Lichtenstein/Sonnenbühl Das Schloss und die Rotoren

Rotoren halb so hoch wie der Pariser Eiffelturm? Hier der Blick von Holzelfingen mit Schloss Lichtenstein am Horizont als Visualisierung. Foto/Montage: Sowitec
Rotoren halb so hoch wie der Pariser Eiffelturm? Hier der Blick von Holzelfingen mit Schloss Lichtenstein am Horizont als Visualisierung. Foto/Montage: Sowitec
Lichtenstein/Sonnenbühl / JÜRGEN HERDIN 22.01.2015
Die Firma Sowitec will sieben Windräder auf dem Sonnenbühler Hohfleck bauen. Darüber sind zahlreiche Lichtensteiner überhaupt nicht erfreut.

"Auch wenn der Mindestabstand eingehalten wird, verlöre Schloss Lichtenstein durch die Windkrafträder sein bisheriges Erscheinungsbild", erklärte Lichtensteins Bürgermeister Peter Nußbaum auf Anfrage; dies nach der Bürgerversammlung in Engstingen über das Windkraftprojekt der Firma Sowitec für die Bebauung des rund 870 Meter hohen Bergs Hohflecks (wir berichteten). "Jedoch glaube ich, dass das Projekt letztendlich niemand verhindern will." Wilhelm Albert, Herzog von Urach, der Hausherr von Schloss Lichtenstein, sagte: "Das Vorhaben erweckt natürlich nicht meine Freude, logisch, wenn die einem so etwas vor die Haustüre bauen." Er wisse aber auch, dass dies die einzige Fläche sei, die Sinn mache.

Sowitec hatte, als Pionier in der Region, 1995 den Windpark auf dem Himmelberg oberhalb des Sonnenbühler Teilorts Willmandingen errichtet. Danach kam lange Zeit nichts. Denn die CDU-regierten Landesregierungen sprachen sich immer vehement gegen die "Verspargelung" der Landschaft aus.

Heute werden die Dinge angesichts des Atomausstiegs und der Energiewende - und dem Hang zum Regenerativen etwas anders gesehen. Und die Landesregierung in Stuttgart wird von Grünen und der SPD geführt. Auch der Lichtensteiner Bürgermeister ist kein kämpferischer Gegner des Großprojekts mit seinen bis zu sieben Rotoren, die dann bis zu 140 Meter hoch sein würden. Hatte Nußbaum doch Ende September seine Gemeinderäte gebeten, die "Änderung des Flächennutzungsplans" durchzuwinken. Doch es folgte ein Aufstand der Lichtensteiner Gemeinderäte.

Das Landschaftsbild würde verschandelt, insbesondere Schloss Lichtenstein würde unter der dann ganz anderen landschaftlichen Optik leiden. Andere Gemeinderäte warnten aber seinerzeit: Wer es mit der Energiewende ernst nehme, dürfe sich nicht einfach für Windkraft aussprechen mit dem Vorbehalt: "Aber nicht vor meiner Haustüre." Knapp wurden mit neun gegen sieben Stimmen Einwände gegen das Vorhaben beschlossen. Peter Nußbaum weiß, dass das Projekt Windpark Hohfleck sicher auch "rechtlich sorgfältig geprüft" werde. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit werde sich auch das Landesdenkmalamt melden. "Das Schloss ist ein Kulturdenkmal von herausragender Bedeutung", so Nußbaum, das durch den Windpark beeinträchtigt würde. "Wir müssen das noch einmal vertieft betrachten."

Und das wahrscheinlich recht bald. Wilhelm Albert, Herzog von Urach, geht davon aus, dass der Windpark schon Ende 2015 stehen könnte. Ob auch er dagegen aktiv wird, weiß er noch nicht. Indes: Wer vom Schloss in Richtung Süden und Südwesten blickt, habe derzeit noch eine intakte Alblandschaft vor sich, "die gäbe es danach aber nicht mehr", sagt der Herzog.