Reutlingen Die Gartenstadt soll an die einstige Vision anknüpfen

Rund 6600 Einwohner leben heute in der ab den 1960er Jahren aufgebauten Gartenstadt Orschel-Hagen. Jetzt ist eine große Süderweiterung geplant.
Rund 6600 Einwohner leben heute in der ab den 1960er Jahren aufgebauten Gartenstadt Orschel-Hagen. Jetzt ist eine große Süderweiterung geplant. © Foto: Carola Eissler
Reutlingen / Carola Eissler 19.12.2017
Im Zuge der städtischen Wohnungsoffensive wird der Stadtteil Orschel-Hagen erweitert. 370 Wohnungen sollen entstehen.

Der Reutlinger Stadtteil Orschel-Hagen gilt als die Gartenstadt. Diesem Ruf soll das Quartier nun wieder ganz neu gerecht werden. Im Süden entwickelt und baut die GWG als Erschließungsträger 370 neue Wohneinheiten auf einem zukünftig parkähnlichen Areal im Bebauungsgebiet „Orschel-Hagen Süd“. Es geht bei der Süderweiterung also nicht nur um die Schaffung neuen Wohnraums, sondern auch darum, das einst in den 1960er Jahren entwickelte Konzept der Gartenstadt weiter zu entwickeln und an die einstigen Visionen anzuknüpfen.

Das Plangebiet umfasst etwa 8,5 Hektar, wobei die Kirchengrundstücke im Norden sowie ein Teil der Nürnberger Straße enthalten sind. Das Areal zieht sich von den beiden Kirchen St. Andreas und Jubilate im Westen entlang des Dietenbaches und im Süden bis zum Dietweg. Der städtebauliche Siegerentwurf stammt aus dem Jahr 2012 und beinhaltete noch 250 Wohneinheiten. Dieser Entwurf wurde jetzt erweitert, die ursprünglich geplanten Reihenhäuser wurden durch Mehrfamilienhäuser ersetzt. Im Sommer hatte der Gemeinderat das Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht.

Zentrales Element der neuen südlichen Wohnsiedlung sind die Wohnhöfe, um die die Häuser gruppiert werden. So entstehen insgesamt 14 Wohnhöfe mit eigenen kleinen Wohnanlagen, zu denen auch Spielplätze gehören. Das gesamte Wohnareal soll möglichst autofrei sein, eine zentrale Quartiers-Tiefgarage bietet die jeweiligen Stellplätze für die Bewohner. Die weiter entfernt liegenden Wohnhöfe sollen zusätzliche Tiefgaragen erhalten. Nach den Vorstellungen der Planer soll um die jeweiligen Wohnhöfe eine soziale und generationenübergreifende Durchmischung möglich werden. Neben preiswertem Wohneigentum sollen auch preiswerte Mietwohnungen und öffentlich geförderte Mietwohnungen angeboten werden. Im Osten entsteht eine so genannte Grünspange mit Kindertagesstätte, Minigolfanlage und Spielflächen. Das Mobilitätskonzept sieht auch Car-Sharing und Elektromobilität vor.

Im Vorfeld der Erschließung hatte es bereits in den Jahren 2014/2015 heftige Diskussionen gegeben. Denn die Erschließung des neuen Wohngebiets erfolgt südlich des Dresdner Platzes zwischen den beiden Kirchen St. Andreas und Jubilate hindurch. Die Kirchengemeinden hatten befürchtet, dass ihnen durch die Erschließungsstraße wichtige Flächen, die bislang für soziales Miteinander genutzt werden, verloren gehen. Letztlich konnte man sich mit der GWG dann doch einigen. Die Gottesdienste im Grünen, die Kinder- und Jugendarbeit kann also auch in Zukunft im Freien stattfinden.

Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung der Weiterführung des Bebauungsplanentwurfs zugestimmt und zwar mit dem Einverständnis aller Fraktionen. Die Ausweisung von mehr Wohnungen durch kleinere Einheiten sieht man dabei als wirksames Mittel, der Wohnungsnot in der Stadt entgegen zu treten.

Die Gartenstadt Orschel-Hagen

Auf 96 Hektar Brachland entwickelte die Stadt Reutlingen in Zusammenarbeit mit der GWG ab den 1960er Jahren die neue Siedlung Orschel-Hagen, drei Kilometer von der Innenstadt entfernt. Auch damals wurde, wie jetzt bei der Süderweiterung, ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt. In sieben Bauabschnitten entstand innerhalb von zehn Jahren die neue Gartenstadt. 3000 Wohneinheiten boten Platz für fast 10 000 Einwohner. Heute leben rund 6600 Menschen in Orschel-Hagen. Der „Dresdner Platz“ wurde zum Kernquartier mit Dienstleistungen, Einkaufsmöglichkeiten, Arztpraxen und Treffs. Im gesamten Wohnquartier stand nicht die verdichtete Bebauung im Vordergrund, sondern die Grünflächen, die Ruhe und Erholung bieten sollten. Die jetzt beschlossene Süderweiterung soll auch wieder junge Familien in den überalterten Stadtteil bringen. ce

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