Reutlingen / Von Jürgen Spieß  Uhr

Die Finanzämter Reutlingen und Tübingen luden die Steuerberater aus dem Kreis zum gemeinsamen Neujahrsempfang in die IHK-Akademie ein. Thema der Veranstaltung: Veränderungen, Digitalisierung und Rückschau auf das Steueraufkommen, bei dem beide Finanzämter einen Zuwachs verzeichnen können.

Sekt gab es diesmal nicht beim zum 33. Mal ausgetragenen Neujahrsempfang, dafür Butterbrezeln und Wein. Dabei können vor allem die Reutlinger Finanzamts-Leiterin Sigrid Brucker-Maschke, aber auch Tübingens Finanzamts-Chef Dieter Möhler durchaus Erfreuliches berichten: Sowohl das Steueraufkommen als auch der Personalstand haben sich 2017 in beiden Amtsbezirken erhöht. Vor allem das Reutlinger Finanzamt kann eine überaus positive Bilanz ziehen und konnte Tübingen beim Steueraufkommen erstmals überflügeln: Obwohl sich die Einnahmen bei der Einkommenssteuer gegenüber 2016 um 6,7 Prozent (10,51 Millionen Euro) verringert haben, weist das Steueraufkommen in Reutlingen insgesamt ein Plus von neun Prozent aus. In Zahlen ausgedrückt haben sich die Einnahmen um 103,31 Millionen auf insgesamt 1249,61 Millionen Euro erhöht.

Während der größte Zuwachs bei der Körperschaftssteuer (plus 42,43 Prozent auf 52,84 Millionen Euro) verzeichnet werden konnte, stiegen die Umsatzsteuer um 16,99 Prozent auf 396,70 Millionen Euro und die Erbschaftsteuer um 22,18 Prozent auf 124,50 Millionen Euro. Auch der Personalstand hat sich gegenüber 2016 leicht erhöht: Im letzten Jahr waren beim Reutlinger Finanzamt insgesamt 401 Mitarbeiter angestellt, davon 33 Auszubildende. In der mittleren Führungsebene haben mehrere Mitarbeiter das Haus zwar verlassen und auch dessen Leiterin Sigrid Brucker-Maschke geht zum 1. Juni in Ruhestand: „Ich hoffe aber, dass diese Stellen schnell wieder besetzt werden“, so die Amts-Chefin. Sie bedankt sich bei ihrem letzten Neujahrsempfang bei den Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit und beendet ihren Rückblick mit der Prognose: „Beraterberufe werden auch in Zukunft nicht notleidend werden“.

Vor ihr trat Dieter Möhler vom Finanzamt Tübingen ans Rednerpult und begann seine Rückschau gleich mit einer kleinen Breitseite in Richtung Nachbarbezirk: „Dass wir dieses Mal ein geringeres Steueraufkommen als Reutlingen vorweisen können, liegt vermutlich nur an deren hohen Erbschaftssteuer-Einnahmen“, so der Finanzamt-Leiter mit einem Augenzwinkern. Er verwies in seiner Rede auf die vielen Veränderungen, die die Digitalisierung für die Mitarbeiter mit sich bringt. Im Veranlagungszeitraum 2016 betrage die Elster-Quote der Steuerberater in seinem Amtsbezirk immerhin 83,04 Prozent (Reutlingen: 85,66 Prozent), die papierlose Bearbeitung schreite weiter voran.

Auch die Umstellung auf eine zentrale EDV habe große Veränderungen mit sich gebracht, dafür seien inzwischen alle Sachbearbeiter mit einem zweiten Bildschirm ausgestattet. Was die Zahlen angeht, zeigte sich auch Dieter Möhler sehr zufrieden: Das Steueraufkommen habe sich trotz eines empfindlichen Einbruchs bei der Körperschaftssteuer ( minus 27,8 Prozent) um 56,7 Millionen oder vier Prozent auf 1234 Millionen Euro erhöht, wobei der stärkste Zuwachs bei der Lohn- und Umsatzsteuer (jeweils 5,7 Prozent) zu verzeichnen ist. Am 1. Januar 2018 waren beim Finanzamt Tübingen 273 Mitarbeiter beschäftigt, davon 45 Auszubildende, verkündete der Tübinger Finanzamts-Chef. Damit habe sich der Personalstand gegenüber 2016 leicht erhöht.

Zum Abschluss berichtete Gastredner Michael Schmitt über die Aufgaben der Steuerabteilung im Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg, der er seit 18 Jahren vorsteht. Der erst unlängst von der Welt am Sonntag als „Fürst im Steuerdschungel“ titulierte Leiter bezeichnete seine Abteilung, die in fünf Referate aufgeteilt ist, als „letzte Instanz in der Steuerverwaltung“, die für die heiklen Lösungen beim Steuerrecht zuständig ist.

Auch zu den Sondierungsgesprächen von CDU/CSU und SPD hat er eine Meinung. Bei aller Kritik an den steuerpolitischen Vorschlägen der Parteien ist er davon überzeugt: „Die werden das schaffen.“