Geschichte Die Novemberrevolution aus lokaler Perspektive

Diese Aufnahme zeigt eine Kundgebung der neu gebildeten Arbeiter- und Soldatenräte am 11. November 1918.
Diese Aufnahme zeigt eine Kundgebung der neu gebildeten Arbeiter- und Soldatenräte am 11. November 1918. © Foto: Stadtarchiv Reutlingen
Reutlingen / swp 15.08.2018

Das eben erschienene neue Halbjahresprogramm des Geschichtsvereins zeigt ein Ereignis welthistorischer Bedeutung im lokalen Reutlinger Brennglas. Während am 11. November 1918 im Wald von Compiègne der Erste Weltkrieg endete, fand in Reutlingen zur selben Zeit eine machtvolle Kundgebung der neu gebildeten Arbeiter- und Soldatenräte auf dem Marktplatz statt, am Rathaus wurde die rote Fahne aufgezogen. Noch am selben Tag bildete sich als bürgerliches Pendant ein Volksrat im Gasthaus Kronprinz.

Diesem Revolutionsereignis am Beginn der ersten Demokratie auf deutschem Boden widmet der Geschichtsverein zwei Vorträge und eine Exkursion, 2019 werden noch zwei Filmaufführungen folgen. Zur Bedeutung der Städte als „Institution, Arena, Verdichtungsraum und Baustelle“ während Novemberrevolution und in der Weimarer Republik spricht der Tübinger Historiker Professor Dr. Ewald Frie am 6. November. Der Neuzeithistoriker nimmt dabei die Kommunen als Fundament der Weimarer Demokratie genauer in den Blick und fragt danach, wie der revolutionäre Impuls zwischen Kiel und Konstanz aufgenommen wurde und wo Reutlingen während der langen 1920er Jahre zu verorten ist. Zu den zum Teil mehrfach aufgelegten Publikationen des Referenten zählen „Die Geschichte der Welt. Neu erzählt“; „Das Schokoladenproblem. Die Verfassung von Nordrhein-Westfalen, jungen Menschen erzählt“ sowie „Das Deutsche Kaiserreich“.

Für diese Umbruchzeit im November 1918 kann Reutlingen mit Friedrich von Payer (1847 bis 1931) einen Ehrenbürger vorweisen, der an entscheidender Stelle die Reichspolitik mitbestimmte. Dr. Christopher Dowe aus Stuttgart stellt am 4. Dezember den liberalen Politiker vor, der als Vizekanzler im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges im Ringen um eine zukunftsfähige Reformierung des Obrigkeitsstaates eine Schlüsselrolle spielte. Schließlich führt im November eine Fahrt zur Erinnerungsstätte Matthias Erzberger in Buttenhausen, wo an den Unterzeichner des Waffenstillstands und Märtyrer für die Republik gedacht wird.

Doch auch weitere Themen der Stadtgeschichte werden aufgegriffen. Am 18. September wirft Reinhard Hirth aus Bietigheim-Bissingen einen Blick auf das Werk des heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Barockmalers Johann Christoph Hermann (1643 bis 1712). Hirth hat dessen Leben und Oeuvre erforscht und kann zeigen, dass der Reutlinger mit der Kilianskirche in Bissingen und der Andreaskirche in Würtingen ein weit gespanntes Tätigkeitsfeld hatte. In noch ältere Epochen führt Dr. Bernhard Kreutz am 11. Oktober, der beim Stadtarchiv mit der Bearbeitung des Reutlinger Urkundenbuchs befasst ist. Er gewährt einen Blick in seine Editionstätigkeit und widmet sich vor allem den Urkunden der Kaiser und Könige für die Reichsstadt Reutlingen.

In bewährter Zusammenarbeit mit der Volkshochschule werden Fahrten zu landeskundlich reizvollen Orten und historischen Ausstellungen angeboten. Neben der Fahrt nach Buttenhausen wird Königsbronn mit seiner Klostergeschichte in Augenschein genommen. Das einstige Zisterzienserkloster war bis zur Reformationszeit eng mit Reutlingen verbunden, noch heute erinnert daran der Königsbronner Klosterhof inmitten der Altstadt. Die frühere Kreisarchivarin Irmtraud Betz-Wischnath setzt ihre Reihe zu „Kleinodien im ehemaligen Zwiefalter Klostergebiet“ fort. Weiter gibt es einen Besuch im Pfullinger Industriemuseum Wandel & Goltermann sowie eine Tagesfahrt ins Elsass.

Hier gibt’s das Programm

Das ausführliche Programm für die nächsten Monate ist bei der Geschäftsstelle des Reutlinger Geschichtsvereins im Stadtarchiv, Marktplatz 22, Telefon  (0 71 21) 3 03 23 86, erhältlich sowie im Internet unter www.reutlinger-geschichtsverein.de abrufbar.

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