Reutlingen Der Drang zurück zur Natur

Norbert Haiß und Karl-Heinz Baumann (von rechts) wissen so ziemlich alles über Pilze und lassen von nun an jeden Sonntag im Naturkundemuseum Pilzsammler an ihrem Wissen teilhaben. Foto: Norbert Leister
Norbert Haiß und Karl-Heinz Baumann (von rechts) wissen so ziemlich alles über Pilze und lassen von nun an jeden Sonntag im Naturkundemuseum Pilzsammler an ihrem Wissen teilhaben. Foto: Norbert Leister
NORBERT LEISTER 26.08.2013
Egal, ob sie Täubling, Bohrling oder Röhrling heißen - die beiden geprüften Fachleute Haiß und Baumann wissen fast alles über Pilze. Ab sofort stehen sie wieder jeden Sonntag Pilzsammlern Rede und Antwort.

Bei vielen Pilzen reicht es einfach nicht aus, sie auf einer Fotografie zu sehen, da sind sich die geprüften Pilzkenner Karl-Heinz Baumann und Norbert Haiß einig. Eeinige müsse man in der Hand halten, ihre Lamellen betrachten und über sie hinwegstreichen. Und manche müsse man schneiden und dann daran riechen. Erstaunliche Dinge treten da hin und wieder zutage: Es gibt Pilze, die riechen nach Hering, andere nach Aprikose.

Und von anderen Pilzen lässt man von vornherein am besten die Finger, wie Haiß betont. "Täublinge machen eigentlich grundsätzlich keine Freude." Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, betonen die Pilzfachleute gestern bei der ersten Beratung in diesem Jahr.

An den kommenden Sonntagen werden sie erneut im Naturkundemuseum im 2. Stockwerk vor Ort sein und den nicht ganz so kundigen Pilzsammlern Rede und Antwort stehen. Beziehungsweise die gefunden Werke ganz genau ins Visier nehmen, den Stil abbrechen, die Hüte einschneiden und weitere Erkennungsmerkmale zurate ziehen. Schon im Juni und Juli hatte nach den Worten von Stammkunde Norbert Breuninger die Pilzsaison begonnen. Aber aufgrund der extremen Trockenheit gab es laut Haiß fast nichts für die Pilzfreunde zu finden.

Selbst jetzt war Breuninger noch auf nichts gestoßen - außer auf Steinpilze. Andere Sammler hatten gestern jede Menge Exemplare mitgebracht. Wie auch einen Riesenrötling, "daran ist vergangenes Jahr eine ganze Familie in Böblingen erkrankt", berichtete Baumann. Ausgedehnte Fachgespräche entwickelten sich zwischen den Pilzfachleuten und den zumeist ebenfalls ziemlich kundigen Pilzsammlern. Von so gewöhnlichen Arten wie dem Pfifferling war da gar nicht die Rede, dafür aber etwa vom Schönfußröhrling (giftig) oder vom kleinen schuppigen Bohrling, der auch Goethe-Pilz genannt werde. Oder auch vom wurzelnden Schleimrübling, der zwar nicht giftig sei, aber zum Verzehr auch nicht gerade empfehlenswert.

Die Saison hat jetzt gerade begonnen, der Regen wird dafür sorgen, dass nach der Hitze die Pilze auch gut sprießen. "Man sagt ja, dass im Herbst, also im Oktober, die Hauptsammelzeit sei, das stimmt aber gar nicht, denn da ist das meiste schon vorbei", sagte Norbert Breuninger.

Er hatte auch so manche Anekdote auf Lager. Wie etwa vom Fliegenpilz, der den Germanen zu ihrem rücksichtslosen Namen der "Berserker" verholfen habe. "Wenn die Germanen in den Kampf zogen und die halluzinogene Wirkung der Fliegenpilze nachließ, dann wurden sie ziemlich brutal."

Ob denn jüngere Menschen heute überhaupt noch ein Interesse an Pilzen zeigen? "Natürlich", sagen Baumann und Haiß fast schon erstaunt. "Wenn Kinder mal mit den Eltern gesammelt haben, kommt das Interesse irgendwann zurück." Das sei aber doch gerade in der heutigen Zeit nicht weiter verwunderlich: "Das ist der Drang zurück zur Natur", weiß Baumann.