Das seit September 2015 bestehende Programmkino Kamino wandelt weiter auf der Erfolgsspur und vergrößert sich durch die Anmietung von Räumlichkeiten ihres direkten Nachbarn: Das vermeldete das Genossenschaftsteam bei der Generalversammlung im Haus der Volkshochschule. Doch neben der durchaus positiven Entwicklung im Jahr 2018 gab es bei der Aussprache auch Kritik in Bezug auf die Auswahl der gezeigten Filme.

Das Kamino-Team hat es im vergangenen Jahr sogar geschafft,  „sich erfolgreich gegen den negativen Branchentrend zu stellen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Bausch. Das Programmkino lege Wert auf ein breites Spektrum der gezeigten Filme, sei ein Ort der interkulturellen Begegnung und finde auch überregional Beachtung: „Wir haben sicherlich eine Lücke im Reutlinger Kulturleben geschlossen“, betonte Bausch bei seinem Bericht des Aufsichtsrates und auch der neue Oberbürgermeister Thomas Keck wurde nicht müde, das Programmkino in seinem Grußwort zu loben: „Ich verfolge die Entwicklung des Kamino mit viel Sympathie“, so der Reutlinger Schultes, „der städtische Zuschuss von 20 000 Euro ist hier gut angelegtes Geld“.

Allein knapp 26 000 Kinofreunde besuchten 2018 das Kamino, das sei trotz Fußball-WM, Jahrhundertsommer und einem „Horrorjahr für die Restbranche“ nochmal ein leichter Zuwachs gegenüber dem Vorjahr, freute sich Geschäftsführer Andreas Vogt. Auch im ersten Quartal 2019 habe sich der positive Trend fortgesetzt, führte Vogt weiter aus. 9100 Besucher kamen in den ersten drei Monaten dieses Jahres zu den 23 Vorstellungen pro Woche und allein 3500 Kinogutscheine seien derzeit noch im Umlauf. Bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern zeichnete sich ebenfalls eine positive Tendenz ab: 15 neue Mitarbeiter konnte das Kamino in den letzten sechs Monaten begrüßen und allein die drei fleißigsten Helfer leisteten 2018 mehr als 1000 Stunden ehrenamtliche Arbeit.

Ein besonderer Dank gebühre auch den 852 Genossenschaftlern, die bis Ende 2018 Anteile über 200 Euro gezeichnet haben. Davon beteiligen sich zwischen 60 und 80 Mitglieder aktiv bei der Mitarbeit in folgenden Arbeitsgruppen: Presse- und Medienarbeit, Abendregie, Bar/Kasse, Programmzusammenstellung,  Technik und Verwaltung/Buchführung. Außerdem kündigten die Vorstandsmitglieder Klaus Kupke und Gerhard Steinhilber an, dass sich die Ticketpreise ab Mai erhöhen werden: Zukünftig zahlen Erwachsene neun anstatt acht Euro und auch die ermäßigten Tickets verteuern sich um ein Euro. Online kann man in Zukunft nicht mehr reservieren und es wird weiterhin ein bestimmtes Kontingent an Tickets für den Abendkassenverkauf zurückbehalten. Dafür gibt es zukünftig montags einen Kinotag, an dem der Ticketpreis bei sieben Euro liegt.

Meinungsverschiedenheit bei Programmauswahl

Für einigen Unmut sorgte am Ende die Aussprache, bei der Mitglieder der Programmgruppe ihre Befürchtung zum Ausdruck brachten, dass die Programmstruktur verändert werde und anspruchsvolle Dokumentar- und Spätfilme zunehmend wirtschaftlichen Erfordernissen geopfert würden. Vor allem die nach ihrer Meinung zunehmende Tendenz des Vorstands und der Geschäftsführung, Filme auszuwählen, die zum Bundesstart anlaufen, wurde von Mitgliedern der Programmgruppe kritisiert. Diese Meinungsverschiedenheit konnte offensichtlich in der Vergangenheit nicht ausgeräumt werden. Ulrich Bausch verteidigte die Einflussnahme des Vorstands auf die Filmauswahl, da das Kamino eine gesunde Balance zwischen qualitativ hochwertigen Filmen und den eher kommerziellen Bundesstarts brauche: „Wir stehen für Programmvielfalt“, so der Aufsichtsratsvorsitzende, „die erreichen wir aber nur, wenn wir wirtschaftlich gesund sind“.

Eine wichtige Neuerung gibt es ebenso zu vermelden: Das Programmkino wird vergrößert, denn seit 15. April hat die Genossenschaft die Räumlichkeiten ihres direkten Nachbarn, der kürzlich geschlossenen Weinhandlung La Vinée, für rund 500 Euro monatlich angemietet. Das ermöglicht dem Kino, sein Foyer zu erweitern. Außerdem besteht dadurch für die Zukunft die Option, eine zweite Leinwand zu installieren.

Doch bis dahin sei es noch ein langer Weg, sagt der Vorstand Klaus Kupke, denn diese Entscheidung sei auch von der weiteren Entwicklung des Kamino und der Kinobranche als Ganzes abhängig.

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Genossenschaftler gibt es inzwischen beim Programmkino Kamino und allein in den vergangenen sechs Monaten konnten 15 neue Mitarbeiter rekrutiert werden.