Reutlingen Der Streit wird schärfer

Carola Eissler.
Carola Eissler. © Foto: Kiehl
Reutlingen / Carola Eissler 17.02.2018

Ein fast verzweifelter Ruf, doch wieder die Vernunft walten zu lassen. Eine flehentliche Bitte. „Hört auf damit!“ schreibt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Karsten Amann auf seinem facebook-Account, nachdem sich Stadt und Landkreis in Sachen Auskreisung per Anzeige in Tageszeitungen und auf ihren jeweiligen Homepages bekriegen . „Geht es wie im Kindergarten darum, ob Klein-Barbara oder Klein-Thomas schneller ist, lauter schreit und sich am Ende die eine oder der andere durchsetzt?“, fragt Amann . Und warnt davor, Porzellan zu zerschlagen, da man später doch wieder zusammenarbeiten müsse.

Der Streit kommt bei vielen nicht gut an. Ob denn die Stadt (respektive der Kreis) keine anderen Probleme habe, will so mancher Kommentator wissen. „Wie in der Bildungspolitik: Wenn man sonst keine Ideen hat, diskutiert man über Strukturen“, echauffiert sich Florian Bauer, der St. Johanner Bürgermeister. Auch Regine Vohrer von der FDP-Fraktion im Reutlinger Gemeinderat mischt kräftig mit. Die IHK-Umfrage, die Mitte der Woche zu Ende ging, finde sie unmöglich. Schließlich seien die Argumente ausgetauscht, und jetzt komme man hinterher wie die alte Fasnet. Als „Zirkus“ bezeichnet ein anderer Kommentator den Streit. Gar von einem „aussichtslosen Projekt“ spricht der CDU-Kreisvorsitzende Manuel Hailfinger in Bezug auf die Auskreisungs-Pläne der Stadt.

Mit der Anzeigenschlacht ist der Streit um die Gründung eines Stadtkreises in eine neue Runde gegangen. Und hat an Schärfe zugenommen. Reumann hatte sich an die Unternehmen in der Region gewandt und von „Kirchturmdenken“ im Reutlinger Rathaus gesprochen, die Stadtverantwortlichen reagierten mit Vorwürfen, die man sonst aus den sozialen Netzwerken, nicht aber von Stadtverwaltungen kennt. Von Stimmungsmache und alternativen Fakten war die Rede, deren Urheber, da ließ die Stadtverwaltung keinen Zweifel aufkommen, im Landratsamt sitze.

Die beiden Widersacher werden nervös, denn sowohl für die Stadt als auch für den Kreis steht viel auf dem Spiel. Mit der Großen Anfrage von CDU und Grünen ist Bewegung in die Sache gekommen, das Innenministerium soll nach Auswertung eines Fragenkatalogs noch im April dem Kabinett einen Beschlussvorschlag vorzulegen. Die Debatte im Landtag könnte noch vor der Sommerpause erfolgen.

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