Reutlingen Derb, prägnant und gutherzig

Wie sehr dem gebürtigen Metzinger Klaus Kinkel der Dialekt am Herzen liegt, zeigte er in seinem Vortrag „Sodele, Jetzetle – ein Schwabe auf dem Weg in die weite Welt (und zurück)“ in der voll besetzten Kreissparkasse am Marktplatz.
Wie sehr dem gebürtigen Metzinger Klaus Kinkel der Dialekt am Herzen liegt, zeigte er in seinem Vortrag „Sodele, Jetzetle – ein Schwabe auf dem Weg in die weite Welt (und zurück)“ in der voll besetzten Kreissparkasse am Marktplatz. © Foto: Jürgen Spieß.
Von Jürgen Spieß 08.06.2018

Er war schon immer stolz auf seinen Dialekt und darauf, ein Schwabe zu sein: Bei einer Benefizveranstaltung zugunsten des Fördervereins Schwäbischer Dialekt kam der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel am Mittwochabend in die voll besetzte Kreissparkasse am Marktplatz. Wie sehr dem gebürtigen Metzinger der Dialekt am Herzen liegt, zeigte er in seinem Vortrag „Sodele, Jetzetle – ein Schwabe auf dem Weg in die weite Welt (und zurück)“.

Ziemlich derb können sie sein, die Schwaben, unprätentiös und authentisch. Dass Schwaben ihre Eigenheiten haben, ist allgemein bekannt. Sie sind direkt gradraus, ein bisschen verstockt und manchmal auch ein wenig zu ernst. Solche Vorurteile können natürlich nur aus dem Mund von Nichtschwaben kommen, das ist klar. Denn wie sollten die auch verstehen, wie man hier so tickt. Klaus Kinkel weiß, wie die Schwaben ticken. Er ist in Metzingen geboren, in Hechingen aufgewachsen, hat – zusammen mit seinem Freund Anton Pfeifer – in Tübingen und Bonn studiert und obwohl er seit dem Ende seiner politischen Karriere in Nordrhein-Westfalen lebt, fühlt er sich „dem Schwabenland noch immer sehr verbunden“.

Nach dem Grußwort des Rottenburger Oberbürgermeisters und Fördervereins-Vorsitzenden, Stephan Neher, trifft der 81-jährige Freidemokrat mit seinen Anekdoten und Witzen sofort den richtigen, schwäbischen Ton. Er berichtet über seine Tübinger und Bonner Studentenzeit und kommt ausführlich auf sein Elternhaus zu sprechen. Die Mutter war eine echte Schwäbin aus Stuttgart, der Vater Westfale, was ihm früh vor Augen führte, was Schwaben und Nichtschwaben neben dem Dialekt noch so unterscheidet: „Wir Schwaben schwätzen langsam und schaffet schnell – bei den Berlinern ist es umgekehrt“ ist eine Weisheit, die sich während seines politischen Lebens als Präsident des Bundesnachrichtendienstes (1979 bis 1982), als Bundesminister der Justiz (1991 bis 1992) und Bundesaußenminister (1992 bis 1998) nicht selten bewahrheitete.

Obwohl ihm sein westfälischer Vater vom Auswärtigen Dienst abriet, („Du magst Spätzle, kleidest dich nicht passend und sprichst ein breites Schwäbisch“) stand Klaus Kinkel auch während seiner späteren Zeit als Außenminister immer zu seinem Dialekt. Das brachte seine Dolmetscher ein ums andere Mal in arge Verlegenheit, etwa, als er den französischen Finanzminister einmal als „Furzklemmer“ bezeichnete. Dagegen „ertrug“ sein Förderer und Parteifreund Hans-Dietrich Genscher seinen Dialekt, „da das Sächsische durchaus Ähnlichkeiten mit dem Schwäbischen aufweist“, so Kinkel mit einem süffisanten Lächeln.

Gerne lässt er sich auch über „herrliche schwäbische Wortschöpfungen“ wie Bachel, Bähmulle oder Babbeseggel aus und schwärmt darüber, „welche Kraft, Prägnanz und Gutherzigkeit in deftigen Nuancen und doch facettenreichem, manchmal sogar grobem schwäbischen Dialekt steckt“. Dazu gibt es Gogenwitze, Thaddäus-Troll-Zitate, derbe Kraftausdrücke und vielerlei schwäbische Titulierungen für Männer und Frauen, denen jeweils eine charakterliche Zuschreibung innewohnt. Er berichtet von der eingebildeten Armut der Schwaben („Was ist ein Mann, der mit einer Kerze vor einem Spiegel sitzt? Ein Schwabe am zweiten Advent“), erzählt von schwäbischen Pietisten und davon, dass das allgemein als Schimpfwort verstandene „Arschloch“ im Schwäbischen keine Beleidigung sei. Joschka Fischers legendäres „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!“ ist da nur ein Beispiel.

Natürlich kommen die zahlreichen Besucher aus dem Lachen kaum noch heraus. Denn nicht nur, dass Klaus Kinkel auf der Suche nach der schwäbischen Mentalität mit viel Humor durchs Programm führt. Er kennt auch die besten und derbsten Witze. Beispiel gefällig?: „Warum werfen sich Schwaben bei Gewitter immer auf den Bauch? Weil der Blitz noch nie in ein Arschloch eingeschlagen hat!“

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