Kaum klettert das Thermometer über 30 Grad, zeigt sich wieder eins: Die Deutsche Bahn ist wetterfühliger, als 95 Prozent ihrer Kunden. Im Januar sorgt der Wintereinbruch regelmäßig für Verspätungen und Ausfälle. Das ist allerdings noch richtig angenehm, im Vergleich zu dem, was die Bahnfahrer im Hochsommer erdulden müssen.

IRE von Reutlingen nach Tübingen

Dienstag, 17 Uhr, im IRE von Reutlingen nach Tübingen: Die Klimaanlage ist ausgefallen, in den völlig überfüllten Waggons ist es heiß, die Luft ist schlecht. Kinder fächeln sich Luft zu mit einer Broschüre, bei den Geschäftsmännern, die schon seit Stuttgart im Zug sind, haben sich mittlerweile sogar Schweißflecken auf der Anzughose gebildet. In Tübingen angekommen, brüllt ein angenervter Fahrgast den Lokführer an und beschimpft ihn.

Der Lokführer trägt an diesem Nachmittag sicher keine Schuld an der ausgefallenen Klimaanlage. Grundsätzlich hat der wütende Fahrgast aber Recht: Die Pendler zahlen viel Geld für ihre Tickets und dürfen dafür auch eine einigermaßen erträgliche Fahrt erwarten. Die Antwort der Bahnpressestelle auf die Frage nach ausgefallenen Klimaanlagen ist vage gehalten: „Bei hohen Außentemperaturen kann es zum Ausfall einzelner Klimaanlagen kommen. Deshalb hat die DB für mögliche Ausfälle ihre Vorsichtsmaßnahmen in Kraft gesetzt, die sich in den letzten Sommern bereits bewährt haben. Darüber hinaus hat die DB alle Klimaanlagen technisch überholt.“

Defekte Klimaanlagen: Image der Bahn leidet

Von unglücklichen Einzelfällen kann dieser Tage aber keine Rede mehr sein zwischen Stuttgart und Tübingen. Denn: Viele Züge, die auf dieser Strecke fahren, haben nicht einmal eine Klimaanlage, da sie mehrere Jahrzehnte alt sind.

Liebe Bahn: Verspätungen sind verzeihbar und Tariferhöhungen auch irgendwie zu verkraften. Das Auto kostet schließlich noch mehr Geld und Stau raubt ebenfalls Nerven. Aber die Pendler in ihrem Schweiß schmoren zu lassen, das ist nicht nur eine Katastrophe für das sowieso schon angeschlagenen Image der Bahn, sondern schlichtweg auch gefährlich.

Zum besagten IRE am Dienstagnachmittag schreibt die Bahn: „Der genannte Zug wurde im Verlauf seiner Fahrt aufgrund einer defekten Klimaanlage aus dem Verkehr genommen, um ihn der Werkstatt zur Reparatur zuzuführen.“ Von Stuttgart bis Tübingen ist er jedenfalls gefahren. Und das sind 45 Minuten bei mehr als 40 Grad.

Welches Recht habe ich als Fahrgast?

Bei Beeinträchtigung des Reisekomforts durch Klimaanlagenstörungen im Fernverkehr können Kunden sich mit einem Nachweis des benutzten Zuges an den Kundendialog wenden. Im Nahverkehr können die Fahrgastrechte geltend gemacht werden.

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