VERKEHR Die Anwohner wehren sich

Planspiel am Modell: Mitglieder der Initiative l(i)ebenswertes Storlach wollten am Samstagvormittag testen, ob beim versetzten Parken Rettungsfahrzeuge und Busse noch durchkommen.
Planspiel am Modell: Mitglieder der Initiative l(i)ebenswertes Storlach wollten am Samstagvormittag testen, ob beim versetzten Parken Rettungsfahrzeuge und Busse noch durchkommen. © Foto: Foto: Gabriele Böhm
Reutlingen / Von Gabriele Böhm 25.02.2018

Die Autos, die am Samstag in der Storlachstraße am rechten und linken Fahrbahnrand geparkt waren und den Durchgangsverkehr zu Schlangenlinien zwangen, waren recht lästig. Und sollten es auch sein, denn die Anwohner gehen wegen der täglich in diesem Bereich gezählten 1700 Fahrzeuge auf die Barrikaden. In gelben Warnwesten informierten Mitglieder der „Initiative l(i)ebenswertes Storlach“ Autofahrer über die Aktion „Versetztes Parken“.

Freilich gebe es auch Autofahrer, die tatsächlich die Bäckerei, die Thaimassage und den Friseur aufsuchten oder zum Kindergarten müssten. Keine Frage, sagte Sabine Ziegler, die Autofahrer ansprach und mit Zetteln freundlich auf die Problematik aufmerksam machte. „Aber trotz des Schildes ‚Anlieger frei’ fahren eben auch viele durch das Wohngebiet und die 30er-Zone, die zum Scheibengipfeltunnel, zum Bahnhof oder zur Oststadt wollen.“

Wenn auf der B 28 Stau herrsche, nähmen viele Autofahrer, die Richtung Norden unterwegs seien, gerne die Alternative durch die Sondelfinger- und die Storlachstraße. Anstelle der Rommelsbacher Straße würde dann bevorzugt die Parallelstrecke über die Carl-Diem- und die Storlachstraße genutzt. Verlockend sei eben, dass es dort nur eine Ampel und keine Blitzanlage gebe. Selbst Navigationsgeräte zeigten, so die Initiative, die Strecke durch den Storlach bevorzugt an, wenn man durch den Tunnel wolle.

Wie Anlieger Uwe Steiner berichtete, sei man vor längerer Zeit bei der Stadt mit dem Problem vorstellig geworden. „Herr Keppler (Ordnungsamtsleiter Albert Keppler, die Red.) hat uns dann diese Aktion vorgeschlagen, um zu prüfen, ob das versetzte Parken zur Verkehrsberuhigung eine geeignete Maßnahme sei.“

Um 8 Uhr am Samstagmorgen hätten die Anwohner ihre Fahrzeuge entsprechend abgestellt. Viele Autofahrer zeigten sich beeindruckt von den zusätzlichen Sperren und vor allem von der Gruppe der Akteure. Einer von ihnen war Stefan Heiß aus Sondelfingen, der tatsächlich auf dem Rückweg von der Bäckerei war und anhielt. Albrecht Neubrander berichtete ihm von dem hohen Verkehrsaufkommen im Storlach. „Ich kann die Aktion absolut verstehen“, stimmte Heiß zu. Letztlich sei es schwer zu kontrollieren, wer tatsächlich Anlieger oder Kunde sei.

Matthias Hoss aus Ludwigsburg, der gerade seine Tochter im Storlach besuchte, hatte bei den sich vielfältig ergebenden Diskussionen auch gleich die Lösung aus seinem Wohnort parat: „Einbahnstraßen einführen und jeden blitzen.“ Erst anschließend werde kontrolliert, wer sich tatsächlich strafbar gemacht habe.

„Der Verkehr zum Tunnel nimmt ständig zu“, bemängelte Uwe Steiner. Die Leute hätten es eilig und würden sich oft nicht an die vorgeschriebene Begrenzung von 30 Stundenkilometern halten. So seien parkenden Fahrzeuge beschädigt worden. „Insgesamt hatten wir im letzten halben Jahr sechs Fahrerfluchten.“

Problematisch sei auch die Situation, wenn nur an einer Straßenseite geparkt werde. „Es ist dann so eng, dass der Gegenverkehr sich eine Lücke zum Ausweichen vor den Garagen suchen muss“, sagte Ute Steiner-Munz. „Oft beobachtet man, dass über den Gehweg gefahren wird.“ Kaum ausgesprochen ergab sich auch schon eine brenzlige Situation, in der ein Radfahrer nur knapp einem Pick-up ausweichen konnte. „In den letzten 60 Jahren haben wir als Erleichterung nur Pfähle bekommen, damit die Autos nicht über den Gehweg fahren.“ Man müsse das Anliegen der Storlacher einfach immer wieder aufs Tapet bringen. „240 Anwohner haben unterschrieben, dass sie die Initiative unterstützen“, sagte Albrecht Neubrander.

Die Aktionsgruppe war auch bei einer Fraktionssitzung und hat dort allgemeinen Zuspruch erhalten. Die Freien Wähler und die CDU haben sich bereits mit dem Anliegen der Initiative auseinandergesetzt. „Lediglich die FDP möchte noch abwarten“, berichtete Ziegler. Die Fraktion „Wir in Reutlingen“ habe ihr Kommen für den kommenden Samstag, 3. März, zugesagt.

Maßstabgetreues Modell

Um herauszufinden, ob das versetzte Parken eine Möglichkeit  sein könne, dem Durchgangsverkehr den Storlach zu vermiesen, hatten die Akteure sogar 150 Meter der Storlachstraße in Höhe des Hauses mit der Nummer 75 als maßstabgetreues Modell in Form einer Styroporplatte mit verschiebbaren Papierautos gebastelt. „Auch ein 13 Meter langer Bus ist dabei“, sagte Rudi Treven. „Aber bei dem würde es wirklich schwierig.“ Auch, ob Rettungsfahrzeuge ungehindert durchkämen, müsse geprüft werden. „An Parkplätzen würde durch die neue Ordnung nur ein einziger in diesem Bereich verlorengehen“, resümierte Steiner.

Die Initiative hatte zudem einen Infostand aufgebaut, an dem Interessierte diskutieren und sich mit Herzhaftem versorgen konnten. Unter www.initiative-storlach.de gibt es weitere Informationen.

240

Anwohner haben unterschrieben, dass sie die Anliegen der „Initiative
l(i)ebenswertes Storlach“ unterstützen. Diese will den Durchgangsverkehr im Quartier deutlich reduzieren.

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