Radverkehr Den Plänen müssen jetzt Taten folgen

Noch gibt es freie Plätze an der Fahrradabstellanlage auf dem Platz vor dem Tübinger Tor. Das könnte sich allerdings mit der Umsetzung des Masterplans Radverkehr ändern.
Noch gibt es freie Plätze an der Fahrradabstellanlage auf dem Platz vor dem Tübinger Tor. Das könnte sich allerdings mit der Umsetzung des Masterplans Radverkehr ändern. © Foto: Ralph Bausinger
Reutlingen / Von Ralph Bausinger 19.07.2018

Die Vorgabe ist ambitioniert: Bis 2030 soll der Anteil der Radfahrer am innerstädtischen Modal-Split“ (Verteilung des Verkehrsaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel) von derzeit 15 auf 25 Prozent anwachsen. Das Mittel dafür soll der Masterplan Radverkehr sein, den der Gemeinderat gestern Abend  nach einstündiger Debatte einstimmig billigte.

Das über 100 Seiten umfassende Werk wird, wie es im Beschlussvorschlag heißt, mit seinen „Systembausteinen Infrastruktur, Service, Information und Kommunikation Grundlage für alle künftigen Planungen zur Förderung des Radverkehrs“ in der Achalmstadt. Es beinhaltet, wie berichtet, 154 konkrete Maßnahmen, von denen einige wie beispielsweise die Umgestaltung der Charlottenstraße zur Fahrradstraße bereits umgesetzt werden. „Alles auf einmal geht aber nicht“, sagte Stadtplaner Stefan Dvorak.

Eine Aussage, die niemand im Gremium bezweifelte. Allerdings  ging den Grünen der Beschlussvorschlag nicht weit genug. Sie forderten in einem Ergänzungsantrag die Verwaltung auf, bis Ende 2018 auf der Grundlage des Masterplans einen „Umsetzungsplan einschließlich Prioritätenliste und Zeitplan zu erstellen und dem Gemeinderat vorzulegen“, wie Holger Bergmann sagte. Das sei ein elementarer Punkt, um nicht nur einen Plan für die Schublade zu beschließen. Weiter plädierte der Grünen-Stadtrat dafür, ein Netz von fahrradbevorrechtigten Nebenstraßen zu entwickeln und Schnellfahrstraßen einzurichten.

Verwaltung und Gemeinderat  müssten schauen, möglichst allen Radfahrern in Reutlingen gerecht zu werden und nicht bestimmte Gruppen zu bevorzugen, sagte Edeltraut Stiedl. Aus Sicht der SPD-Stadträtin ist es wichtig, die Hauptachsen und Schulwege auszubauen: Zum Schwur komme es bei den Haushaltsberatungen. „Wir reden nicht nur, wir radeln und stimmen für genügend Geld im Haushalt“, kündigte Stiedl an.

Der Masterplan sei ein „wichtiger Baustein für den Luftreinhalteplan“, betonte die CDU-Stadträtin Gabriele Gaiser. Ihre Fraktion sei für sichere Radwege. Ein wichtiger Punkt sei auch die Ausweisung von Fahrradschnellwegen; zudem würden Servicestationen und sichere Abstellmöglichkeiten für die teuren Räder gebraucht. Die Öffnung von Einbahnstraßen für Radler bewertete Gaiser als schwierig und kritisch. Sicher sei jedoch, dass Beschilderung allein nicht ausreiche.

Für Ute Beckmann (WiR) ist der „Masterplan ohne einen Umsetzungsbeschluss nichts wert“. Folgerichtig stimmte sie für den Antrag der Grünen.

Regine Vohrer sah dies völlig anders: Ein Umsetzungskonzept würde nur Kräfte in der Verwaltung binden“, argumentierte die FDP-Stadträtin. Dem Masterplan steht ihre Fraktion positiv gegenüber: Es sei gut, dass eine wirkliche Infrastruktur für Radfahrer gebildet werde. Allerdings habe sie Bedenken, was die Sicherheit der Fußgänger angehe.

Auch aus Sicht der Freien Wähler ist eine zügige Priorisierung wichtig, wie Georg Leitenberger betonte. Allerdings will die FWV – im Gegensatz zu den Grünen – die im September startenden Beratungen zum Doppelhaushalt 2019/20 abwarten. Zustimmung für das ambitionierte Projekt gab auch bei der Linken: Stadtrat Rüdiger Weckmann merkte an, dass in der Stadt ein System öffentlicher Leihrädern fehle.

Aus Sicht von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch ist die  Verabschiedung des Masterplans ein „Grundsatzbeschluss, dem nun Taten folgen müssen“. Und sie sagte zu, mit der Haushaltseinbringung im September eine Prioritätenliste vorzulegen. Was allerdings den Grünen nicht ausreichte, weil das Umsetzungskonzept weit über den Zeitraum eines Doppelhaushalts von zwei Jahren hinausgehen müsse. Letzten Endes erhielt ihr Antrag acht Ja-Stimmen, die große Mehrheit des Gremiums votierte dagegen. Die Haushaltsberatungen werden zeigen, welche Projekte zunächst realisiert werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel