Reutlingen Das Land braucht freie Grenzen

L-Bank Wirtschaftsforum in Reutlingen (v.l.): Dr. Thomas Lindner (Vizepräsident IHK Reutlingen), Botschafter Wolfgang Ischinger, Dr. Axel Nawrath (Vorsitzender des Vorstands der L-Bank), Harald Herrmann (Präsident HWK Reutlingen), Barbara Bosch (Oberbürgermeisterin Stadt Reutlingen).
L-Bank Wirtschaftsforum in Reutlingen (v.l.): Dr. Thomas Lindner (Vizepräsident IHK Reutlingen), Botschafter Wolfgang Ischinger, Dr. Axel Nawrath (Vorsitzender des Vorstands der L-Bank), Harald Herrmann (Präsident HWK Reutlingen), Barbara Bosch (Oberbürgermeisterin Stadt Reutlingen). © Foto: KD Busch/L-Bank
Reutlingen / swp 04.07.2018

Die drohenden handelspolitischen Verwerfungen und deren Folgen treiben die exportstarken Unternehmen in der Region um. Rund 350 Unternehmer und Berater nutzten beim L-Bank Wirtschaftsforum in der Reutlinger Stadthalle die Gelegenheit, sich mit den Einschätzungen des ausgewiesenen außenpolitischen Fachmanns Wolfgang Ischinger auseinanderzusetzen.

Im Rahmen des halbtägigen Forums konnten sich die mittelständischen Unternehmer in Vorträgen, Diskussionen, Workshops und auf der begleitenden Fachmesse rund um die Themen Innovationen, Digitalisierung und Fachkräftegewinnung über aktuelle Fördermöglich­keiten der Mittelstandfinanzierung informieren. Veranstalter des Wirtschaftsforums, das zum ersten Mal in Reutlingen stattgefunden hat, war die L-Bank gemeinsam mit der Bürgschaftsbank, der Handwerkskammer Reutlingen sowie der IHK Reutlingen.

Der Vorsitzende des Vorstands der L-Bank, Dr. Axel Nawrath, hob die spannende und auch spannungsgeladene Zeit hervor, in der sich Wirtschaft und Gesellschaft derzeit bewegen: „Die Südwestwirtschaft wächst seit nunmehr 20 Quartalen ununterbrochen und der Arbeitsmarkt präsentiert sich ebenfalls in herausragender Verfassung.“ Nawrath mahnte jedoch, dass der Aufschwung langsam an seine Grenzen stoße und eine inzwischen wahrnehmbare Stimmungseintrübung beobachtet werden könne.

Großes Potential verortet der Vorsitzende des Vorstands der landes­eigenen Förderbank bei der Digitalisierung als aktuellen Megatrend und damit bei den betrieblichen Investitionen in die eigene Zukunftsfähigkeit.

Eine der Grundvoraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg ist das reibungslose Funktionieren des Welthandels. Das machte Botschafter Wolfgang Ischinger als Gastredner in einem Impulsreferat über die wachsende geopolitische Unberechenbarkeit und die daraus folgenden strategischen Herausforderungen für Europa deutlich. Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz unterstrich, dass gerade für das industriell geprägte Baden-Württemberg freie Grenzen und frei fließende Waren- und Handelsströme wirtschaftlich von besonders großer Bedeutung seien.

In der anschließenden Talkrunde griffen Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, und Dr. Thomas Lindner, Vizepräsident der IHK Reutlingen, die von Botschafter Ischinger gegebenen Impulse auf. Lindner wies auf mögliche Gefahren und Auswirkungen für die heimischen Betriebe hin: „Uns muss klar sein, dass die US-Sanktionen gegen den Iran wie die Handelszölle auch die Firmen aus der Region treffen werden.“

Gefragt zu den Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung der wirtschaftlichen Prozesse unterstrich Herrmann die weitreichenden Auswirkungen dieser rasanten Entwicklung: „Neue Kommunikations- und Fertigungstechniken werden die Arbeitswelt und auch Geschäftsmodelle im Handwerk verändern“, so der Handwerkspräsident. Unterstützung für die Betriebe sieht er in der vom Land geförderten Initiative Dialog und Perspektive Handwerk 2025. Von zentraler Bedeutung ist für ihn dabei die Nachwuchsgewinnung und Fachkräftesicherung.

Den Blick auf die Stadt richtete Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Dabei machte sie deutlich, dass Reutlingen in vielerlei Hinsicht boomt und das dynamische Wachstum auch mit einem noch größeren Angebot an Wohnungen und Arbeitsplätzen gestalten müsse.

Im fachlichen Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Workshops für Unternehmer. Anhand aktueller Best-Practice-Beispiele stellten Förderexperten der beteiligten Banken sowie Firmeninhaber aus der Region unter anderem vor, wie Konzepte wie Internationalisierungsstrategien im Mittelstand, Innovationen und die Optimierung der Ressourceneffizienz sowie der Risikounterstützung mit den passenden Finanzierungsmöglichkeiten angegangen werden können.

Parallel zu den Unternehmer-Workshops hatten sich rund 130 Steuerberater, Unternehmensberater und Finanzierungsfachleute zu einer Expertenrunde getroffen, um gemeinsam mit Dirk Buddensiek, Vorstand der Bürgschaftsbank, und Johannes Heinloth, Mitglied des Vorstands der L-Bank, über aktuelle Trends in der Mittelstandsfinanzierung zu diskutieren. Ergänzt wurde das Wirtschaftsforum von einer Fachmesse mit mehr als 30 meist regionalen Ausstellern zum Thema Finanzierung, aber auch zu Themen wie digitale Transformation im Mittelstand, Industrie 4.0 und Elektromobilität.

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