Als Eningen im Juni 2016 von einem Unwetter heimgesucht wurde, waren die Folgen verheerend: Straßen und Keller im Zentrum wurden überflutet, in das Freibad rollte eine Lawine aus Schlamm und Geröll. So etwas soll in Zukunft besser vorhersagbar sein – und wenn es geht, irgendwie auch abzuschwächen.

Schon direkt nach dem Hochwasser von 2016 dokumentierte die Gemeinde, was passiert war: Höhe und auch Wege des Wassers wurden festgehalten, erste Gespräche mit Anliegern möglicher Rückhaltebecken geführt. Im Sommer 2017 beauftragte die Gemeinde dann das Ingenieurbüro Heberle aus Rottenburg damit, ein Hochwasser- und Starkregenmanagement zu erstellen.

Das Büro berechnete in einem ersten Schritt aufwendig, welche Flächen bei welcher Regenmenge wie stark überflutet werden und an welchen Stellen die Bäche über die Ufer treten können. Diese Karten sollen in Zukunft bei der Bewertung aller neuen Baugesuche herangezogen werden, so die Gemeindeverwaltung.

Dann wurden „kritische Objekte“ identifiziert: sprich kommunale wie auch private Gebäude, die besonders von neuen, starken Überflutungen betroffen sein können. Von diesen Gebäuden wurden insgesamt 50 Steckbriefe (mit den Gefahren) erstellt – und diese wurden an alle betroffenen Besitzer verteilt.

Seit einigen Tagen stehen nun auch die vier Risikokarten, die das Ingenieurbüro angefertigt hat, auf der Homepage der Gemeinde jedem zur Verfügung. In verschiedenen Blautönen ist dargestellt, wo das Wasser wie hoch stehen könnte. Mit Pfeilen in den drei Ampelfarben ist dargestellt, wo das Wasser wie schnell fließen kann. Ein roter Pfeil zeigt die Bereiche, in denen eine Fließgeschwindigkeit von mehr als zwei Metern pro Sekunde auftreten kann. „Da kann man schon aus dem Stand gerissen werden“, sagt Eningens Ortsbaumeister Rainer Klett.

Bauhof, Feuerwehr und Ortsbauamt arbeiten nun in puncto Hochwasserschutz eng zusammen. Die Feuerwehr hat die Steckbriefe der gefährdeten Gebäude erhalten, diese sollen in Zukunft im Ernstfall als „Laufkarten“ dienen. Gemeinsam haben die drei Institutionen in drei Workshops einen Hochwasser- und Starkregenalarm und -Einsatzplan erstellt.

Die Gemeinde hat ein Flutinformations- und Warnsystem (kurz: Fliwas) gekauft; dieses System steht nun ebenfalls den Mitarbeitern von Ortsbauamt, Feuerwehr und Bauhof zur Verfügung. Der Wasserstand wird an verschiedenen Stellen entlang der Gewässer gemessen, auch die Wetterstation Oberer und Unterer Lindenhof ist ins Programm eingebunden. Per SMS oder E-Mail werden Pegel- oder Unwetterwarnungen dann an die jeweils Verantwortlichen gesendet. Zum einen soll das „Fliwas“ bei der besseren Überwachung der Wassersituation an den Bächen helfen, zum anderen soll so aber auch die schnellere Reaktion im Unwetterfall ermöglicht werden.

In einem letzten Schritt hat das Ingenieurbüro Heberle mittel- und langfristige Maßnahmen erarbeitet, mit denen Eningens Bachabschnitte (hochwasser-)sicherer gemacht werden sollen. Diese wurden gestern Abend im Gemeinderat vorgestellt.

Dazu gehören diverse Neubauten von Brücken und Stegen entlang der Bäche, die Optimierung von Einlaufbauwerken, aber auch Rückhalte- und Auffangbecken. Inwiefern diese Baumaßnahmen gefördert werden, ist noch unklar. Kostenpunkt: rund sechs Millionen Euro.

Rückblick auf das letzte, große Hochwasser


Es war ein Freitagabend, genauer der 26. Juni 2016, als in Eningen, Pfullingen und Teilen von Reutlingen enorme Wassermassen niedergingen. Eningen wurde schwer getroffen, rund 80 Liter Regen gingen auf den Quadratmeter nieder. Autos, die in der Tiefgarage Albstraße/Hauptstraße geparkt waren, versanken im Wasser. Straßen und Keller waren überflutet, das Freibad wurde unter Schlamm begraben und rund 80 Häuser in Eningen beschädigt.

Rund 500 meist ehrenamtliche Feuerwehrmänner aus dem halben Landkreis waren dann am darauffolgenden Wochenende im Hochwassergebiet im Einsatz, viele von ihnen 24 bis 36 Stunden. Sie pumpten das Wasser ab, dann reinigten sie die Straßen. In Eningen säuberten freiwillige Helfer das Freibad vom Schlamm. kam