Reutlingen Die ganze Welt auf Schwäbisch

Bei der Preisverleihung (von links): Dominik Kuhn alias "Dodokay", "Mundartpapst" Wilhelm König, Martina Meisenberg vom SWR, Preisträger Christoph Sonntag und Volksbank-Chef Josef Schuler.
Bei der Preisverleihung (von links): Dominik Kuhn alias "Dodokay", "Mundartpapst" Wilhelm König, Martina Meisenberg vom SWR, Preisträger Christoph Sonntag und Volksbank-Chef Josef Schuler. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 01.12.2014
Komödiantische Höhenflüge auf Schwäbisch: Dafür erhielt Christoph Sonntag am Freitag im Volksbank-Foyer die Friedrich-E.-Vogt-Medaille überreicht. Die Laudatio hielt Dominik Kuhn alias "Dodokay".

"Das ist mein erster Preis überhaupt", freute sich Christoph Sonntag bei seiner Dankesrede über eine Auszeichnung, die die Mundartgesellschaft Württemberg alle zwei bis drei Jahre Persönlichkeiten überreicht, "die sich um die schwäbische Mundart verdient gemacht haben". Fraglos hat der Waiblinger einen Mundart-Bonus hier im Ländle und so ist es nur "einleuchtend, dass dieses Jahr die Wahl auf Christoph Sonntag fiel", so Wilhelm König, Vorsitzender der Mundartgesellschaft. Auch die Begründung klingt einleuchtend: "Schwäbisch ist bei Christoph keine Attitüde. Dabei bleibt er immer politisch, kritisch und treffsicher."

Der ehemalige Journalist und Landschaftsplaner "schaut den Schwaben aufs Maul", verbindet schwäbisches Kabarett mit britischem Humor und garniert das Ganze mit einer ordentlichen Prise Selbstironie. Mit seinen konsequent schwäbischen Sticheleien macht er weder vor dem Publikum halt, noch scheut er sich, Politik und Prominenz genüsslich durch den Kakao zu ziehen.

Beim Talk mit Martina Meisenberg vom SWR erzählte er von den Anfängen seiner Karriere, die sich eher zufällig ergeben hat: "Ich hatte nie den Plan, Comedian zu werden und wollte lieber schreiben." Das hat er nach seinem Studium auch getan, arbeitete für den Zeitungsverlag Waiblingen und das Geo-Magazin. 1985 startete er mit kleinen Soloauftritten und ist seit Ende der 80er-Jahre auch im Rundfunk und Fernsehen präsent. Inzwischen absolviert er mehr als 150 Auftritte im Jahr, spielt manchmal bis zu sechs Programme nebeneinander, hat zwölf Bücher geschrieben und gehört zu den erfolgreichsten Kabarettisten im Land. Unterbrochen wurden die zum Teil köstlichen Geplänkel zwischen Moderatorin und Preisträger von musikalischen Einlagen des Reutlinger Pianisten Matthias Zumbroich und ausgewählten Video-Einspielern, die Auszüge aus Sonntags aktuellen Programmen zeigen. Hier erfuhren die etwa 200 Zuschauer etwa, weshalb Schwaben ständig unterschätzt werden: "Onsere Landsleut sind Leut, die in der Regel mehr druf hend als andere, die aber zu verklemmt send, des au zu zeige."

Alles andere als verklemmt und mit der schwäbischen Seele dennoch zutiefst kompatibel berichtete Sonntag über skurrile Auftritte in New York, ließ unseren Landesvater zu Wort kommen und erläuterte seine Motivation, Stuttgarter Straßenkinder zu unterstützen und den Max-Eyth-See zu retten.

Eine der Highlights des Abends war die aus dem Rahmen fallende Laudatio von "Dodokay", der vor drei Jahren als direkter Vorgänger mit der Friedrich-E.-Vogt-Medaille ausgezeichnet wurde. Der Reutlinger "Hansdampf in allen Gassen" legt in Film- und Fernsehausschnitten prominenten Persönlichkeiten wie dem Papst, Obama, Löw, George Clooney oder der Queen einen neuen Text in den Mund und lässt sie im Heimatdialekt Christoph Sonntags kreative Comedy loben. Er erinnert sich aber auch gerne an die Zeit, als er den Kabarettisten vor 25 Jahren in Reutlingen kennenlernte: "Des war beim Pizza essen im Casablanca."

Es wurde an diesem Abend viel gelacht, gebruddelt und gefrotzelt, selbst Josef Schuler schwäbelte, was das Zeug hält: "Im Moment hab I mit dem Dialekt weniger Probleme als mit dem Zins", brachte der Reutlinger Volksbank-Chef die Stimmung des Abends auf den Punkt.

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