Commerzbank Den Rohstoff des 21. Jahrhunderts nutzen

Patrick Greuter, Reutlinger Niederlassungsleiter Firmenkunden (rechts), und der Vorstandschef der Datagroup SE, Max H. Schaber, präsentieren die neue Mittelstandsstudie..
Patrick Greuter, Reutlinger Niederlassungsleiter Firmenkunden (rechts), und der Vorstandschef der Datagroup SE, Max H. Schaber, präsentieren die neue Mittelstandsstudie.. © Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / Von Ralph Bausinger 06.09.2018

Daten gelten gemeinhin als der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Für ihre Studie „Big Data, Smart Data – Lost Data?“ hat die Commerzbank bundesweit über 2000 mittelständische Unternehmen (darunter 287 in Baden-Württemberg) befragt, die einen Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro oder mehr haben. Patrick Greuter, Niederlassungsleiter Firmenkunden der Commerzbank Reutlingen, stellte dieser Tage die Ergebnisse der Studie vor. Unterstützt wurde er dabei von Max H. Schaber, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender der Datagroup SE mit Sitz in Pliezhausen.

„Daten sammeln allein ist kein Wert an sich, betont Greuter. „Unsere Studie zeigt, dass viele Unternehmen im Mittelstand kein Erkenntnisproblem, sondern ein Nutzungsproblem haben.“ Aufgrund ihrer internen Strukturen, aber auch mit Blick auf die Führungskultur seien sie oft noch nicht bereit oder in der Lage, sinnvoll genutzte Daten aus dem riesigen Potenzial von Big Data abzuleiten. „Es braucht einen Weckruf, wenn der deutsche Mittelstand hier im internationalen Vergleich nicht ins Hintertreffen geraten will“, unterstreicht der Commerzbank-Niederlassungsleiter.

Die Umfrage hat ergeben, dass über drei Viertel der befragten  Unternehmen versuchen, Daten systematisch zu nutzen, beispielsweise, um daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen. Allerdings handelt es sich dabei überwiegend um (firmen-) interne Daten. Fragt man die Unternehmer inwiefern sie sich bemühen, externe Daten zu erfassen und diese im Hinblick auf Kunden und Markt auszuwerten, sinken die Werte deutlich ab. In Baden-Württemberg setzen gerade einmal 45 Prozent der befragten Unternehmen gewonnen Daten ein, um Angebote individuelle auf den Kunden zuzuschneiden. Gerade einmal vier von zehn Firmen verwenden sie für eine dynamische Preisgestaltung. „Unsere Mittelstandsstudie zeigt, dass in Deutschland die in Big Data-Analysen steckenden Vorteile, die technologische Vorreiter wie Google oder Amazon  groß gemacht haben, noch bei weitem nicht ausgeschöpft sind“, konstatiert Greuter.

Wer erfolgreich Daten nutzen will, benötigt aus Schaber Sicht  zwei Kernkompetenzen: Erstens geht es darum, die riesigen Datenmengen zu speichern und zu strukturieren. Zweitens wird eine Methodenkompetenz benötigt, um daraus Geschäftsmodelle zu entwickeln. Laut Studie wird die Big-Data erst dann zu einem erfolgreichen Modell, wenn die Auswertung abteilungsübergreifend und durch interne, aber auch externe Spezialisten erfolgt.

Wichtig sei auch, Mitarbeiter zu schulen, betont der Datagroup-Chef, der auch überzeugt ist, dass die Digitalisierung mittelfristig Arbeitsplätze schaffen wird. Sein Unternehmen habe enorme Schwierigkeiten, qualifizierte Leute zu finden. „Wir könnten 200 Mitarbeiter einstellen.“ Wichtig aus seiner Sicht ist auch, künstliche Intelligenz nicht zu verteufeln: „KI ist nicht das schwarze, schlimme Wesen, sondern die logische Fortentwicklung von Fachwissen und Algorhythmen“. Was die technische Bedrohung angeht, verweisen die Unternehmen in der Umfrage vor allem auf auf Trojaner und Viren. 17 Prozent geben an, schon einmal geschädigt worden zu sein, 72 fühlen sich dadurch bedroht. Die Furcht vor Hackerangriffen ist laut Umfrage höher als die tatsächliche Schädigung. Gezielte Sabotage, beispielsweise durch Wettbewerber, befürchten zwei Drittel der befragten Unternehmen nicht.

Dennoch warnt Schaber davor, sich in Sicherheit zu wiegen: „Sicher sind 80 Prozent aller Firmen nicht so geschützt, dass sie einem Angriff standhalten könnten.“ Er wisse, dass in vielen IT-Bereichen Angriffe vorbereitet würden. Daher sei es wichtig, so genannte „Bewegungsmelder“ im Computer zu installieren.

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So viele Stellen muss laut dem Datagroup-Vorstandsvorsitzenden Max H. Schaber ein Passwort aufweisen, damit es nicht mehr wirtschaftlich gehackt werden kann.

Big Data und Smart Data

Als Big Data werden sehr großen Datenmengen bezeichnet, die aus unterschiedlichen Quellen stammen können. Smart Data sind jene aus Big Data gewonnenen Daten, die dem Unternehmen einen Nutzen bringen sollen.

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