Die Stimmung unter den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie (M+E) ist schlecht: Nach zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit schrumpfender Produktion befinde sich die M+E-Industrie in der Rezession, stellt Reiner Thede als Vorsitzender der Südwestmetall-Bezirksgruppe Reutlingen fest. Die vom Arbeitgeberverband in Auftrag gegebene Konjunkturumfrage unter den Mitgliedsbetrieben lege nahe, dass mit keiner raschen Besserung zu rechnen sei.

Einbruch bei der Auftragslage

So hat sich in den vergangenen Monaten bei fast 90 Prozent der befragten 42 M+E-Unternehmen die Auftragslage verschlechtert. Gerade einmal 4,8 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung. Die Erwartungen für das kommende Jahr sehen keineswegs rosiger aus: 72,5 Prozent der Befragten erwarten einen weiteren Auftragsrückgang. 25 Prozent erwarten ein ähnliches Niveau wie 2019 und nur 2,5 Prozent setzen auf bessere Geschäfte.

Somit ist es auch keine Überraschung, dass mehr als die Hälfte von einem Umsatzrückgang ausgeht. Immerhin ein Viertel kann den Umsatz steigern. „Bei vielen Unternehmen ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht“, zeigt sich Thede überzeugt.

Was die Umsatzerwartungen für das kommende Jahr angeht, sind die befragten Unternehmen noch einen Deut skeptischer: Fast zwei Drittel erwarten eine weitere Verschlechterung, was die Umsatzerlöse angeht. Vor diesem Hintergrund planen 33 der befragten 42 Unternehmen, die Zahl ihrer Beschäftigten in den kommenden Monaten zu verringern. Ein Drittel der Betriebe plant mit Kurzarbeit im nächsten halben Jahr.

Appell an Gewerkschaft

Mit Blick auf den deutlichen Rückgang bei Aufträgen und Produktion appelliert Südwestmetall-Bezirksgeschäftsführer Dr. Jan Vetter an die IG Metall, in der kommenden Tarifrunde Maß zu halten. Nur so könnten die M+E-Unternehmen die konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen wie die massiven Investitionen in Digitalisierung oder umweltfreundliche Antriebe stemmen.

Mehr Geld für Infrastruktur

Doch nicht nur die Gewerkschaft, auch die Politik sieht Thede in der Pflicht. Ihre Aufgabe sei, alles daran zu setzen, den heimischen Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähiger zu machen. „Statt immer mehr Geld für den sozialen Sektor brauchen wir jetzt dringend mehr Investitionen in Infrastrukturen, Daten und Energienetze“, unterstrich der Bezirksgruppenchef. Daneben forderte Thede vereinfachte Vergabeverfahren, mehr Baukapazitäten und Investitionsanreize für Unternehmen.

Eine weitere Forderung der M+E-Arbeitgeber zielt auf die Flexiblisierung der gesetzlichen Arbeitszeitregelungen ab, die in Deutschland strenger seien, als es die EU-Richtlinie verlange. Dabei gehe es den Arbeitgebern nicht grundsätzlich um längere Arbeitszeiten für ihre Beschäftigten. So sollten die Arbeitnehmer „innerhalb der vereinbarten Gesamtarbeitszeit künftig flexibler und bedarfsgerechter eingesetzt“ werden können.

Werkzeugkasten für Kurzarbeit

Lob erhielt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil für seine Ankündigung, dass der erweiterte Kurzarbeit-Werkzeugkasten rasch bereitstehen soll, falls sich die Konjunkturkrise abrupt verschärfe. Aus Sicht von Thede ist wichtig, dass der Bundestag rasch den Arbeitsminister ermächtigt, die für den Krisenregelungen vorgesehenen Sonderregelungen notfalls schnell und unkompliziert per Ministerverfügung einführen zu können.

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