Reutlingen / Von Kathrin Kammerer

Zwei kabellose Kopfhörer stecken in Laetitia Saran-Hafners Ohren, als sie mit federndem Schritt herbeieilt. Die 14-Jährige strahlt neugierig. Und das, obwohl sie drei harte Monate hinter sich hat: Keuchhusten. Für das ehrgeizige Mädchen ein herber Rückschlag, durch den sie sich aber nicht aufhalten lies. Bei der Süddeutschen Meisterschaft der United Dance Organization (UDO) hat sie Mitte März den Titel in ihrer Altersklasse geholt. Am 13. April steht die Deutsche Meisterschaft an.

Liebe zum Hip-Hop entdeckt

Laetitia hat vergleichsweise spät begonnen, professionell zu tanzen. Sie war elf Jahre alt, als sie ihre Liebe zum Hip-Hop entdeckte: Das war bei einem Familienurlaub im Robinson Club in der Türkei. Eigentlich hatte sie dort nur einen kleinen Tanzkurs belegt – „aber der Trainer hat mir gesagt, du hast Talent, mach unbedingt weiter“, erinnert sie sich. Ihr Trainer: Patrick De Souza Campelo Feldmann, kurz „Patrox“. Ein erfolgreicher Youtuber, Tanzlehrer und Gewinner der Pro 7-Show „Masters of Dance“. „Damals war ich schüchtern“, sagt Laetitia. Durch das Tanzen habe sich das geändert. 2017 wurde sie Deutsche Meisterin in ihrer Altersklasse und schaffte es bei der Weltmeisterschaft in Glasgow auf Platz 11. 2018 kam sie bei der Europameisterschaft auf Platz 7. Mit „Patrox“ trainiert sie noch heute.

In unserer Serie „10 Fragen an ...“ sprechen wir mit interessanten Menschen und Persönlichkeiten aus der Region.

Laetitia wirkt ehrgeizig und zielstrebig für ihr junges Alter. Ihre ältere Schwester Isabella (16) macht ebenfalls einen reifen Eindruck und erzählt, dass sie nun für ein Jahr ins Ausland gehen will, zuerst Australien und dann vielleicht noch Israel. Ehrgeiz und Zielstrebigkeit: Eigenschaften, die die beiden Mädchen wohl nicht unwesentlich von ihrer Mutter Rosimar bekommen haben. Die ist selbstständig, managt Künstler und sagt, dass sie ihren Kindern immer die Möglichkeit geben wollte, sich selbst zu entfalten. Die Töchter haben schon viele Sportarten probiert: Ballett, Synchronschwimmen, Kunstturnen, Tennis, Reiten. Rosimar Saran-Hafner ist die Koordinatorin: Kaum hat sie Isabella vom einen Termin abgeholt, fährt sie Laetitia weiter zum nächsten Termin, Gesangsunterricht.

Es kommt auf die Ausstrahlung an

Laetitia erzählt, dass sie besonders die Freiheit liebt, die man beim Freestyle-Tanzen hat. Es gibt zwar grundlegende Regeln, aber die lassen einem viel Spielraum: „Man kann eigentlich nichts falsch machen.“ Wenn sie auf Wettkämpfen tanzt, kennt sie die Musik nicht im Voraus. Das Lied startet einfach, wenn sie auf der Bühne steht – und dann muss sie spontan sein und einfach tanzen. „Man muss die Musik verstehen und weiterentwickeln“, erklärt Laetitia. „Und es kommt auch auf die Ausstrahlung an.“

Weil beim Freestyle eben nicht die perfekt einstudierte Choreografie zählt, kann man sich auch nur schwer gezielt auf Wettkämpfe vorbereiten, erklärt Laetitia: „Man muss einfach kontinuierlich dran bleiben.“ In ihrem Zimmer hängt ein riesiger Spiegel. „Der erinnert mich jeden Tag dran, dass ich trainieren sollte“, sagt die 14-Jährige. Beim Training ist sie eine Einzelkämpferin. Tanzgruppen hat sie schon ausprobiert, aber da hatte sie das Gefühl, leistungstechnisch zu stagnieren. Und so stellt sie sich nun (abgesehen vom samstäglichen Training in einer Stuttgarter Tanzschule) am liebsten alleine vor ihren Spiegel, steckt sich die kabellosen Kopfhörer in die Ohren und tanzt nach, was sie auf Youtube findet und was ihr Trainer „Patrox“ via „WhatsApp“ erklärt.

Tanzt lieber sogenannte Battles

Vor ihrem ersten großen Wettkampf war sie unglaublich aufgeregt, erinnert sich Laetitia. Ungefähr gleich aufgeregt war Mutter Rosimar, die im Publikum den Auftritt ihrer Jüngsten beobachtete. Mittlerweile hat sich die Aufregung bei Tochter und Mutter gelegt. Ihr Fokus liegt auch nicht mehr auf den klassischen Wettkämpfen, sagt Laetitia. Viel lieber tanzt sie sogenannte Battles: da versuchen Tänzer, sich gegenseitig zu übertrumpfen. „Da ist die Stimmung viel besser“, sagt die 14-Jährige. Bei den Battles geht es nicht so streng zu, wie bei klassischen Wettkämpfen – und da können sogar die Zuschauer ihre Füße nicht still halten. Ein bisschen, wie in den amerikanischen Tanzfilmen „Step up“ und „Honey“.

Partner der Sportmarke Nike

Aber Laetitia tanzt nicht nur, um zu gewinnen. Auch in Videos ist sie zu sehen, beispielsweise von den Youtubern „Jay & Aria“ oder der deutschen Popsängerin Nicole Cross. 2017 war sie Werbepartner für die Sportmarke Nike, daran erinnert sie sich ganz besonders gerne zurück. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit durfte sie ebenfalls in einem Musikvideo mittanzen und bekam immer wieder Nike-Artikel zugeschickt, die sie auf ihrem Instagram-Account bewerben sollte.

Auf der Fotoplattform folgen dem jungen Mädchen mittlerweile rund 6600 Menschen. Mutter Rosimar sagt, dass sie darauf immer auch ein Auge hat. Für junge Tänzer ist Instagram eine ideale Plattform, um sich mit Fotos und Videos im Netz bekannter zu machen und vielleicht den einen oder anderen Job zu ergattern. „Oft schreiben mich auch junge Mädchen an und fragen nach Tanztipps“, erzählt Laetita.

Mit 14 Jahren hat sie viel erlebt. Und noch einiges vor. „Ich könnte mir vorstellen, später was mit Tanz zu machen“, sagt sie. Vielleicht eine Tanzschule eröffnen? Außerdem singt, malt und fotografiert sie gerne. Etwas Kreatives wird es also wohl auf jeden Fall werden.

Das könnte dich auch interessieren:

30 Mädchen nahmen bei der Stadtverwaltung Reutlingen am „Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag“ teil.

Im Reutlinger Stadtteil Orschel-Hagen sollen 380 neue Wohnungen entstehen. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist dies zwingend notwendig, um die Infrastruktur zu erhalten.