Von Evelyn Rupprecht  Uhr

Weg vom Chefsessel, rein ins Narrentreiben:  Die Bürgermeister haben nichts mehr zu melden in den Rathäusern – das Echaz- und das Arbachtal sind seit gestern fest in Narrenhand.

„Der frühe Vogel fängt den Wurm“, mögen sich die Krautscheißer Jahr für Jahr denken. Jedenfalls sind sie traditionell die ersten, die am Schmotziga Doschdig ihren Schultes absetzen. Krautscheißer, Burgstoihexa und Wurzelsepp haben allerdings nicht nur Peter Nußbaum den Schlüssel zum Beamten-Domizil entrissen, sondern auch aus dem Unterhausener Zentrum ein Narrendorf gemacht, in dem die Fasnetsfans selbst nach dem großen Kinderumzug am Nachmittag noch heiter weiter gefeiert haben. Und das natürlich nicht ohne ihren Schultes, der gestern im wahrsten Sinne des Wortes eine schwere Aufgabe zu stemmen hatte. Er musste Narren und Rathausbedienstete in einer Rischka mit integrierter Sektbar durch die Gegend kutschieren. Sozusagen als Pendant zum nigelnagelneuen Lichtensteiner Bürgerauto war der Fahrrad-Transport gedacht, bei dem Nußbaum ganz schön ins Schwitzen kam. Wobei er die Idee durchaus originell fand. „Aber,“ so Krautscheißer-Chefin Katja Thomas, „wir denken uns ja auch jedes Jahr etwas Besonderes aus“. Larifari-Gags kommen in Lichtenstein an der Fasnet offenbar nicht in die Tüte.

Um Tiefsinn bemüht waren indes auch die Pfullinger Hoagamännle, die zusammen mit den Uschlaberghexa und dem Mottles Heer zum Umzug der Kindergarten-Kinder und zum Narrenbaumstellen eingeladen hatten. Kaum stand der Baum, stürmten die Hästräger auch schon das Rathaus und entrissen Bürgermeister Michael Schrenk die Macht. Der Schultes, der den Narren im 80er-Jahre-Style mit Vokuhila-Frisur entgegentrat, wehrte sich nicht lang. Ja, er ging sogar vor Hoagamännle-Chef Michael Tröster in die Knie, als er Tempo-30-Haifischzähne auf den Boden vor dem Brunnen malen musste – und das nur, um sie anschließend auf Geheiß der Narren mit der Zahnbürste wieder abzuwaschen. Das mit dem Tempo 30 war freilich eine nicht gerade dezente Anspielung der Narren auf das Hin und Her um die Vorfahrtsregelung an den Steillagen, über die sich halb Pfullingen im vergangenen Jahr echauffiert hat. Hoch her ging’s gestern nicht nur vorm Rathaus, sondern auch im katholischen Gemeindesaal. Dort hatten die Kirchengemeinden zum ökumenischen Echaztreff geladen. Die Bude war voll, die Senioren waren teils sogar verkleidet – als der katholische Dekan Hermann Friedl einen Streit mit seinem evangelischen Kollegen Hans-Martin Fetzer vom Zaun brach. Fasnets-Fans und Fasnets-Gegner bekamen sich allerdings nicht wirklich in die Haare. Die Szene hatten die Pfarrer vorher geprobt. Um den kirchlichen Frieden in Pfullingen muss also keinem Bange sein.

Und in Eningen? Da machten sich die Häbles-Wetzer schon am Morgen auf, um in den Kindergärten und der Achalmschule Brezeln zu verteilen. Beim nachmittäglichen Umzug ging’s dann ziemlich bunt zu. Nicht nur befreundete Narrenzünfte marschierten mit im Umzug, sondern auch die Eninger Kinder. Ihre favorisierten Kostümierungen waren das Schlumpf- und das Polizisten-Outfit. Ach ja: Nebenbei wurde auch noch Bürgermeister Alexander Schweizer entmachtet. Aber warum sollte es ihm besser gehen als seinen Kollegen?