Region Die Fans zieht es in die Biergärten

Die Szene zeigt die Freude über den Siegtreffer gegen Frankreich im Viertelfinale 2014.
Die Szene zeigt die Freude über den Siegtreffer gegen Frankreich im Viertelfinale 2014. © Foto: Archiv/Peter Kiedaisch
Von Carola Eissler 14.06.2018

Vor zwölf Jahren entdeckten die Deutschen das gemeinsame Feiern. Mit dem Sommermärchen zur Fußball-WM 2006 zog auch das sogenannte Public Viewing in die Städte und Kommunen ein. Beliebt ist das gemeinsame Fußballschauen, das Mitfiebern und Anfeuern immer noch, eine Stimmung wie vor zwölf Jahren wird es jedoch wohl nicht mehr geben. Die Großstädte in Deutschland bauen zwar ihre Fanmeilen auf, genauso die Hauptstadt Berlin, doch hohe Konzessionen und strenge Sicherheitsvorkehrungen lassen viele Veranstalter sowie kleinere Städte und Kommunen von einem Public Viewing absehen. „Wirtschaftlich nicht mehr vertretbar und nicht finanzierbar“, sagt zum Beispiel Jochen Krohmer vom Bereich Wirtschaft und Tourismus der Stadt Metzingen. Vor einigen Jahren noch war die Stadt beim Public Viewing mit dabei, inzwischen nimmt man Abstand davon. Die Investitionen wären horrend. Allein die für 1000 Fans notwendige LED-Leinwand kostet 25 000 Euro Miete. Hinzu kommen Versicherungssummen im fünfstelligen Bereich, Security, Personal in Wechselschichten, Aufbau von Sanitäranlagen und vieles mehr. „und dann ist auch noch das Wetter-Risiko enorm.“ Rund 80 000 Euro würde die Stadt solch ein Public Viewing kosten, rechnet Krohmer hoch.

Bei der Stadt Reutlingen hat man sich entschlossen, am traditionellen Schwörtag am 14. Juli das Spiel um Platz 3 am Nachmittag zu übertragen. Wohl deshalb, um dennoch die Besucher zum Traditionsfest in der Stadt anzulocken. Ansonsten verweist die Stadt auf Biergärten, Pubs, Gemeindehäuser, wo die Spiele einem kleineren Publikum gezeigt werden. Und auch die Stadtmarketing und Tourismus GmbH Reutlingen hält sich in Sachen Public Viewing zurück. Bei Stadt am kommenden Freitag und Samstag sind ohnehin keine Deutschlandspiele. Und für die anderen Spiele verweist auch StaRT auf die Clubs und Gaststätten.

Ohnehin scheint sich der Trend umzukehren: Weg von den großen Fanmeilen und hin zum kollektiven Schauen im Pub nebenan. Oder auch im Kino, wie das Beispiel Kamino in Reutlingen zeigt. Auch die Stadt Metzingen, die in den ersten Jahren der Public-Viewing-Begeisterung kräftig mitmischte, verweist inzwischen auf einige Metzinger Gartenwirtschaften, die die Spiele übertragen wollen. Aber auch hier stellt Krohmer fest, dass nicht nur das Interesse der Sponsoren geringer wird, sondern auch bei den Wirten in Sachen Public Viewing eher zögerlich agiert wird. „Und dann fehlen diesmal auch noch die Italiener“, sagt Krohmer. Was das Interesse italienischer Lokale zusätzlich mindert.

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