Pfullingen Das sinnliche Erleben beflügelt

Elke Stietzel und ihr Tryptichon "Trois Couleurs" in drei Farben.
Elke Stietzel und ihr Tryptichon "Trois Couleurs" in drei Farben. © Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / JÜRGEN HERDIN 13.05.2015
Bilder, Skulpturen und Texte, die einem in der Seele wohltun: "Beflügelt", so nennt Elke Stietzel ihre Ausstellung. Farbenfroh, teils erotisch und mit poetischen Texten gastiert die Münsingerin in der Klosterkirche.

Die gebürtige Rietheimerin, das damals noch kein Teilort von Münsingen war, wurde nach über 19 Jahren wieder einmal nach Pfullingen eingeladen - von einem ebenfalls gebürtigen Rietheimer. Das ist Alt-Bürgermeister Rudolf Heß. Schade, denn ausgerechnet er konnte zur Vernissage wegen einer privaten Angelegenheit nicht kommen. Umso mehr freute sich Elke Stietzel, dass mit Dr. Stefan Meißner ein ausgewiesener Kunstkenner die Rede zur Vernissage in der Klosterkirche hielt.

Und was macht sie, wer sind die Ansprechpartner ihrer Kunst, die auch in besonderer Weise von Stietzels Interesse am menschlichen Körper und allen seinen Ausdrucksmöglichkeiten geprägt ist?

Es ist das sinnliche Erleben in vielfältigen Ausprägungen - und es ist das Schöne, das Ästhetische, was ihre Kunst ausmacht. Den Menschen stellt sie in den Mittelpunkt des Geschehens. Und in den Texten, die sie ihren Bildern beifügt, scheut sie sich auch nicht, Kritik an der Gesellschaft zu üben. Da ist zum Beispiel die wunderschöne Florentina, eine Primaballerina aus Radna in Rumänien. Die begnadete Tänzerin wurde schon früh vielseitig gefördert. Als Asylbewerberin wurde sie zusammen mit ihrem Mann "im Zollernalbkreis stationiert", so Stietzel in ihrem Bildtext. Das Mädchen habe fortan nicht einmal mehr im Stuttgarter Staatstheater mittrainieren dürfen. Eine Tänzerin, die aber nicht mehr tanzen darf, sei "wie ein Engel ohne Flügel", so Elke Stietzel.

Doch in der Pfullinger Schau überwiegen Skulpturen und Gemälde wie die Venus, "weich gebettet auf einem Diwan - zwischen himmlischem Blau und purpurnem Rot", so Stefan Meißner, der weiß: "Jeder Pinselstrich unterstreicht wie ein Ausrufezeichen die weibliche Sicht der Dinge", schrieb einst ein Journalist.

Meißner war übrigens auch vor 19 Jahren schon in Pfullingen, als Stietzel dort das erste Mal auftrat.

"Luftig und leicht, eine lebendige Anmut" nannte Bürgermeister Michael Schrenk Stietzels Kunst zur Eröffnung der Ausstellung, die am Pfingstmontag, 25. Mai, endet, und die jeweils von 14 bis 17 Uhr besucht werden kann. Am Sonntag, 17. Mai, führt Elke Stietzel um 15 Uhr selbst durch die Schau.

Diese wurde eröffnet mit der Musik von Ramona Hornung (Gesang) und Marc Hartmann an der Gitarre, zwei Musikpädagogen aus Zwiefalten, deren Darbietungen auf ganz eigene Weise verzauberten.

"Wer Menschen unter dem Blickwinkel anschaut, ob sie etwas bewegt und beflügelt, hat ein optimistisches Menschenbild", so Meißner. Auch das Zwischenmenschliche zwischen Mann und Frau zeigt Stietzels Skuptur "Unterwegs". Und eine tiefe existenzielle Harmonie geht von dem Bild "Vincent träumt" aus.

Wer Menschen in der Überzeugung anschaue, dass sie etwas beflügeln können, der glaubt an die Sensibilität des Menschen, die Freiheit des Menschen, etwas tun oder lassen zu können", so Meißner. Und insgesamt passe die Auswahl der Skulpturen, Texte und Gemälde in außerordentlich guter Weise zum Thema der Schau "Beflügelt".

Ans Publikum gewandt sagte er: "Die Arbeiten von Elke Stietzel können Sie beflügeln - sage ich. Probieren Sie's aus!"