Pliezhausen Das Gedächtnis der Gemeinde

Zeit und Schädlinge setzen dem Papier zu.
Zeit und Schädlinge setzen dem Papier zu.
MARA SANDER 05.03.2012
"Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen" sind auch in Pliezhausen dokumentiert und weckten das Interesse der Bürger beim Tag der Archive. Holzwürmer und Mäuse waren schon vorher aktiv.

"Ich habe noch nie so viele große Holzwurmhäufchen gesehen." Kreisarchivarin Irmtraud Betz-Wischnath berichtete am Samstag über ihre Erfahrungen mit Archivalien aus Dörnach, als sie offiziell das Findbuch für den Tag der Archive übergab. Im Pliezhäuser Rathaus waren Dokumente zum Thema "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen" beim bundesweit sechsten Tag der Archive zu sehen. Das Kreisarchiv Reutlingen, zu dessen Aufgaben die Gemeindearchivpflege gehört, stellt am Tag der Archive jeweils ein Gemeindearchiv vor, um die Bedeutung der kleinen kommunalen Archive zu verdeutlichen, die teilweise Unterlagen bis zurück in die Zeit vor dem 30-jährigen Krieg haben. Dieses Jahr war die Reihe an Pliezhausen, denn das Archiv des Ortsteils Dörnach ist nun geordnet, erschlossen und signiert. Somit konnte das Findbuch nun an Bürgermeister Christof Dold übergeben werden.

Das Findbuch ist das ausführliche Verzeichnis sämtlicher Archivalien eines Dorfes. Annette Bidlingmaier vom Kreisarchiv hatte in den vergangenen Wochen mit Hochdruck daran gearbeitet, alles noch einmal abzugleichen, denn von großen Katastrophen blieben die Pliezhäuser Unterlagen zwar verschont, aber EDV-Umstellungen auf neue Software können sich auch katastrophal auswirken.

Die Inhalte des Archivs schmeckten den Mäusen recht gut zu der Zeit, als es noch im alten Rathaus in Dörnach lagerte. Die Besucher konnten die Spuren der Nager sehen und das Archiv bestaunen, das im Untergeschoss des Rathauses in einem klimatisch geeigneten Raum in einer modernen, platzsparenden Rollregalanlage untergebracht ist.

Ziel des Aktionstags ist es, historisch interessierten Bürgern Einblick in die oft geheimnisumwitterte Welt der Archive zu geben. "Moderne Archive befinden sich eben nicht in dumpfen Verliesen und es steht auch kein Zerberus davor, der sie mit Zähnen und Klauen gegen Besucher verteidigt", so die Kreisarchivarin zu der mäuse- und holzwurmfreien Zone.

Eine kleine Ausstellung mit zahlreichen Dokumenten zum Thema des Archivtags ließ die Besucher stöbern und sich teilweise erinnern an Brände und zündelnde Kinder, Hagelschlag und Hochwasser, Hunger und Krieg. Ahnenhaus und Geschichtswerkstatt zeigten eine Dokumentation über den Fliegerabsturz bei Dörnach im Oktober 1944 sowie einen Film mit der Aufzeichnung eines Interviews mit dem Zeitzeugen Gerhard Beck.

Vorstellung der Archivarbeit, Magazinführungen, typische und besondere Archivalien im Gemeindearchiv, eine Zusammenstellung des Handwerkszeugs, das zum Archivieren benötigt wird, Informationen und Unterstützung beim Entziffern von Schriftstücken aus Privatbesitz und die Mitmachaktion mit Feder und Tinte alte Schriften selbst zu schreiben, machten den Tag zu einem informativen Erlebnis. "Eine gute Gelegenheit Ortsgeschichte auch der jüngeren Generation näher zu bringen", findet Bürgermeister Christof Dold.