Reutlingen Der Rat hat das letzte Wort

Reutlingen / Von Ralph Bausinger 06.11.2018

Die Überlegungen, einen Rahmenplan für Bauvorhaben in der Oststadt festzulegen, reichen ins Jahr 2004 zurück. Neun Jahre später diskutierte der Gemeinderat einen „Bebauungsplan Oststadt“ mit dem klar formulierten Ziel, das „ostsstadtypische Stadtbild (Baustruktur, Freiraum und Gestaltung) nachhaltig zu bewahren und gleichzeitig ausreichende Investitionssicherheit zu erhalten“. Allerdings kam es nie zu einem Satzungsbeschluss.

Das jetzt nach einem umfassenden Beteiligungsprozess vorgelegte Gestaltungsleitbild gibt bestimmte Kriterien für beispielsweise die Kubatur der Gebäude, ihre Länge, Fassadenvarianten und -gliederung, die Dachform (Walmdach) und auch die Farb- und Materialgestaltung vor. Entspricht ein Bauvorhaben dem Gestaltungsleitbild, wird die Baugenehmigung erteilt. Ist dies nicht der Fall, wird der Gestaltungsbeirat eingeschaltet, der eine Empfehlung abgibt. Folgt der Bauherr dieser Empfehlung, erhält er die Baugenehmigung. Greift er die Empfehlung nicht auf, wird das Bauvorhaben zurückgestellt, bis dann der Gemeinderat verbindlich entscheidet. Die im Gestaltungsleitbild vorgegebenen Linien sind für die Stadtverwaltung verbindlich. „Es wird kein Bauverhinderungsleitbild sein“, sagte Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung, im Gemeinderat.Im kommenden Jahr steht die Umgestaltung der Gartenstraße zu einer Geschäftsstraße/Nahverkehrsachse an. Zudem sollen 40 000 Euro Planungsmittel für die Kreuzung Bismarckstraße bereitgestellt werden. Laut Verwaltung sind 2020 insgesamt 300 000 Euro für den Umbau der Kreuzung Bismarckstraße und die Planung der Kaiserstraße in den Doppelhaushalt vorgesehen.

„Wir könnten längst weiter sein“, merkte Sebastian Weigle an. Dadurch, dass 2013 kein Beschluss gefasst worden sei, wurde „viel Schrottarchitektur in der Oststadt zugelassen“, kritisierte der SPD-Stadtrat. Der Beschluss sei ein „wichtiger Schritt, um die Entwicklungsrichtung vorzugeben“. Der Beschluss zeige klare Kante und zeige, wie sich dieses vielfältige Quartier weiter entwickeln solle. „Wir wollen den Charakter unserer Oststadt erhalten“, betonte Weigle.

Andreas vom Scheidt bezeichnete das Leitbild als „optimale Lösung für ein Gebiet wie die Oststadt“. Mit der jetzigen Regelrung gebe der Gemeinderat der Verwaltung eine Vorgabe. Werde davon abgewichen, so der CDU-Stadtrat, sei das Gremium als „oberste Instanz“ gefordert. Positiv sei auch, dass damit dem Quartier keine Käseglocke übergestülpt werde.

Auch aus Sicht der Freien Wähler ist das Gestaltungsleitbild notwendig. Das jetzt vorliegende, dynamische Konzept reiche aus, um weitere Bausünden zu verhindern, zeigte sich FWV-Stadtrat Erich Fritz überzeugt. Seiner Fraktion wäre eine Gestaltungssatzung zu starr gewesen. Die Grünen, ursprünglich Anhänger einer Gestaltungssatzung hätten sich, sagte Gabriele Janz, von der Verwaltung überzeugen lassen, die jetzt gefundene Lösung mitzutragen und zu schauen, ob sie funktioniert.

Rüdiger Weckmann, Linken-Stadtrat und selbst Oststadtbewohner, wünscht sich ein bisschen mehr Tempo, was die Umsetzung angeht.

Nach diesen Vorgaben „dürften wir das Seidenviertel nicht mehr bauen“, konstatierte Prof. Jürgen Straub. Der WiR-Fraktionsvorsitzende bemängelt zudem, dass die Altstadtsatzung noch noch nicht nachjustiert worden sei. „Uns erschließt sich nicht, in welchen Punkten die Altstadtsatzung verändert werden soll, konterte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz Straubs Kritik. Als einzige Fraktion lehnten die drei WiR-Stadträte das Gestaltungsleitbild ab.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel