Es ist eine Hilfsaktion, die ihnen ans Herz gewachsen ist. Guido Möller, der bei der Reutlinger Berufsfeuerwehr arbeitet, unterstützt seit nunmehr zehn Jahren gemeinsam mit den beiden Condor-Stewardessen Alexandra Winkler, Gisela Vöcking McConney und Flugkapitän Bernd Oettinger soziale Projekte in Mombasa. 30 Mal ist der Feuerwehrmann schon dort gewesen.

Hilfe für Waisenhaus und Krankenstation

Neben der Feuerwehr, für die Möller Schutzkleidung und Equipment vom hydraulischer Spreizer bis zum Rettungsboot besorgt hat, unterstützen die Vier auch ein Waisenhaus und  das Kanamai Health Center mit Geburtsstation. Neben 1300 OP-Kitteln, 1500 OP-Masken, Krücken und Verbandsmaterial erhielt das Gesundheitszentrum im November vergangenen Jahres auch 300 Stück Seife und 250 Tuben Zahnpasta, letztere ist in Kenia sehr teuer.

Nähmaschinen für Mombasa

Unterstützt wird ebenfalls ein Behindertenheim sowie die St. Joseph´s School of Hope, eine Grund- und Berufsschule,  in der auch Schneider-, Schlosser-, und Schreiner ausgebildet werden. Für die dortige Schneiderklasse sammelte Möller in Deutschland über ein Dutzend alte mechanische Nähmaschinen, die er zerlegt und dann nach Mombasa mitnimmt. An diesen Maschinen erhalten Schneiderinnen eine Ausbildung. Nach bestandener Lehre und Prüfung können sie diese Maschinen gegen einen Kleinkredit übernehmen. Somit kann eine Nähmaschine helfen, eine Familie zu ernähren.
Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich die Lage in Kenias zweitgrößter Stadt dramatisch verschärft und auch die Schwerpunkte der Helfer haben sich, inspiriert durch einen Fernsehbericht, verschoben. Die Regierung in der Hauptstadt Nairobi hatte Ende März eine totale Ausgangssperre erlassen, die mit einem massiven Einsatz von Polizei- und Armeekräften und Gewalt durchgesetzt wurde. Kurze Zeit später wurde Mombasa total abgeriegelt.

Keine Arbeit, kein Essen

Immer weniger Lebensmittel standen zur Verfügung, die Preise explodierten, und viele der Armen verloren ihre Arbeit oder durften aufgrund der Ausgangssperre nicht als Tagelöhner schaffen. „Keine Arbeit bedeutet kein Geld, kein Geld bedeutet kein Essen, kein Essen bedeutet hungern“, bringt es Möller auf den Punkt.
In dieser Situation entschieden er und seine Mitstreiter, sich für die Essensversorgung der Ärmsten einzusetzen. Mit Hilfe von Helfern vor Ort wurde überlegt, was eine Person benötigt, um zu überleben. Gebraucht werden Maismehl, Öl, Weizenmehl, Reis, Waschmittel, Brennholz oder Holzkohle. Bei zwei Mahlzeiten pro Person je Tag kostet dies, berichtet Möller, 35 Cent pro Tag. Die Lebensmittel werden in Säcken gekauft und dann in kleine Einheiten umgefüllt und zusammengestellt.

Bis zu 1000 Menschen warten

Für das Speiseöl werden leere PET-Flaschen gesammelt, in die das Öl aus Zehn-Liter-Kanistern umgefüllt wird. Diese „Care-Pakete“ werden dann durch Halima Badi, die am Flugfen Mombasa arbeitet, und ihrer Familie persönlich an die einzelnen Familien verteilt. Als diese Unterstützung für die einzelnen Familien in den Slums „bekannt“ wurde, versammelten sich vor der St. Joseph´s School of Hope täglich bis zu 1000 Menschen, die auf ein Care Paket warteten. „Leider konnten nicht alle Wartenden versorgt werden“, bedauert Möller.
Auch im Kanamai Health Centre werden Care-Pakete zusammengestellt und an die Ärmsten in der Bevölkerung verteilt. Waren die Lebensmittel zunächst über Spenden von Freunden und Bekannten finanziert worden, hat jetzt auch die im Jahr 2006 gegründete Udo Lindenberg Stiftung, welche schon seit Jahren die St. Josephs School of Hope unterstützt, 10 000 Euro für Care-Pakete dafür bereitgestellt.
Im kommenden Jahr geht der 59-jährige Feuerwehrmann in Pension. In einem ist er sich sicher: „Ich werde dabei bleiben“, verspricht Möller.