Tübingen Der Landesvater muss sich jetzt "ganz intensiv kümmern"

"Sehr erkenntnisreich" nennt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (2. von links) seinen Besuch im Biotechnologiezentrum, hier mit Dr. Saskia Biskup von der Cegat GmbH. Ganz links lauscht Investor Dietmar Hopp. Foto: Bernd Haase
"Sehr erkenntnisreich" nennt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (2. von links) seinen Besuch im Biotechnologiezentrum, hier mit Dr. Saskia Biskup von der Cegat GmbH. Ganz links lauscht Investor Dietmar Hopp. Foto: Bernd Haase
BERND HAASE 10.03.2012
Bei seinem Besuch im Technologiezentrum hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann einige Hausaufgaben mitgenommen: Es gilt, das Investitionsklima für die Zukunftsbranche Biotechnologie zu verbessern.

Mit der schönen Nachricht wartete der Ministerpräsident bis zum Schluss seines Statements: Die L-Bank wird das benötigte neue Gebäude mit einer Nutzfläche von 4000 Quadratmetern für den Technologiepark Tübingen-Reutlingen auf der Oberen Viehweide bei der Tübinger Sternwarte finanzieren. Das sagte Winfried Kretschmann gestern bei einer Pressekonferenz anlässlich seines Besuches im Biotechnologiezentrum. "Damit wird Euer Durchhaltevermögen belohnt", sagte er zu Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.

Dieser hatte zuvor an die mageren Zeiten erinnert: Vor zehn Jahren standen nämlich große Flächen leer, die Städte Reutlingen und Tübingen, die sich hier mit ihrer gemeinsamen Technologie-Fördergesellschaft engagieren, mussten die Leerstände teuer zwischenfinanzieren. Die Lage hat sich jetzt ins Gegenteil verkehrt. Der Technologiepark boomt - gleichwohl die erfolgreichen Jung-Unternehmen noch das ein oder andere Jahr benötigen, um mit ihren Produkten in den Markt einzutreten.

Die Prognose aber, die ist sonnig. Was für die Kommunen trotzdem nicht bedeutet, dass sie sich jetzt finanziell ausruhen können. "Es sind weiterhin Zuschüsse notwendig. Aber zu dieser Verantwortung stehen wir gerne", betonte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer - auch im Namen der Stadt Reutlingen, die durch Finanzbürgermeister Peter Rist vertreten war.

Neben der Verbreitung guter Nachrichten nutzte Kretschmann den Besuch, um einerseits zu demonstrieren, dass sich die Landesregierung zur Bio-Technologie bekennt, andererseits, um sich in eben dieser Branche schlau zu machen und auch konkrete Hausaufgaben mitzunehmen, in dem Fall das Investitionsklima betreffend. "Das Land stellt hierfür einen Betrag von vier Millionen Euro bereit", sagte Kretschmann. "Ich habe mir sagen lassen, dass da die Größenordnung nicht ganz stimmt", berichtete er von seinen Erkenntnissen. In welchen Regionen sich finanzielles Engagement in Bio-Technologie bewegt, verdeutlichte der SAP-Gründer Dietmar Hopp, der sich als nur einer von zwei deutschen Investoren hier engagiert. Ursprünglich habe er mit einer Summe von deutlich unter 500 Millionen Euro kalkuliert, sagte er. Mittlerweile seien es knapp 800 Millionen Euro geworden, die er in 16 Start-ups in dieser Branche investiert hat, in der Hoffnung, dass aus diesen hoch riskanten Investments irgendwann wieder Geld zurückfließt. Summen, von denen Kretschmann "geschockt" war, wie er sagte. "Darum müssen wir uns jetzt ganz intensiv kümmern, wie wir in Zukunft das hinbekommen", versprach er.

Von den 16 Unternehmen, die Hopp finanziert, finden sich zwei in Tübingen - "zwei Perlen", so Hopp. Es handelt sich um die Immatics Biotechnologies GmbH, die derzeit 70 Mitarbeiter beschäftigt, und die Cure Vac GmbH mit 80 Mitarbeitern. Beide arbeiten in der Krebsforschung und entwickeln therapeutische Impfstoffe. Immatics hofft, bis in drei Jahren mit dem ersten Wirkstoff in den Markt eintreten zu können, bei Cure Vac wird es wohl noch sechs bis sieben Jahre dauern.

Die Cegat GmbH, die dritte Firma, die Kretschmann besichtigte, widmet sich der DNA-Sequenzierung. Mithilfe modernster Technologien werden erfolgreich genetische Krankheitsursachen diagnostiziert, unter anderem bei Demenz- und Stoffwechselerkrankungen.