen besseren Verkehrsfluss machen.

Die Dietwegtrasse/Südumfahrung Orschel-Hagen als Verbindung von der B 27 über die B 464 zum Scheibengipfeltunnel lehnt der Diplom-Ingenieur ab, stattdessen möchte er die B 312 vierspurig ausbauen. Er geht aber davon aus, dass der Bund kein Interesse habe, dies zu tun, da dies wesentlich teurer als der Bau der Südumfahrung käme.

Offener Platz viel attraktiver

Der Kandidat Zimmermann erkennt, wie er sagt, „keinen Sinn darin, ein Hotel neben die Stadthalle zu setzen. Die Stadt habe Hotels, zudem wirke ein offener Platz viel attraktiver. Er spricht sich dafür aus, dass inhabergeführter Geschäfte wieder stärker das Bild der Wilhelmstraße prägen. Ketten und Filialisten sollen sich an den Rand der Einkaufsstraße zurückziehen. Als Vorbild für eine attraktiv gestaltete Innenstadt nennt er in seinem Flyer Ravensburg. Zudem ist seiner Meinung nach die Zone, in der Parkgebühren fällig werden, viel zu groß.

Um den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, hat Zimmermann vor, die GWG stärker miteinzubeziehen. Und er will städtische Baugrundstücke bevorzugt an jene vergeben, die versichern, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Darüber hinaus fordert er von den Verantwortlichen ein Vorgehen, das dem Prinzip „erhalten statt abreißen“ folgt.

Auch wenn ihm der Unterschied zwischen Stadt- und Landkreis noch nicht so ganz klar ist, teilt der Kandidat die Auffassung, dass die Stadt selbst über ihr Geld entscheiden können sollte. Obwohl er, wie er sagt; kein Freund in von Gerichtsverfahren ist, kann er verstehen, dass die Stadt mit einer Verfassungsbeschwerde die Entscheidung des Landtags juristisch überprüfen lässt.

Mit einem Alleinstellungsmerkmal kann Zimmermann im Wahlkampf aufwarten: Er möchte Reutlingen zu einer „Modellstadt für legale Cannabisabgabe“ machen. Da darf man doch auf die Debatte in Gemeinderat gespannt sein, die Entscheidung dürfte aber im Berliner Bundesamt für Gesundheit fallen. Allein dadurch, dass der Antrag gestellt wird, möchte er ein Zeichen setzen, zeigen, dass die Bevölkerung ein Interesse an einer Freigabe von Cannabis hat.

Andreas Zimmermann ist zwar in den Medien und auf den unterschiedlichen Wahlpodien vertreten, führt aber ansonsten einen eher internetbasierten Wahlkampf ohne Infostände und ohne Plakate. Wer Fragen zu seinen Konzepten hat, kann sich über den Facebook-Account oder per E_Mail unter der_kandidat@web.de an ihn wenden. Informationen gibt es auch auf der Homepage des Reutlinger Kreisverbands von „Die Partei“.

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Andreas Zimmermann : Daten und Fakten


Andreas Zimmermann wurde 1969 in Reutlingen geboren. Er besuchte die Gerhart-Hauptmann-Schule und machte eine Lehre zum Industriemechaniker bei der Neuen Bruderhaus, qualifizierte sich an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule weiter zum Maschinenbautechniker und arbeitete bis 2002 bei Schiller in Genkingen.

Nachdem er die Fachhochschulreife nachgeholt hatte, ging er 2002 zum Studium nach Karlsruhe. Zuletzt arbeitete er als Projektingenieur in einem Forschungsbetrieb in Bruchsal. Arbeitsschwerpunkt war die Batterieforschung.

Seine Hobbys sind Motorradfahrern und mit Haien tauchen. Letzteres seit, so Zimmermann, weniger der Abenteuerlust geschuldet. Vielmehr suche er beim Tauchen die Entspannung und die Nähe zur Natur.