Reutlingen Den Vogel abgeschossen

Auf den Papagoienvogel schießen die Schützen in Eckernförde, wenn sie ihren Meister suchen.
Auf den Papagoienvogel schießen die Schützen in Eckernförde, wenn sie ihren Meister suchen. © Foto: Privat
Reutlingen / SWP 11.07.2014
Traditionell besucht die Schützengilde Reutlingen zu Pfingsten befreundete Gilden. Mit einer Abordung unter Leitung von EOSM Dr. Harald Barth und 1. BSM Wolfram E. Mewes ging es nach Eckernförde.

Besucht wurde zunächst die Gelbe Westengilde 1570 e.V. in Eckernförde. Traditionell findet am Pfingstmontag die Gildeversammlung statt, bei der "Verfehlungen" bestraft werden.

Gängiges Strafmaß ist dabei die "Tonne Bier". Dies hört sich zunächst martialisch an, relativiert sich aber, wenn der Gegenwert von 50 Euro bekannt ist. Diese Gerichtsverhandlungen, bei der Ankläger und Richter dieselbe Person sind, finden unter großem Hallo statt und sind sehr unterhaltsam.

Am Dienstag nach Pfingsten wird traditionell auf den Papagoienvogel geschossen. Dieser ist aus Erlenholz, 1,65 Meter hoch, mit einer Flügelspannweite von 1,63 Meter, bunt bemalt und mit Metallmanschetten besetzt. Befestigt wird dieser an einer Stange und auf eine Höhe von rund 20 Meter gebracht.

Als Vorlage für den Papagoy diente offensichtlich der Halsbandsittich, der seit der Antike in Europa bekannt war und insbesondere im Mittelalter seit dem 13. Jahrhundert häufig abgebildet wurde. So gehen die ersten urkundlich erwähnten Schießen auf das Jahr 1449 zurück.

Dieses Papagoienvogelschießen ist vergleichbar mit dem bekannteren Adlerschießen hierzulande, bei dem der Schützenkönig, im Norden Majestät genannt, ermittelt wird.

Majestät wurde in diesem Jahr nach 478 Schüssen bei strahlendem Wetter Carsten Höneise, genannt der "Sichere", so sein Beiname während der einjährigen Regentschaft.

Da die Termine dieses Jahr günstig lagen, wurde auch die Schützengilde Uelzen 1270 e.V. besucht. Auch hier wurde ein Königsschießen veranstaltet, allerdings auf eine Ringscheibe mit dem Kleinkalibergewehr, stehend freihändig auf eine Entfernung von 100 Metern.

Hier waren Könner gefragt, und so wurde mit einem 159 Teiler, also einer sehr guten Zehn, Volker Eidinger der Schützenkönig. Nach der Proklamation zum Schützenkönig und einem Ummarsch durch die Stadt Uelzen zum Rathaus wurde dieser schöne Tag durch zwei tolle Höhenfeuerwerke abgeschlossen.

Beide Gilden werden den Reutlinger Schützen mit einer größeren Delegation zum Sommerschießen und dem Reutlinger Schwörtag am Wochenende einen Gegenbesuch abstatten.

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