Einsatzübung Den Schienenbus anheben

Reutlingen / swp 06.07.2018

Stolze 24 Tonnen bringt der Schienenbus mit der Produktionsnummer „797 502-2“ auf die Waage. Der Motortriebwagen mit der markanten roten Farbe  war einst eine Sonderanfertigung, eigens mit einem Zahnrad ausgestattet, um die Neigungen der Strecke der Echazbahn vom Reutlinger Hauptbahnhof nach Honau zu bewältigen.

Heute wartet das alte Schienenfahrzeug mit vandalismussicher verschweißten Fenstern auf seine Wiederherstellung durch die rührigen Mitglieder des Vereins Zahnradbahn Honau-Lichtenstein, die bekanntlich bereits die alte Zahnraddampflok „97 501“ erfolgreich wieder in Schuss gebracht haben. Am Dienstagabend stand indes der „Rote Brummer“ im Mittelpunkt: Bei einer Einsatzübung der Abteilung Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr Reutlingen.

Das von Einsatzleiter Christian Wittel erdachte Szenario: Eine Person wollte die Gleise überqueren und wurde dabei vom Schienenbus erfasst. In der Nähe der Vorderachse des Zuges wurde das durch eine Puppe dargestellte Opfer eingeklemmt. Weil die Berufsfeuerwehr bereits bei einem Verkehrsunfall gebunden war, rückte der Rüstzug der Abteilung Stadtmitte mit zwei Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeugen und einem Wechselladerfahrzeug mit dem Abrollbehälter Rüst/Kran aus. Auf letzterem sind zahlreiche Einsatzmittel zur technischen Rettung verlastet, die auf den normalen Löschfahrzeugen keinen Platz finden.

Während sich der Angriffstrupp des ersteintreffenden Fahrzeugs mit Erste-Hilfe-Material zum Patienten aufmachte, forderte Christian Wittel den Rettungssatz Bahn nach, welcher mit dem Gerätewagen-Transport zur Einsatzstelle auf dem ZHL-Gelände am Westbahnhof geschickt wurde. Dieser Rettungssatz besteht unter anderem aus zwei Loren, die den Transport von Ausrüstung auf der Schiene möglich machen. Denn, so das Szenario, die Einsatzstelle lag vom Bahnhof entfernt auf freier Strecke, Mannschaft und Material musste entlang der vom Notfallmanager der Bahn freigegebenen Strecke zum Unglücksort kommen.

Mit vereinten Kräften

Nachdem der Zug mit Spezialgerät gegen ein Wegrollen gesichert war, wurde der Triebwagen mit schweren Holzbalken unterbaut. Andere Trupps richteten parallel pneumatische Hebekissen her, die mittels Pressluft den 24-Tonnen-Zug von beiden Seiten der Gleise gleichzeitig anheben sollten, möglichst sanft, ohne das Opfer weiter zu schädigen. Ein beeindruckendes Manöver, das nach kurzer Zeit gelang: Mit vereinten Kräften konnten vier Feuerwehrleute die Puppe unter dem Zug hervorziehen. Auf einem Rettungsbrett wurde die Puppe nach einer anschließenden Untersuchung gesichert und per Schleifkorbtrage und Lore zum Rettungsdienst transportiert. Während die freiwilligen Feuerwehrleute intensiv arbeiteten, um den Zugunfall zu bewältigen, schaute einer besonders genau hin: Ralf Stoll, der Vorsitzende der Freunde der Zahnradbahn Honau-Lichtenstein.

Schließlich kannte er noch den ein oder anderen Kameraden, war Stoll doch früher selbst stellvertretender Abteilungskommandant bei der Abteilung Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte der Feuerwehr Reutlingen.

Zwei Einsatzübungen zur gleichen Zeit

In der Abteilung Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr tun rund 70 Einsatzkräfte ihren Dienst, der immer dann gefragt ist, wenn die Kräfte der Berufsfeuerwehr nicht ausreichen, oder wenn mehrere Einsätze gleichzeitig bewältigt werden müssen. Um trainieren zu können, sind die Freiwilligen in zwei Löschzügen organisiert. Während Zug I den Zugunfall abarbeitete, hielt der Zug II eine Brandeinsatzübung statt. Auf dem Gelände der Firma Xerium wurde ein Brand mit drei vermissten Personen simuliert. ath

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