Reutlingen/Tübingen Denkt an was Schönes!

Von oben betrachtet: SinfoNeA, ein neues Orchester in der Region, übt für das erste öffentliche Konzert am 3. Mai.
Von oben betrachtet: SinfoNeA, ein neues Orchester in der Region, übt für das erste öffentliche Konzert am 3. Mai. © Foto: Susanne Eckstein
SUSANNE ECKSTEIN 02.04.2015
Kaum zu glauben: Die Region besitzt seit kurzem ein neues Laien-Sinfonieorchester. Im Januar hat SinfoNeA die Arbeit aufgenommen, geleitet wird es derzeit von Rainer M. Schmid. Erster Auftritt ist am 3. Mai.

Dass es eine ziemlich verrückte Idee war, ein komplettes Sinfonieorchester aus dem Boden zu stampfen, wurde den Initiatoren erst hinterher klar. Umso glücklicher sind jetzt alle, dass es geklappt hat, dass sie nun als SinfoNeA (Sinfonieorchester Neckar-Alb) zusammenspielen.

Das Orchester ist als Verein eingetragen, besitzt Satzung und Vorstand und probt regelmäßig im Bürger- und Kulturhaus beim Klosterhof in Kusterdingen. Zur Vorsitzenden wurde Fabienne Christen gewählt, die unserer Zeitung über die Anfänge und die Pläne des Orchesters berichtete.

Auslösendes Moment war, dass einige Musiker, die zuvor in Jugend- und Studentenorchestern der Region mitgewirkt hatten, ein Orchester für Erwachsene vermissten. Kein Streichorchester mit angehängter Bläsersektion, sondern eins, das von vornherein in voller sinfonischer Besetzung musiziert. Ein paar ergriffen die Initiative, fragten herum und lösten überall spontane Begeisterung aus, so dass schnell eine große Truppe beisammen war.

Manche kamen aus der Kammermusik, ältere Musizierende machten Platz für Jüngere, und einige hatten nach längerer Pause wieder Lust auf Sinfonik. Altersmäßig ist das neue Orchester bunt gemischt, zwischen jüngstem und ältestem Mitglied liegen 50 Jahre. Als Solisten sollen junge Musiker engagiert werden. Um sinnvoll zu planen, befasste sich ein Gremium mit der Marktsituation. Würden sich überhaupt Zuhörer finden? Und wo? "Wir wollen nicht nur an den üblichen Orten spielen, sondern neue Auftrittsmöglichkeiten erkunden", betont Fabienne Christen.

"Fabrikhallen zum Beispiel wären interessant, die Alb haben wir sowieso im Blick. Wir wollen auch dort spielen, wo sonst kein Sinfonieorchester hinkommt, und dabei ein neues Publikum ansprechen."

Dies soll nicht nur mit freiem Eintritt (auf Spendenbasis) und ungewohntem Ambiente gelingen, sondern vor allem mit einer das Ohr direkt ansprechenden Art des Musizierens, "so, wie die Musik es will", sagt Fabienne Christen. Für die schwierige Anfangsphase, für die ersten beiden Projekte, konnte das Orchester gleich seinen Wunsch-Dirigenten engagieren: Rainer M. Schmid, der als langjähriger Leiter der Jungen Sinfonie Reutlingen viel Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringt. "Herr Schmid ist da ein absoluter Vollprofi", sagt die Vorsitzende, die als Hornistin im Orchester mitwirkt. Hinzu kommt, dass hier keine formbaren Schüler zusammenfinden, sondern Erwachsene, die eine ganz verschiedenartige musikalische Sozialisierung mitbringen. Aber eins eint sie alle: "Sie brennen für die Musik", sagt Christen.

Und für das klassisch-romantische Repertoire, das gern durch moderne Werke ergänzt wird. Derzeit probt SinfonNeA die Lustspiel-Ouvertüre von Ferrucio Busoni, das Beethoven-Violinkonzert mit der Christel-Guthörle-Stipendiatin Eva Schall als Solistin und die 3. Sinfonie von Robert Schumann, die "Rheinische".

Dabei gibt Rainer M. Schmid nicht nur sachliche Anweisungen, sondern lockt auch romantisches Gefühl in den Bogenstrich: "Denkt an was Schönes in Grün mit Rosa!"

Nicht nur beim Musizieren ist es wichtig, vorwärts zu gehen. Auch die SinfonNeA-Konzertplanung blickt umsichtig voraus: Die Termine wurden auf Mai/Juni und November/Dezember gelegt, um möglichst nicht mit anderen Orchestern zu konkurrieren. Dieses Jahr finden am 3. und 10. Mai die Debüt-Konzerte in Nürtingen und Kusterdingen statt - Gelegenheit, SinfoNeA zum ersten Mal öffentlich zu hören.

Orchesterlandschaft - Geschichte der SinfoNeA

Region Ein Blick auf die Orchesterlandschaft zeigt: Neben dem Profi-Klangkörper der Region, der Württembergischen Philharmonie Reutlingen, gibt es im Kreis Reutlingen die Junge Sinfonie (plus Nachwuchsformation) und Orchester in Reutlingen, Pfullingen, Metzingen und Münsingen. Hinzu kommen in Tübingen Uni-, Studentenorchester und die Sinfonietta sowie in beiden Kreisen zahlreiche Musikschul- und Schulorchester.

SinfoNeA wurde 2014 gegründet, "um erwachsenen Musikern nach ihrer musikalisch sehr intensiven Zeit in Jugend- und Studentenorchestern die Möglichkeit zu geben, weiterhin gemeinsam Musik zu machen und auch die großen sinfonischen Kompositionen interpretieren zu können". Geprobt wird seit Januar 2015. Die Musiker stammen aus der Region Neckar-Alb, aus Tübingen, Reutlingen, Pfullingen, Mössingen und Hechingen.· 3. Mai Nürtingen

· 10. Mai Kusterdingen

· 28. November Hechingen

· 29. November Tübingen.

OP