Reutlingen Die Konjunktur schwächelt

Der Neubau der IHK-Zentrale an der Hindenburgstraße schreitet voran. Der Einzug ist für Ende 2019/Anfang 2020 geplant.
Der Neubau der IHK-Zentrale an der Hindenburgstraße schreitet voran. Der Einzug ist für Ende 2019/Anfang 2020 geplant. © Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / Von Ralph Bausinger 12.10.2018

Überraschend waren die Neuigkeiten nicht, die IHK-Präsident Christian O. Erbe, Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp und Beatrix Andriof, Leiterin Volkswirtschaft und Fachkräftesicherung, gestern im Pressegespräch zur IHK-Konjunkturumfrage berichteten. „Nach dem Höhenflug der letzten Jahre erleben wir den durchaus üblichen Abschwung. Zugleich bringen gerade die handelspolitischen Auseinandersetzungen Unsicherheiten in die Wirtschaft, die die Abschwächung beschleunigen können“, sagte der IHK-Präsident.

Sorgen bereiteten der heimischen Wirtschaft weiterhin der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sowie die Streitigkeiten zwischen den USA und China, die zu einem „Revival protektionistischer Maßnahmen“ führten. Die Vereinigten Staaten bildeten nach wie vor den wichtigsten Markt für regionale Firmen außerhalb Europas, China komme direkt dahinter. „Was wir brauchen, sind Verhandlungen. Die Handelsbeziehungen zu den USA benötigen eine neue vertragliche Basis. Wir müssen ein Freihandelsabkommen der EU mit den USA abschließen, gerne eine TTIP light“, betonte Erbe.

Von der Bundespolitik wünscht sich die IHK mehr Tempo beim Netzausbau. Die Wirtschaft  brauche Breitbandanschlüsse. Ferner benötige das Land auch ein Zuwanderungsgesetz, um den Fachkräftemangel etwas zu lindern. Zudem sollten Flüchtlinge, die beruflich Fuß gefasst und Deutsch gelernt haben, im Land bleiben dürfen.

Dennoch ist die wirtschaftliche Lage in der Region Neckar-Alb weiterhin gut, was auch der Wert von 140 im Konjunkturklimaindex nahelegt. Immerhin 62 Prozent der befragten Betriebe beurteilen ihre Lage als „gut“, weitere 35 Prozent als „zufriedenstellend“. Dabei stagniert die Geschäftslage in der Industrie im Vergleich zum Frühsommer, der Dienstleistungssektor bewertet die aktuelle Lage leicht besser, und im Bausektor ist die Geschäftslage nach wie vor sehr gut. Positive Zahlen vermelde auch das Gastgewerbe, berichtete Beatrix Andriof.

Skeptischer fallen die Erwartungen für die kommenden Monate aus. Knapp 32 Prozent (drei Prozent weniger als im Frühjahr) rechnen mit besseren Geschäften. Sechs von zehn Unternehmen glauben derzeit, dass es keine Veränderungen gibt. In der Industrie gehen die Erwartungen eher zurück. Nur noch etwas über 36 Prozent gehen von einem weiteren Zuwachs aus, im Frühsommer waren es noch fast acht Prozentpunkte mehr. Im Handel sind die Aussichten bedeutend besser: 41 Prozent sehen anziehende Geschäfte kommen. Da spielt die Aussicht auf das kommende Weihnachtsgeschäft eine Rolle.

Auch der Export-Optimismus ist leicht gefallen. Nur noch 33 Prozent der Unternehmen erwarten aktuell steigende Außenhandelsumsätze – ein Minus von sieben Prozent gegenüber dem Frühjahr. Im ersten Halbjahr lieferten Unternehmen aus der Region Waren im Wert von fast 4,7 Milliarden Euro in alle Welt und erzielten damit ein neues Allzeithoch.

Die größte Herausforderung besteht jedoch derzeit darin, qualifizierte Fachkräfte zu finden. 61 Prozent der befragten Betriebe sehen diese Entwicklung als problematisch an.

321

repräsentativ ausgewählte Unternehmen haben sich an der Konjunktur­umfrage der IHK Reutlingen beteiligt. 135 kamen aus den Bereichen Industrie und Bau, 76 aus dem Groß- und Einzelhandel sowie 110 aus dem Dienstleistungssektor.

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