Landkreis Die Fruchtqualität ist gut

Noch ist dieser „Reutlinger Streifling“ nicht reif. Dennoch setzt die Erntearbeit der Obstbauern in diesem Jahr früher ein.
Noch ist dieser „Reutlinger Streifling“ nicht reif. Dennoch setzt die Erntearbeit der Obstbauern in diesem Jahr früher ein. © Foto: Grünflächenberatungsstelle Landratsamt Reutlingen
Kreis Reutlingen / swp 04.08.2018

Der Klarapfel fällt schon vom Baum, das Stuttgarter Geißhirtle ist süß und saftig, und der Apfel Jakob Fischer ist erntefähig: Die Obstsorten in den Streuobstwiesen und Gärten sind in diesem Jahr gut drei Wochen früher reif als üblich.

Nach dem Ernteausfall des vergangenen Jahres, in dem ein scharfer Frost auf die verfrühten Blüten traf und für einen weitreichenden Ernteausfall gesorgt hat, sieht es in diesem Jahr ganz anders aus. Die Bäume mussten 2017 keine Früchte versorgen und konnten über das Laub Reservestoffe einlagern, was in diesem Jahr für einen guten Blütenansatz und eine üppige Blüte gesorgt hat.

Die frühe Wärme im Frühjahr war Grund für ein ungewohntes Bild, denn die Obstbäume und andere Frühblüher standen verfrüht und fast alle gleichzeitig in voller Blüte. Kaum hinterher kamen dabei die überwinternden Bienen mit der Bestäubungsarbeit, da viele Bienenvölker zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht ausreichend viele Nachkommen erzeugt hatten.

Dennoch zeigte sich schließlich ein sehr ausgeprägter Fruchtansatz. In Gebieten, wo bald darauf die Apfelbaumgespinstmotte massenhaft aufgetreten ist, sind viele Blütenansätze allerdings beschädigt worden. Das erklärt manche leeren Bäume.

Bei der aktuell herrschenden Dürre bleibt zu beobachten, wie die Bäume auf den Trockenheits­stress reagieren werden. Formen von Notreife oder vorzeitiger Blattabwurf können auftreten. Bislang sind die Fruchtqualitäten aber noch ausgesprochen gut. Es wird sich also lohnen, den Erntesegen gewissenhaft einzuholen. Für die Mostereien, Keltereien und Annahmestellen ist also ebenfalls ein frühzeitiger Beginn angezeigt.

Im Zuge der Fruchtreife bittet der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine, vertreten durch die Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau am Landratsamt Reutlingen, wie in den Vorjahren um eine rege Beteiligung am Sortenprojekt im Landkreis: das Projekt zur Erhaltung alter Landsorten (www.sortenerhalt.de).

Hier sind Meldungen von allen Obstsorten mit Angabe ihrer Standorte erbeten. Dazu ist die Bevölkerung aufgerufen, denn vielen Mitbürgern sind noch einige Bäume mit Sortenname geläufig. Alle namentlich bekannten Sorten sind von Bedeutung für diese Erfassung. Das Ziel ist es einerseits, einen Überblick über die (noch) vorhandenen Sorten und ihre Anzahl zu gewinnen, andererseits auch die jeweils genutzten Namen zu den Sorten zu erfahren.

Dann werden die besonders seltenen Sorten aus den Meldungen herausgefiltert und können über die Standortangabe mit der Einwilligung der Besitzer gezielt über Edelreiser vermehrt werden. Das sind einjährige Triebe der jeweiligen Sorte, die von einer Baumschule dann zu einem neuen Baum umgewandelt werden können.

Innerhalb des Projektes konnten bislang 20 Sorten gesichert werden, von denen auch nach intensiven Nachforschungen nur noch ein bis zwei Bäume bekannt waren. Genannt seien die Ochsenherzbirne, der Fetzer-Apfel, die Apfelsorte Knäller oder die Schweizer Birne (nicht die Schweizer Wasserbirne). Weitere 35 Sorten stehen zur Überprüfung bereit, ob sie Lokalsorten sind oder bekannte Sorten unter lokalem Namen.

Meldungen können direkt über ein Luftbild auf der Internetseite www.sortenerhalt.de oder gleich im Gelände über die Smartphone-App des Projektes eingegeben werden. Die Anleitung zum Installieren der App findet sich ebenfalls auf der Internetseite unter „Sortenerhalt-Mobil“. Auch ein Meldebogen zum Ausdrucken und Ausfüllen per Angabe der Flurstücksnummer steht bereit. Alle angegebenen Daten werden nach geltender Datenschutzrichtlinie gesichert, vertraulich behandelt und nicht veröffentlicht oder weitergegeben.

Ein ausgesprochener Dank richtet sich an die bisherigen Mitwirkenden der vorliegenden über 4000 Meldungen.

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Sorten konnten bislang innerhalb des Projektes „Sortenerhalt“ gesichert werden. Sorten, von denen auch nach intensiven Nachforschungen nur noch ein bis zwei Bäume bekannt waren.

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