Konzert Der Wille zum unbedingten Beat

Jeder Akzent ein  Geständnis: Gitarrenspezialisten Yasi Hofer gastierte im Reutlinger Kulturzentrum franz.K.
Jeder Akzent ein Geständnis: Gitarrenspezialisten Yasi Hofer gastierte im Reutlinger Kulturzentrum franz.K. © Foto:
Reutlingen / Jürgen Spiess 26.09.2018

Das ist sie also, die von Steve Vai entdeckte Ausnahmegitarristin aus Ulm: Charmant und mit viel Selbstbewusstsein betritt die 25-jährige Yasi Hofer mit ihrer metallisch gelb glänzenden E-Gitarre die franz.K-Bühne und lässt diese zwei Stunden lang im wahrsten Sinne des Wortes jubilieren.

Es ist zuerst dieser Wille zum unwiderstehlichen Beat, der die gut 250 Besucher begeistert und dieses Konzert zu einem besonderen macht.

Wenn man Yasi Hofer zuhört, wie sie ihre Gitarre streichelt, wie sie gleichsam mit ihrer Musik verschmilzt, kann man sich folgende bildliche Inszenierung gut vorstellen: Die Musik hat eine wundersame Oberfläche, sie lockt und reizt, sie lädt zum Verweilen ein.

Wer die Ohren etwas weiter öffnet, die Strukturen der Klänge tief eindringen lässt, der findet bei diesem Konzert eine Menge ungewöhnlicher Sounds, die so filigran sind, dass man kaum glauben kann, dass diese unbändige Dringlichkeit den Fingern einer erst 25-Jährigen entstammt. Ihre Gitarrenriffs schwellen an und schwellen wieder ab, behalten aber immer einen kühlen Kopf.

Verdichten sich rasch zum rockigen Klanggespinst, sorgen für Reibung, verfallen in einen Rhythmus, der Herzschlag ist und Hingabe zugleich.

Die aus Ulm stammende Gitarristin, die im Alter von gerade mal 14 Jahren erstmals von Gitarrenhero Steve Vai auf die Bühne geholt wurde und in der international renommiertesten Musikhochschule der Welt, dem Berklee College of Music in Boston, USA, studiert hat, verzichtet bei ihrem Auftritt auf jegliche Showeffekte, konzentriert sich vielmehr auf die Erarbeitung differenzierter Tonspektren und ausgewogener Zusammenklänge. Dabei erweist sich Yasi Hofer als vielversprechendes Talent, als filigrane Gitarristin, die die zahlreichen Musiker im Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt. Immer wieder gelingt es ihr, im Verbund mit dem Bassisten Steffen Knaus und Schlagzeuger Christoph Scherer schlüssig zwischen variierten Bündelungen und fantasievollen Melodieläufen zu changieren, die über eine Funktion als Fill-ins weit hinausgehen.

Was Geschwindigkeit angeht, kann die Frau fast jeden überholen, mit einer Akkuratesse, die nicht nur verblüfft, sondern auch hochmusikalisch ist. Wer Yasi Hofer live ihr Instrument spielen hört, wirft Vorurteile, wie sie gegenüber Gitarristinnen zuweilen bestehen, schnell in die Mülltonne. Wie ernst es der gebürtigen Ulmerin mit ihrer Musik ist, zeigt die leidenschaftliche Präzision, mit der sie sich ihrem Instrumentalrock hingibt. Jede rhythmische Struktur ein Indiz, jeder kleine Akzent ein umfassendes Geständnis. Da ist er also wieder, der Rock’n’Roll, die große, dumpfe, glorreiche Musik, die es allen Unkenrufen zum Trotz so lange geben wird, wie irgendwo auf der Welt Testosteron produziert wird.

Nicht, dass Yasi Hofers Spiel nun unbedingt alle Farben ausgeschöpft hätte. Die Richtung aber stimmt bis hin zu ihren gesanglichen Einlagen und den hochkomplizierten Takten, die sie bei einer Reihe von Arrangements wie etwa dem Titelstück ihres zweiten Albums „Faith“, bei „Tender Storms“, Painting My Own World“ oder auch bei der Uraufführung von zwei, drei Stücken ihres noch nicht veröffentlichten dritten Albums zu bewältigen hat.

Unbekümmert und mit einer komplexen spielerischen Kompetenz präsentieren sich auch ihre beiden Mitstreiter am E-Bass und Schlagzeug. Im Kern handelt es sich bei den Eigenkompositionen um konventionellen Fusionrock, der aber auf eine äußerst eingängige Weise in Szene gesetzt wird.

Das Publikum erlebt eine zwei Stunden währende, mitreißende Demonstration von zeitlosem Rock – auf eine eindringliche, geradezu aufrichtige Art uncool. Mit raffinierten, fast „old school“ anmutenden Gitarrenläufen und doch ganz up-to-date.

Kurz: ein Konzert wie aus einem Guss.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel