Ausschlaggebend waren viele Punkte: auch die Opulenz der Produktion, das Bühnenbild, das Licht – aber vor allem die authentische schauspielerische Leistung von Joachim Ruczynski: Sieger beim nunmehr siebten Monospektakel, dem Solofestival des Tonne-Theaters, wurde der Beitrag des Landestheaters Detmold – Oliver Bukowskis „Der Heiler“.

Von den sieben zur Auswahl stehenden Gastspielen bei Monospektakel bestritt der „Der Heiler“ das Finale jetzt am Sonntagabend. Danach hatte die sechsköpfige Jury zu entscheiden – keine leichte Aufgabe für Thomas Lambeck, Rainer Hanko, Christoph Hoffmann-Kuhnt,  Jana Riedel, Lena Hilf und  Seyyah Inal.

„Nach langer intensiver Diskussion“, so vermeldet die Dramaturgin Karen Schultze, entschied sich die Jury für den Detmolder Beitrag „Der Heiler“. Dafür sprach zum einen die Beurteilung der schauspielerischen Leistung, die laut Jury „sehr authentisch, bildhaft“ und „in die Wirklichkeit gesetzt“ wirkte, so dass man die Situation sehr klar vor Augen hatte.

Daneben, so Schultze, hob die Jury besonders auch „die Opulenz“ der Inszenierung hervor, die mit dem „aufwändigen Bühnenbild“, „genialer Lichtführung“ mit intensiver Wirkung und „tollen, symbolträchtigen Requisiten“ überzeugte. Positiv erwähnten die Juroren auch  „retardierende ruhige Momente“ wie auch „die authentische Umsetzung des Stoffs“. Die beim Monospektakel-Festival zu gewinnende Trophäe, die „Tonnella“, konnte somit dem Schauspieler Joachim Ruczynski noch vor Ort überreicht werden. Der Sieg der Detmolder Produktion wurde dann zusammen mit der Crew, zu der auch Regisseurin Jessica Sonia Cremer zählte, gefeiert. Schwer tat sich die Jury mit dem zweiten Platz. Denn es hatte sich „ein Patt aus vier gleichermaßen auf den zweiten Platz gesetzten Produktionen“ ergeben. So wurde über die weitere Reihenfolge keine wirkliche Entscheidung getroffen. Doch diese Schwierigkeit, so Schultze, sprach aber auch für „die ähnlich hohe Qualität der eingeladenen Produktionen“, die eine Bewertung erschwerte.

In einem weiteren Punkt war sich die Jury dann aber einig: Die Sichtung der insgesamt sieben Produktionen des zweiwöchigen Festivals sei „eine anstrengende, fordernde Aufgabe“ gewesen, die aber auch „viel Spaß“ gemacht habe. Besonders beeindruckend sei wieder das „breite Spektrum“ gewesen.

Alle Monospektakel-Gewinner bisher


Übersicht Hier die bisherigen Gewinner beim Festival Monospektakel der Tonne auf einen Blick:
⬛ 2011 „Mit dem Kopf schlage ich Nägel in den Boden“ von Eric Bogosian mit Tom Gerber (Karlsruhe);
⬛ 2012 „Effi Briest“ nach Theodor Fontane, Bühnenfassung mit Chrysi Taoussanis (Reutlingen);
⬛ 2013 „Braveheart“ mit Bernhard Dechant (Wien);
⬛ 2014 „Das Houdini-Gen“ mit Felix Knopp (Hamburg);
⬛ 2015 „Ben X“ mit Jonas Vietzke (Hannover);
⬛ 2016 „Drink.Think.Love – Platons Gastmahl“ mit Michael Ransburg (Stuttgart);
⬛ 2017 „Der Heiler“ mit Joachim Ryczinski (Detmold).

Ein-Personen-Stücke Bis 2012 gab es auch am Theaterdiscounter Berlin ein Festival der Monologe. Derzeit aber dürfte das Tonne-Monospektakel bundesweit einmalig sein. op