Reutlingen Die Kunst, sich berühren zu lassen

Eine Spende in Höhe von 3250 Euro haben (von links) Ulrich Mack und Silvia Ulbrich-Bierig vom Ambulanten Hospizdienst jetzt von Hartwig Hirtz, Hanni Winter und Dagmar Braun entgegengenommen.
Eine Spende in Höhe von 3250 Euro haben (von links) Ulrich Mack und Silvia Ulbrich-Bierig vom Ambulanten Hospizdienst jetzt von Hartwig Hirtz, Hanni Winter und Dagmar Braun entgegengenommen. © Foto: Norbert Leister
Reutlingen / NORBERT LEISTER 03.08.2015
Dagmar Braun, Hanni Winter und Hartwig Hirtz zeigen sich beeindruckt von dem Engagement des Ambulanten Hospizdienstes in der Sterbebegleitung - und sie sind sicher, dass ihre Spenden gut ankommen.

Fast 120 Ehrenamtliche engagieren sich zurzeit in der Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen. "Dabei sind wir immer mehr auch in Krankenhäusern und in Pflegeheimen unterwegs", sagt Ulrich Mack als Vorsitzender des Vereins Ambulanter Hospizdienst. "Das mag zunächst etwas verwundern, aber die Fachkräfte sind mit ihrer pflegerischen Tätigkeit so ausgelastet, dass ihnen für die Sterbebegleitung keine Zeit bleibt", betonte Mack bei der Spendenübergabe des Rotary Clubs Reutlingen-Tübingen und des Frauen-Pendants "Inner Wheel".

Rotarier Hartwig Hirtz weiß, wie fordernd die Tätigkeit der Sterbebegleitung sein kann - seine Frau ist dort selbst aktiv. "Dabei geht es um die große Kunst, sich als Ehrenamtlicher berühren zu lassen von dem Schicksal der Menschen, gleichzeitig aber auch Distanz zu wahren", sagt Ulrich Mack. Wie sehr die Arbeit im Hospizdienst geschätzt wird, zeige sich auch nach den Worten von Hanni Winter und Dagmar Braun von Inner Wheel die jeweils einstimmigen Beschlüsse in den beiden Clubs, diesen besonderen Dienst mit Spenden zu bedenken. 750 Euro kamen dieses Mal von Inner Wheel, 2500 vom Rotary Club.

Der Ambulante Hospizdienst ist aber nicht nur in der Begleitung von erwachsenen Sterbenden aktiv, erläutert Geschäftsführerin Silvia Ulbrich-Bierig: Seit fünf Jahren gebe es auch den Kinder- und Jugendhospizdienst, durch den Ehrenamtliche in Familien gehen, in denen ein Kind oder auch ein Elternteil todkrank ist. "Wir sind momentan in neun Familien, die Betreuung geht oft über viele Jahre hinweg, weil wir auch die Geschwister von sterbenden Kindern im Fokus haben - denn die fallen bei schwerstkranken Brüdern und Schwestern in den Familien hinten runter." Die Begleitung von Sterbenden erfolgt aber nicht "nur" zuhause, in Krankenhäusern und in Pflegeheimen, sondern auch im Hospiz Veronika in Eningen: "Dort sind konstant zwischen 20 und 30 Ehrenamtliche von uns aktiv", so Ulbrich-Bierig.

Ein drittes Standbein der Tätigkeit des Ambulanten Hospizdienstes ist die Trauerarbeit, wie Ulrich Mack betont: Da werde jeweils eine Gruppe für Erwachsene angeboten, die eine nahestehende Person verloren haben, aber auch eine Gruppe für "verwaiste Eltern". Also für Mütter und Väter, denen ein Kind verstorben ist.

Weitere Aktivitäten? In Zusammenarbeit von Hospizdienst und dem Reutlinger Tonne-Theater ist ein Stück unter dem Titel "Weiterleben" entstanden. Der Regisseur will laut Ulbrich-Bierig an dem Thema dranbleiben und - weitere Vorstellungen des Theaterstücks könnten auf Wunsch vereinbart werden. Aktiv war der Verein auch in der VHS mit einem Kurs "Das Leben auf der Zielgeraden". Zwar hätten nur vier Personen teilgenommen, die seien laut Silvia Ulbrich-Bierig aber begeistert von den Inhalten gewesen.

Sowohl Hanni Winter wie auch Dagmar Braun und Hartwig Hirtz waren nach ihren eigenen Worten beeindruckt von der Fülle der Tätigkeiten und Aktivitäten des Ambulanten Hospizdienstes und zeigten sich nach den Ausführungen des Vereinsvorsitzenden und der Geschäftsführerin noch mehr überzeugt, dass ihre Spenden beim Ambulanten Hospizdienst gut ankommen. Und auch dringend benötigt werden.