Ausstellung Den Alltag mit wachem Auge dokumentiert

Die Ausstellung im Heimatmuseum zeigt neben den Fotografien auch Walter Kleinfeldts Equipment.
Die Ausstellung im Heimatmuseum zeigt neben den Fotografien auch Walter Kleinfeldts Equipment. © Foto: Jürgen Herdin
Reutlingen / Jürgen Herdin 21.07.2018

Foto Kleinfeldt, Mühlstraße, Tübingen“: Da war doch mal was? Und heute gibt es das Geschäft immer noch. Das „Photohandels-Haus“ in Reutlingen wurde 1920 eröffnet. Walter Kleinfeldt (1899 bis 1945) hatte sich das Fotografieren selbst beigebracht – und die Nachwelt dankt es ihm, dass er sich auch als Heimatchronist sah. Und so entstanden auch zahlreiche Fotografien von Reutlingen und Umgebung.

Nun zeigt das Heimatmuseum von heute, Samstag, bis 14. Oktober die Ausstellung „Heimat zwischen Demokratie und Diktatur“. Kurator der facettenreichen Bilderschau ist der Tübinger Kultur- und Medienwissenschaftlers Dr. Ulrich Hägele. Der ist auch ein ausgewiesener Kenner der Fotografiegeschichte und hat eine Auswahl von Kleinfeldt-Fotografien von 1920 bis 1945 im zweiten Obergeschoss des Museums zusammengestellt.

Walter Kleinfeldt, der 1928 das Fotogeschäft in der Mühlstraße eröffnete, war als Bildreporter – und auch für die Tagespresse tätig. Sein Sohn Volkmar (84), der gestern bei der Präsentation der Schau ebenso dabei war wie Museumsleiter Dr. Werner Ströbele und seine Stellvertreterin Dr. Martina Schröder, führte den Betrieb nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich weiter, vergrößerte diesen – und übergab schließlich an den Enkel des Gründers Martin Kleinfeldt.

Straßenbau, Geschäftszeilen, besondere Bauwerke, die dann auch als Postkarte verfügbar waren, die Kartoffelernte oder Trachtenumzüge: Walter Kleinfeldt wusste intuitiv, dass dieses Material einmal die Nachwelt interessieren dürfte. „Und er war ein waghalsiger, mutiger Fotograf“, weiß Hägele. Der Blick auf manche Bilder offenbare, dass der Fotograf sich an durchaus riskanten Standorten befunden haben muss; so beispielsweise ziemlich ausgesetzt an einer Hangkante, zusammen mit einem seiner Kinder.

Mit wachem Blick dokumentierte der in Reutlingen Aufgewachsene auch den Alltag in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Im April 1945 wurde er bei einem Luftangriff der Franzosen nahe Hagelloch im Schönbuch getötet.

Früh schon starb 1909 sein Vater Wilhelm, da war Walter Kleinfeldt gerade einmal zehn Jahre jung. Nach seinem Notabitur  zog Walter Kleinfeldt 1915 freiwillig in den Ersten Weltkrieg. Zurück in Reutlingen bekam der Autodidakt mit dem Blick aus Wesentliche erste Foto-Aufträge. 1920 gründete er das „Photohandelshaus“ in der Gartenstraße 50. Und die Geschäfte liefen gut. Ausgerechnet in der Zeit der großen Wirtschaftskrise, so um 1928, expandierte Kleinfeldt, eröffnete das Geschäft in Tübingen, hatte bald schon 13 Beschäftigte.

Ein Mann, der nie den Beruf des Fotografen erlernt hatte, schlug sich gut durch, hatte Talent – und es kamen Aufträge auch für die Industriefotografie, so von Gminder, vom Bruderhaus und vom Kaufhaus Haux.

Schon früh habe Kleinfeldt erkannt, so Kurator Hägele, dass es einen riesigen Bedarf an Ansichtspostkarten gab. Diese Lücke füllte der ambitionierte Fotograf und besuchte die schönsten, lauschigsten Orte und Aussichtspunkte in der Region und gründete einen eigenen Postkartenverlag. Ab 1933 dann konnte er seiner künstlerischen Arbeit mit der legendären „Contax“ nachgehen; einer für die damalige Zeit sensationell vielfältigen Kamera. Auch die ist in der Reutlinger Schau zu sehen.

Kleinfeldt-Fotografien im Heimatmuseum

Die Ausstellung „Heimat – zwischen Demokratie und Diktatur“ im Heimatmuseum Reutlingen ist dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. An Donnerstagen ist von 11 bis 19 Uhr geöffnet, an Sonntagen von 11 bis 18 Uhr. Weitere Infos, auch zu den sechs Führungen, gibt es unter Telefon (0 71 21) 3 03 20 50, oder unter www.reutlingen.de/Heimatmuseum. jhe

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