Reutlingen Das Gustav-Werner-Stift ist eröffnet

Markanter Bau mit eigener Formensprache: Das gestern eröffnete Gustav-Werner-Stift am Wandel-Knoten. Foto: Marinko Belanov
Markanter Bau mit eigener Formensprache: Das gestern eröffnete Gustav-Werner-Stift am Wandel-Knoten. Foto: Marinko Belanov
Reutlingen / PETER ANDEL 13.04.2013
Der zweite große Baukomplex in der Nähe des Stadtzentrums ist fertig: Gegenüber der Stadthalle wurde am Freitag das L-förmige Gustav-Werner-Stift der Bruderhaus-Diakonie eröffnet - ein 15-Millionen-Projekt.

Mit Partnern aus Kommune, Kreis, Diakonie und Baugewerbe eröffnete am Freitag die Bruderhaus-Diakonie das Gustav-Werner-Stift - und zwar an der "Keimzelle" der diakonischen Arbeit ihres Gründers, des Sozialreformers Gustav Werner, wie der Fachliche Vorstand Günter Braun bei der Begrüßung der Gäste im großen Saal betonte. Insofern sei dieser Standort für die Bruderhaus-Diakonie von großer historischer Bedeutung.

Drei Jahrzehnte habe es gedauert und mehrere Anläufe, bis das Projekt verwirklicht werden konnte, wobei die Stadthalle letztlich den Durchbruch gebracht habe. Das Gustav-Werner-Stift sei "kein Selbstzweck", sondern besitze "dienende Funktion". Bei den Kosten, so Braun, liege man mit 15,2 Millionen Euro unter dem Rahmen von 16 Millionen, wobei die öffentliche Hand insgesamt 3,5 Millionen zugeschossen hat - 2,38 Millionen kamen vom Land, 885 000 Euro vom Kreis und 260 000 Euro vom Kommunalverband für Jugend und Soziales.

Für Oberbürgermeisterin Barbara Bosch war es ein "ganz besonderer Tag der Freude", konnte sie ihr Grußwort doch im Trockenen halten, während sie und die Gäste bei der Grundsteinlegung am 22. Juli 2011 wegen eines Platzregens fluchtartig ins Innere wechseln mussten. Das Gustav-Werner-Stift, so das Stadtoberhaupt, komme der Aufforderung des Propheten Jeremia nach, der sagte: "Suchet der Stadt Bestes."

Das Haus sei nun neuer Lebensmittelpunkt für Senioren und Behinderte. Und die Bruderhaus-Diakonie habe den Mut bewiesen, dies an einer "prominenten Stelle" der Stadt zu tun und mit dem Gustav-Werner-Stift auch noch architektonisch eine eigene Formensprache entwickelt. Der Sozialreformer Gustav Werner habe doch recht gehabt mit seinem fundamentalen Spruch ("Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert"). Hier sei eine "ansehnliche Tat" verwirklicht worden. Landrat Thomas Reumann erinnerte an den demografischen Wandel und die lange Zeit fehlenden Heimplätze im Kreis. Die Bruderhaus-Diakonie als größte Anbieterin habe "maßgeblich" dazu beigetragen, dass flächendeckend ausreichend wohnortnahe Plätze angeboten werden können. Das Motto, so Reumann, könne durchaus lauten: "Mitten im Leben 2.0". Denn im Gustav-Werner-Stift werden Synergieeffekte erzeugt, niederschwelliger Zugang ermöglicht, stationäre und teilstationäre Betreuung angeboten - alles modellhaft.

Heike Baehrens, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, zeigte sich davon überzeugt, dass an dieser Stelle "Teilhabe" gelingen wird. Die Menschen dürften eine "lebendige Nachbarschaft" erleben, was nicht nur auf den pulsierenden Verkehr gemünzt sei. Baehrens wünschte sich, dass Bewohner und Beschäftigte in der Gemeinde eine offene Aufnahme finden. Der Vorstandsvorsitzende der BruderhausDiakonie, Pfarrer Lothar Bauer, sagte: "Manche Senioren sind heute verwaist, wenn sie ihre Kinder erfolgreich zu Weltbürgern erzogen haben und mit ihnen skypen. Für sie ist dieses Haus da."

Nach der Schlüsselübergabe bestand noch Gelegenheit, sich von den Spitzen der Behindertenhilfe Neckar-Alb, Johannes Schneider und Siegfried Weber, das Konzept des Hauses erläutern zu lassen.

Info Die Bruderhaus-Diakonie lädt am Sonntag, 14. April, 11 bis 17 Uhr, zu einem Tag der offenen Tür ins Gustav-Werner-Stift ein.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel