Kreis Reutlingen Die bäuerliche Realität zeigen

Thomas Pfeifle, Uta Maria Killgus, Gebhard Aierstock, Philip, Siegrun und Thomas Fritz (von links) stellen das Programm der Gläsernen Produktion am Sonntag auf dem Pfullinger Finkhof vor.
Thomas Pfeifle, Uta Maria Killgus, Gebhard Aierstock, Philip, Siegrun und Thomas Fritz (von links) stellen das Programm der Gläsernen Produktion am Sonntag auf dem Pfullinger Finkhof vor. © Foto: Gabriele Böhm
Region/Pfullingen / Von Gabriele Böhm 14.06.2018

Die Milch kommt aus dem Tetrapack, der Bauer fährt den ganzen Tag nur mit dem Traktor durch die Gegend, und die EU unterstützt Landwirte mit astronomischen Summen. Um mit solchen Vorurteilen aufzuräumen, wurde der Tag der „Gläsernen Produktion“ ins Leben gerufen. Verbraucher sollen erfahren, wie der bäuerliche Alltag wirklich aussieht. Am kommenden Sonntag, 17. Juni, ist es die Familie Fritz, die Interessierte auf ihren Finkhof in Pfullingen einlädt und ein buntes Programm für Kinder und Erwachsene zusammengestellt hat. Auch niedliche Kälbchen werden zu sehen sein.

„Leider geht der Kontakt zwischen Landwirtschaft und Verbraucher immer mehr verloren“, beklagt Uta Maria Killgus vom Kreislandwirtschaftsamt als Mitinitiator. „Viele sehen den Beruf als Idylle. Das Hoffest bietet die Möglichkeit, die Realität auf einer persönlichen Ebene und die Vorteile der regionalen Produkte kennenzulernen.“

Der Hof mit Siegrun Fritz als Betriebsleiterin wurde 1960 aus der Stadtmitte ausgesiedelt und über die Jahrzehnte immer mehr erweitert. Heute werden 130 Milchkühe sowie Jungvieh gehalten. Zum Hof gehören 75 Prozent Grünland und 25 Prozent Ackerland. Allein mit eigener Gülle sowie Festmist der eigenen Tiere wird eine Biogasanlage betrieben. „Das ist für unsere Region ideal“, sagt Thomas Fritz, der in Neuhausen einen eigenen Betrieb mit Mastbullen und -schweinen bewirtschaftet. Die Leistung der Anlage von 75 Kilowatt reiche für 100 Durchschnittshaushalte für etwa ein Jahr. Getreide und Mais werden der Biogasanlage nicht zugesetzt. Durch das Ausbringen der Gülle auf die Felder spare man Mineraldünger. So greife wirtschaftlich eins ins andere.

Als Besonderheit haben die Kühe täglichen Weidegang, was ihrer Gesundheit hilft. Einen Melkstand habe man nur für 60 Kühe, was wie die 1500 Einzelgrundstücke in unterschiedlichen Höhen von 360 bis 750 Metern ebenfalls Zeit koste. Zum Hof gehören 14 Hektar Naturschutzwiesen, die nur einmal jährlich gemäht werden dürfen.

„Es läuft alles gut, aber es darf nichts dazwischenkommen“, berichtet Siegrun Fritz über den Arbeitsaufwand. Eine 40-Stunden-Woche sei für Landwirte utopisch.

Der mittelgroße Betrieb werde wie die Mehrheit im Kreis von der Besitzerfamilie bewirtschaftet. Glücklicherweise zeigen alle drei Söhne Interesse. Philip Fritz (23) ist bereits Landwirtschaftsmeister.

„Die Landwirte sind auch Landschaftsgestalter“, sagt Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Schlimm seien die Vorwürfe, Landwirte seien schuld am Insektensterben, was in dem Satz gipfele: „Die Bauern sollen einfach mal mit der Hacke jäten.“ Ein weiteres Problem seien seit Neuestem die fehlenden Erntehelfer sowie die Wildschweine, wegen denen acht Hektar Mais und zehn Hektar Wiese komplett neu eingesät werden mussten.

„Wir haben 1500 Mitglieder im Verband“, erläutert Thomas Pfeifle, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, der wie viele andere am Hoftag mit einem Infostand vertreten ist. Zurzeit habe man im Kreis Reutlingen 250 Haupterwerbs- und rund 1000 Nebenerwerbslandwirte.

An einen Gottesdienst unter Beteiligung des Posaunenchors um 10 Uhr schließt sich ab 11 Uhr die Eröffnung mit Grußworten an. Für Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen ist gesorgt. Man kann sich über die Technik landwirtschaftlicher Maschinen und an Aktionsständen informieren oder an einem Sensen-Mähwettbewerb teilnehmen. Für die Kinder gibt es ein spezielles Programm und eine Stroh-Hüpfburg.

Bauernhofbrunch am 8. Juli

Am Sonntag, 8. Juli, um 9.30 Uhr findet ein Bauernhofbrunch statt: bei Obsthof Frech (Sickenhausen), Drei Birkenhof Familie Kern (Rommelsbach), Hof Münch (Hochberg), Schmauder´s Hof (Mehrstetten), Regina´s Futterkiste Familie Allgaier (Heroldstatt) und der Hohensteiner Hofkäserei (Ödenwaldstetten).