Nachruf Der Vater der Vesperkirche ist nicht mehr

Klaus Kuntz, der „Vater der Vesperkirche“, ist tot.
Klaus Kuntz, der „Vater der Vesperkirche“, ist tot. © Foto: Archiv
pet 28.03.2018

Klaus Kuntz hat große Fußstapfen hinterlassen. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb der vor allem als „Vater der Reutlinger Vesperkirche“ bekannte frühere Marienkirchenpfarrer am vorvergangenen Montag wenige Tage vor seinem 83. Geburtstag. „In letzter Zeit war es ihm nicht mehr so gut gegangen“, erinnerte sich sein Nachfolger Pfarrer i.R. Jörg Mutschler, der im Sommer 2016 den symbolischen Stab der Vesperkirche von Kuntz übernommen hatte. Kuntz litt an Parkinson, wegen seiner Krankheit konnte er, sehr zu seinem Leidwesen, auch bei der jüngsten Vesperkirche im Januar 2018 nicht mehr mithelfen. Noch im Jahr zuvor bei der 20. Jubiläumsauflage des „besonderen Gasthauses für Leib und Seele“, wie er es immer genannt hatte, half er regelmäßig mit, obwohl ihm seine Erkrankung schon merklich zu schaffen machte. Zuletzt lebte Kuntz im Pflegeheim.

Als Marienkirchenpfarrer in seinem Hauptberuf von 1985 bis zu seiner Emeritierung 1997, als Reutlinger Gemeinderat in der SPD-Fraktion von 1999 bis 2004 und als überaus sozial engagierter Pfarrer im Ruhestand hat der in Pleß im bayrischen Unterallgäu Geborene unaufgeregt, aber beharrlich Eindruck gemacht und hinterlassen. „Er hat sich in unserer Stadt über viele Jahre für jene eingesetzt, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Wo Menschen in Not waren, hat er für Verbesserungen gekämpft“, danken ihm die Genossen der SPD.

Bundespräsident Horst Köhler verlieh Klaus Kuntz für sein außerordentliches Engagement im Februar 2007 das Bundesverdienstkreuz am Bande. „Ehrenamtliches Engagement ist für unsere Gesellschaft mit all ihren Herausforderungen unverzichtbar. Mit großer Tatkraft und Entschlossenheit hat sich Pfarrer Kuntz immer wieder und unermüdlich für Menschen am Rande unserer Gesellschaft eingesetzt. Die Reutlinger Vesperkirche als sichtbarstes Zeichen seines bürgerschaftlichen Engagements steht dabei nur beispielhaft für zahlreiche Projekte seines unermüdlichen Wirkens“, sagte der Reutlinger Dieter Hillebrand, damals Staatssekretär in Stuttgart.

Weitere große Verdienste hätte sich Pfarrer Kuntz durch die Gründung des Arbeitskreises Obdachlose und die daraus entwickelten Projekte erworben. So wurde auf seine Initiative 1995 die erste Oase als Wohnungsangebot für Obdachlose eingerichtet. Ebenso von unschätzbarem Wert sei auch sein Engagement beim Aufbau der Reutlinger Tafel oder des Reutlinger Spendenparlaments gewesen. 2009 gab Kuntz mit anderen zudem das erste „Handbuch für den kleinen Geldbeutel“ heraus. „Für Menschen ohne Dach über dem Kopf sind all diese Projekte und Initiativen unverzichtbar geworden“, sagte Hillebrand damals.

Klaus Kuntz wird am Mittwoch, 4. April, um 14 Uhr in der Katharinenkirche auf dem Friedhof Unter den Linden zu Grabe getragen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel